Ich schreibe einfach gern:)
Ich war schon ein bisschen geschockt heute Morgen! Mal Sondock ist gestorben. So ist es. Manchmal erinnert sich man erst an Menschen zurück, wenn sie tot sind. Niemals mehr, hab ich an ihn gedacht, also, manchmal, ein klein wenig, wenn es zur Sprache kam, weißt du noch Röschen, damals, als wir immer jeden Freitagnachmittag ins WDR-Funkhaus zogen um am Nachmittag um 15.00 Uhr so a bisserl altersgemäß die Sau raus zu lassen?
Klar, erinnerte ich mich daran. Es war ja mein erstes Mal! Wer erinnert sich nicht daran. Ich wurde sehr gefangen gehalten zuhause. Durfte nicht, was andere schon längst durften, wenn ich mich nicht heimlich aus dem Staub gemacht, oder Ausreden erfunden hätte. Klar…das hab ich natürlich auch gemacht, wie jeder andere in dem Alter auch. Wer macht das denn nicht. Eltern wollen manchmal belogen werden. Selbst schuld. Gott sei Dank brauchten das meine Kinder nie. Man macht niemals die gleichen Fehler, andere eben.
Ich hatte ihn schon des Öfteren im Radio gehört, den guten Mal Sondock! Er legte Platten auf, von denen ich bisher nie etwas gehört hatte. Musik, die mir fremd war, aber nach der ich Sehnsucht hatte. Und dann erzählte es eine Freundin…..Du..da kann man hingehen, das ist Diskothek am Nachmittag für die, die abends noch nicht raus dürfen. Also nichts wie hin. Den Rock dreimal umgekrempelt oder die heimlich gekaufte, vom ersparten Geld, Jeans in eine Tüte und unterwegs die Klamotten gewechselt. So war das damals.
Jeden Freitagnachmittag also ging es Richtung WDR-Funkhaus. Ich war schüchtern damals, sehr. Fühlte mich immer ein bisschen wie ein Außenseiter in dieser Welt. Das brachte aber wohl auch meine Familiengeschichte mit sich. Aber wenn ich dann einmal Mut gefasst hatte, war ich nicht zu halten, damals beim Tanzen und so. Da ging ich ab… Matte schwingen und so…
Das erste Mal Smog on the Water von Deep Purple in voller Länge, angesagt von dem von uns Mädels angehimmelten Mal Sondock, dessen Aussprache des englischen Untertons einfach umwerfend süß war. Man konnte es einfach nicht nachahmen, das gelang Niemandem. Das war exklusiv, einmalig. Aber wir liebten es. Und wer richtig mutig war, der ging an sein Mischpult und gab einen Wunsch in Auftrag.
Klar…und es waren ja auch die ersten Verliebtheiten, die mit diesem Ereignis zusammenfielen. Dort, auf der Tanzfläche wurden erste Blicke getauscht, flirten, dieses Wort kannten wir ja noch nicht, aber genau das war´s. Das Abschätzen, anhimmeln, Mensch, mit dem oder dem, da würdest du gern mal tanzen. Manchmal schaffte man es, den angebeteten aufmerksam zu machen. Und wenn man es dann geschafft hatte, war man mit Mal Sondock im siebten Himmel und alle Sehnsucht, die sich im jugendlichen Körper befand, hatte ihr Ziel nur auf den nächsten Freitag. Wieder dabei zu sein, den Jungen wieder zu sehen, wieder abzutanzen, Energien rauszulassen und vor allen Dingen das Neuste aus der Musikwelt hören.
Wie viele Scheiben hatte ich mir damals nicht auf Empfehlung von dem guten alten Mal gekauft! Ich kann sie gar nicht aufzählen. Es war eine tolle Zeit, damals, klar, für Profis in Sachen Diskothek, also, für die, die schon etwas älter waren, aber trotzdem kamen, war es manchmal ein Kindergarten, sagten sie, verächtlich, aber für mich, für mein Alter damals, war es ein absolutes Highlight! Wenn z.B. von Rattles „The Witch“ gespielt wurde, war ich einfach außer mir, in Extasse, völlig abgedreht, in meine innere Welt des Rhythmus versunken, da floss Schweiß, aber Hallo! Gänsehautfeeling! Auch heute noch!
Aber schön war´s dann auch, wenn es mal ruhiger wurde, plötzlich, der Ekstase Grenzen gesetzt wurden, man wieder auf den Boden zurückgeholt wurde und man engumschlungen, man..was für ein Gefühl, das erste Mal mit einem Jungen, in den man himmelhochjauchzend verliebt war, zu tanzen bei der Musik von Nights in white satin“.*wow* das sind schöne Erinnerungen.
Mal Sondock hat nicht nur Platten aufgelegt, er war auch das Idol von uns gerade mal 13, 14jährigen, unser Musiklieferant und der Stifter mancher erster Verliebtheiten. Eine schöne Erinnerung, die ich mit ihm verbinde. Er hat mein Leben mitgeprägt. Sag ich es nicht immer, alles, alle Menschen, die einem begegnen im Leben, haben auch eine besondere Stellung im eigenen Leben, haben irgendwas bewegt, einen ein Stück weitergebracht. So Mal Sondock.