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Ich schreibe einfach gern:)

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Alles ist anders, auch das Busfahren!

Ich bin tatsaechlich angekommen, wenn ich auch noch nichts ueber Delhi schreiben kann, weil ich diese Bilder, dieses Erleben immer noch verarbeiten muss! Aber hier in McLeodGanj, der Heimatstadt, in dem der Dalai Lama wohnt und der Sitz der tibetischen Regierung habe ich endlich etwas von der Ruhe inmitten des Chaos gefunden und geniesse diesen Morgen bei einem Tshai-Tee und indischen Klaengen in meinem Hostell. Meine Tochter ist zu einem teaching des Dalai Lama, was ich mir an diesem Morgen verkniffen habe, weil die englische Uebersetzung recht schwierig zu verstehen ist.
 
Nun denn, wir sind hier angekommen, nach einer 15stuendigen Busfahrt, die wir dank unseres Vertrauens, immer wieder auf die Probe gestellt, gut ueberstanden haben.
 
Bevor es ueberhaupt losging, war schon einen Film wert. Es gab erhebliche Schwierigkeiten mit der Sitzplatzreservierung. Wir hatten genau 6oo Rupien fuer zwei mittlere Plaetze im Bus gezahlt, weil Toechterchen vom letzten Aufenthalt in Indien wusste, sitze nie hinten, weil man einfach die Strassenbelastungen dort am wenigsten aushaelt und der Magen, man weiss es ja!
 
Jedenfalls ging das Gekeife los, als der Zuteiler der Plaetze uns einen Platz auf der hintersten Sitzreihe zuweisen wollte. Wir schuettelten erbost den Kopf, erklaerten, wir haetten fuer vordere Platze gezahlt. Er lamentierte und lamentierte, schliesslich setzte ich mich einfach in eine Reihe in der Mitte. Sein Geschimpfe ging weiter! Er forderte mich aufzustehen und erklaerte uns, dass seien Plaetze mit Aircondition und die haetten wir nicht gezahlt. Es folgte eine weitere Diskussion. Dann ging er ploetzlich. Aber das ist indisdche Taktik, denn nach einer kleinen Weile, nachdem er sich mit den naechsten Fahrgaesten auseinandergesetzt hatte, ging es weiter mit uns.
 
Ich verteidigte nach wie vor die Plaetze, aber wir kamen ihm entgegen, und zahlten weitere 1oo Rupien fuer einen klimatisierten Platz, was allein schon ein Witz war! Also Indien fasziniert nicht nur in Bildern, sondern man lernt ganz nebenbei, verhandeln, durchsetzen und insoweit diese kaum zu durchschauende Mentalitaet der Inder kennen.
 
So ging das ganze Procedere also mit jedem Reisenden und endlich konnte es nach einer Verzoegerung von knapper 1 Stunde endlich zumindestens bis zur tibetischen Siedlung weitergehen, wo dann alles wieder von vorne anfing, weil es anscheinend ein Problem mit der Platzreservierung sprich Ueberbelegung gab. Ein aufgeregtes Getuschel, Lamentieren im Bus auch hier und wieder verging eine Stunde, bis wir endlich die Fahrt beginnen konnten.
 
Wir begannen die ca. 8oo km lange Fahrt nach McLeodGanj/Dharamsala durch Indiens Regionen Hariyana und Punjab, gezeichnet durch wiederum beide Gegensaetzlichkeiten, der absoluten Armut, des Elends und den kuenstlich angelegten "Communitys fuer reiche Inder" mit ihrem Kitsch und Tand, der einem schon von weitem entgegenblinkte. Diese Bilder, wenn auch nur im Vorbeifahren haben sich tief in mir eingepraegt. Zerlumpte Bettler, Kranke, liegen einfach irgendwo auf den Strassen, neben den Strassen, heruntergekommene Huetten, aus Holz und ausrangierten Werbeplakatten, so dass man denken kann, die kleinen Armutssiedlungen seien eine einzige Werbekampagne bestimmter Marken. Realtiaet und Wunschdenken, Konsum und Elend!
 
Auf der ganzen Fahrt, an den unmoeglichsten Stellen liegen die Menschen, haben kein Dach ueber den Kopf, fristen ihr Dasein auf dem Mittelstreifen der Autobahn. Dazwischen Kuehe, Elefanten, Esel, ebenfals mittendrin, in denen sich der Strassenverkehr in einer fuer uns ungewoehnlichen Weise darstellt, einfach hupen und drauf los, rechts, links, jeder weiss Bescheid, alles geht oder nicht, Ausweichmanoever hier, Schlagloecher da, erneutes Hupen usw.usw. ein Chaos und doch Ordnung, irgendwie. Man versteht es nach einer Weile.
 
Es ist 21.oo Uhr und der halbe Bus schlaeft. Ich kann nicht zur Ruhe kommen, soviel gibt es zu sehen. So bekomme ich mit, wie der Bus einfach mal eben so mitten auf der Autobahn haelt, unfassbar, ein kompletter Vollstop. Es regnet in Stroemen. Von der anderen Seite der Autobahn kommt ein Inder gelaufen mit einem halbgefuellten weissen Beutel. Ich hoere Palaver, oeffne mein Fernster, schaue nach vorne zum Fahrerhaeuschen und sehe, wie der Beutel im Tausch gegen einen Buendel Geldscheinen eingetauscht wird. Drogen? Ich denke ja! Normal, sagt mir spaeter Ranjesh, der hinter mir sitzt und ich es ihm erzaehle. Die Drogenkuriere gebrauchen solche Busfahrten um ihr Zeug unentdeckt auf die reise zu schicken, zwischen den sonstigen Kontrollen, die immer wieder mal passiert werden muessen.
 
Waere auch normal, erklaert mir Ranjesh, der uebrigens auch nach Dharamsala will, wo er und sein Bruder ein kleines Geschaeft betreiben, dass die Fahrer auch Opium und Kokain nehmen. o.K.! Alles klar! denke ich! Na dann mal Vertrauensvorschuss bis aufs Weitere. Mal ebnen so durch die Schlagschloecher knallen, dass ich quer im Bus stehe oder mal wieder ein waghalsiges Ueberholmanoever, eingeleitet mit einem Huper. irgendwann hab ich das System einfach durchschaut. Alles im gruenen Bereich. Wird schon gut gehn.
 
Die Klimaanlage ist mittlerweile ausgefallen und ich grinse meine Tochter an und frage, ob ich die leidige Diskussion bezueglich Rueckforderung unserer 1oo Rupien wieder in Gang setzten solle, wegen unerfuellter, bezahlter Dienstleistung! Bloss nicht, meint sie und kriegt schon im Vorhinein die Krise. Ich bin davon ueberzewugt, dass diese 1oo Rupien in die Taschen der Fahrerbegleitung gewandert sind, die sich so ein Zubrot verdienen. Wenn ich ausrechne, von jedem Fahrgast, dann ist dass der Lebensunterhalt fuer eine ganze Familie fuer eine ganze Woche und somit kann ich das gut annehmen. Jede Rupie wird sich hier hart erarbeitet, es gibt fuer jede kleinste Taetigkeit einen Berechnungsmodus, Koffer tragen, Waesche entgegennehmen, Auskunft erteilen, usw.usw. Gott sei Dank noch nicht fuer ein Laecheln, das bekommt man immer noch kostenlos und wir nicht zu knapp, denn wir sind blond und hellhaeutig, so das ich es nach einer Weile manchmal nicht mehr ertragen kann, dieses staendige Angeschautwerden.
 
Z.B. beim Einladen unserer Rucksaecke, das war auch so ein Ding. Im Kofferraum sitzt ein Jugendlicher und nimmt die Gepaeckstuecke entgegen. Wenn er sie verstaut hat, haelt er die Hand auf und fordert 1o Rupien. Wer das nicht versteht, wir wussten es ja schon aus den Vorerfahrungen der Tochter, der macht die lustige Erfahrung, wie ein englisches Paar bei unserer Abfahrt. Sie, den Rucksack dem Jungendlichen uebergeben, er will 1o Rupien, sie sagt nein, sie nimmt ihr Gepaeck wieder zurueck, will es selber verstauen, bekommt es aber sofort wieder von dem Jungendlichen zurueck. So geht das noch eine Weile, bis sie endlich nachgibt. Kein 1o Rupien, kein Gepaecktransport, so einfach ist das. Der Inder braucht jede Rupie um zu ueberleben, aber er hat auch seinen Stolz, wie wir an anderer Stelle erfahren werden. Es gibt eine Grenze, auch fuer ihn ist Geld nicht alles.
 
Gegen 22.oo Uhr haelt der Bus fuer eine halbe Stunde an einer Raststaette, allerdings an der gegenueberligenden Seite.Der Bus hat einfach mal mitten auf der Autobahn gedreht, es geben in Indien. Alles geht oder nicht! Hier kann man sich mit Proviant verpflegen, was wir tunlichst vermeiden, wegen der furchtbaren hygenieschen Verhaeltnisse, aber wir hatten sowieso vorgesorgt und uns vom Nepalesen in Delhi etwas mitgenommen, viel braucht es auf einer solchen BVusfahret sowieso nicht., Viel wichtiger ist der Gang zur Toilette. Der Bus haelt nur einmal, da muss man sehen, wie man klar kommt. Einerseits soll man viel trinken, andererseits weiss man nicht, wohin damit! Jedenfalls hier an diesem Ort gibt es etwas entfernt eine Baracke mit den typischen indischen Erdloechern, zu denen ich mich voller Hoffnung auf den Weg mache. Finde ihn auch sogleich, schon allein der Geruch weist mir den Weg. Angekommen sichere ich die Holztuere mit einem riegel und versuche mich zurecht zu finden, bis es plaotzlich dunkel wird, und zwar stockdunkel., keine hand mnehjr vor den Augen zu sehen. Ich stehe in der indischen Pamapa auf einem Plumskloo und hab voelllig die Orientierung verloren. Na klasse. Irgendwann hab ich mich voirgetastet, finde den Riegel und tatsaechlich den Weg zurueck und bin erleichtert, den Bus wiedergefunden zu haben. Bin keine ganze Minute an und das Licht geht wieder an. Super! War wahrscheinlich nur, um mein Vertrauen und meine Unerschrockenheit zu testen. Wie verhalte ich mich im Notfall? Wie imemr! Ruhigf Blut! Das werde ich hier noch oefters gebrauchen!
 
Nach dieser halbstuendigen Pause geht es nun endlich weiter ins Vorgebirge des Himalajas, es regnet, wir haben die Auslaeufer der Monsumzeit in dieser Region. Dafuer sind die Temperaturen etwas ertraeglicher geworden. Ich habe mein fenster geoeffnet und bekomme etwas Luft. Irgendwann falle auch in in Schlafphasen, sehe Bilder in Traeumen, lausche Gespraechen und als ich einen Moment aus einem dieser Kurztraeume erwache, schaue ich nach vorne in den Fahrerraum und was sehe ich? Keinen Fahrer! Ups, im ersten Moment, verstehe ich gar nichts mehr, bis es mir dimmert, o.k., der sitzt ja rechts, aber lustig war es, ein fuehrerloser Bus und grinse vor mich hin.
 
Es ist 7.3o Uhr und wir befinden uns zwei Stunden vor Dharamsala und es gibt an einem kleinen Stand einen ersten morgenlichen Tshai/Tee. Die Koerperglieder danken es, unbeweglich, wie sie in den letzten Stunden ausharren mussten. Ich bedanke mich bei dieser Gelegenheit mal bei dem Fahrer, dass bisher alles so gut geklappt hat, er nimmt es dankend mit einem Laecheln entgegen. Mal langsam, sagt meine Tochter, den Tag nicht vor den Abend loben, denn die heftigste Strecke kommt ja jetzt erst, entlang an Abgruenden und den Serpentinien. Ok.k. denke ich, dann schlaf ich jetzt mal, um nichts sehen zu mujessen, was aber leider nicht klappt und gut so, denn sonst haette ich nie erfahren, dass ich auch diese Aengste besiegen kann. Noch vor ein paar jahren waere eine solche Fahrt fuer mich unmoeglich gewesen und auchToechterchen hatte im Vorfeld ihre Bedenken, ob Mutter das so durchsteht. Aber ich konnte sie und mich eines Besseren belehren. Wie schoen, ich hab mich veraendert, geaendert und das zu sehen macht doch Mut fuer die Zukunft. Vielleicht haben die meisten Aengste, die man hat, eigentlich nur mit der tiefen unbewussten lebensangst zu tun, die sich dann einen Kanal in aeussere Dinge sucht.
 
gegen o8.oo Uhr dann endlich Ankunft in McLeodGanj, in dem kleinen Staedtchen, in das sich immer noch Jahr fuer Jahr ein Strom tibetischer Fluechtlinge einfindet. Eine Stadt in dem wir alles finden, was das Herz begehrt, die Einkehr, die Ruhe, aber auch das Chaos und gerade das ist das unglaubliche, was ich an diesem Morgen erfahre habe, diese Gelassenheit in der Unruhe,m im Schmerz, im Leid. Aender, was zu aendern ist und nimm an, was man nicht aendern kann. Diese Haltung spuert man an allen Ecken. So werde ich mich in diesen Tagen auf den Weg machen, vorbei an den Kloestern, Tempeln und Naturstaetten der Umgebung und mich an das Klima hier gewoehnen, bis es hoffentlich Samstag weitergeht mit einem gemieteten Jeep hinauf nach Ladagh!
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