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Kino im Freiluftkino Köln!

Köln zu genießen, heißt auch Köln am Abend zu erleben. Und da gibt es vielfältige Angebote, abgesehen von den schönen Biergärten, die dich kreuz und quer durch die Veedel verteilen. Eines der schönen Sommerangebote in Köln sind die Freiluftkinos. Da gibt es mittlerweile einige, Müngersdorf, Ehrenfeld, am Sportmuseum, in der Maybachstraße und natürlich das kleine Kino am Yachthafen.
 
Gestern Abend hab ich mich mit Zabi am Yachthafen am Rhein zur Filmvorführung eines alten Filmes von Franz Lang getroffen. „Metropolis“ wurde gezeigt. Ich dachte noch, merkwürdige Zusammenstellung des Sommerprogramms. Neben all den jungen Mainstream-Filmen, Der Vorleser, Slumdog Millionair, irgendso ne Mario Barth-Story, grausam, ehrlich. Ich steh mal gerade nicht auf Mario Barth. Dieser Humor ist mir einfach zu blöd. Da geht gerade noch „Maria ihm schmeckt´s“ nicht“ nach Jan Weilers gleichnamigem Roman. Das scheint nett zu sein. Ich bin ja nicht so der Typ für Kino-Komödie. Ich brauch immer was zum lange Nachklingen und Nachdenken.
 
Ich war das erste Mal in diesem Freiluftkino und war wunderbar überrascht. Die Kulisse ist ja so gesehen nicht sehr schön. Kalte, zwar architektonisch gesehen, sehr imposante Bauwerke, aber einige Baustellen dazwischen, rechter Hand die Rheinuferstraße, von der schon hier und da einiges von der Geräuschkulisse ans Ohr klingt.
 
Dennoch, ich war wirklich hin- und weg gestern Abend. Sowieso liebe ich es, in lauen Sommernächten irgendwo draußen herumzulungern;-) Schade, dass die Meisten in meinem Alter für so was nicht mehr zu haben sind. Irgendwie sind viele ab 5o zu Sesselhockern geworden. So nicht aber Röschen-) Wie gut..dass es Zabi gibt:-)
 
Eine schöne Stimmung jedenfalls dort in diesem Freiluftkino. Die Preise sind auch völlig in Ordnung. Für den Kinobesuch 6,--€ und das Bierchen ist auch in Ordnung, gerade mal 2,--€ 0,3 lt.
 
Das wie gesagt laue Sommerlüftchen, der Himmel noch verfärbt vom Rot der untergehenden Sonne, hin- und wieder Kondensstreifen der am Horizont sichtbar werden Flugzeuge, die Menschen in ferne Länder tragend, sogar Fesselballons schwebten gestern Abend über Köln und da fängt man an zu träumen, einmal im Leben in so einem Ballon zu schweben, alles unter sich zurückzulassen, über den Dingen sozusagen zu schweben, die lautlose Stille, da oben, sol hoch, zu erleben. Dazu gibt es bis zum Anfang des Films sehr schöne, dezente Musik. Gestern lief hauptsächlich Sigur Ros, meine Musik für solche Stimmungen. Die bunten Lichter der kleinen Lämpchen rund um spiegeln sich im Wasser wider, aus den Gebäuden schimmern grün-rot-blaue Lichter, eine schon fast surreale Atmosphäre.
 
Ich dachte so zwischendurch, merkwürdig, ein Ort, an den man sonst so nicht gehen würde, geschweige denn, sich für längere Zeit niederlassen würde, weil für mich jedenfalls, zu kahl, zu nüchtern, zu kalt. Aber gerade das hat mich gestern Abend so fasziniert, diese Umgebung, die durch die Anwesenheit der verträumt, den Sommerabend genießenden Menschen genau diesen nüchternen Platz mit Leben gefüllt, ja ihm Leben eingehaucht haben. Leben kann überall geschehen.
 
Bei Anbruch der Dunkelheit startet dann der Film. Gestern Abend eben, wie gesagt „Metropolis“. Ein Klassiker eigentlich, aber ich hatte ihn noch nie gesehen. Man muss es aushalten können, diese Art des alten Stummfilms. Heute Morgen am Frühstückstisch hörte ich nämlich, ne, das war mir zu langweilig, zu unspektakulär. Mir ging es gerade andersrum. Ich war schon sehr gefesselt, weil es auch mal wieder absolute Konzentration erfordert, zu folgen, dabei zu bleiben, die eingefügten textlichen Erklärungen mitzubekommen und sich zu focusieren auf die natürlich für die damalige Zeit sehr überspitzt dargestellten Mimiken und Gestiken. Heute würde ein solcher Stummfilm sicher ganz, ganz anders aussehen.
 
Metropolis, spannende Geschichte über die Zweiklassengesellschaft. Oberschicht, Menschen die in den Gärten der Lust und der Wonne leben, dem Preis zahlt die Unterschicht, die in der Tiefe unter der Stadt leben, ausgebeutet werden, als Maschine, als Motor verheizt werden, damit die Wenigen da oben in Saus und Braus leben können. Was hat sich eigentlich geändert seit dieser Zeit auf dieser Welt! Nichts? Die Auswüchse sind nur anders geworden.Der Turm Babel ist noch höher geworden.
 
Fritz Lang sagte damals, es muss einen Mittler geben zwischen Kopf und Hand! Später hat er diese Aussage widerrufen und „Herz“ mit sozial“ ersetzt. Fraglich! Für mich jedenfalls. Woher soll eine soziale, innere Haltung kommen, wenn nicht aus dem Herzen, aus dem Mitgefühl, aus Ehrfurcht und Respekt vor dem Menschen.
 
Ein Film voller Symbolik und Anrisse und Deutungen auf die gesellschaftliche Ordnung und Wertehaltung, mit einem Aufblitzen von Marxismus, Nationalsozialismus aber auch der Hoffnung, die im Menschen verankert ist und die sich aus der christlichen Religion nährt. Denn…man wartete auf den Mittler, der Frieden schafft zwischen arm und reich, Wohlstand und Armut, Mächtigen und Unterdrückern, um einen Mittelweg zu finden…denn Gleichheit und Freiheit im gleichen Maße wird es wohl nie geben auf dieser Welt. Aber ein Mittelweg wäre schon ein weiter Fortschritt. Kein Wunder, dass zwischendurch dann das musikalische Aufblitzen der französischen Befreiungshymne erklang.
 
Es gibt noch viel Programm in dieser Sommerzeit im Kölner Yachthafen. Es lohnt sich. Ein Abend, an dem man Kölner Freizeit genießen kann. Anzuraten ist jedoch ein Sitzkissen mitzubringen, denn auf Dauer sind die Steine etwas hart. Ansonsten kann man prima lümmeln. Und auch eine Jacke oder Schal, denn ein kleiner Wind zieht immer auf und lässt schnell schauern. Und die Mücken freuen sich auch auf Nahrung:-) Aber alles halb so wild.
 
Ich hab´s Euch einfach mal erzählt. Ohne Anspruch. Kölner erzählen Kölnern, oder so:-)
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