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Ich schreibe einfach gern:)

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Die verschwundene Clematis!

Vielleicht bin ich einfach zu romantisch oder bloß sentimental. Normalerweise sag ich immer, ich häng an nichts, aber man merkt es erst, wenn etwas weg ist.
 
Ich erinnere mich noch genau, wie es war.
 
Wir haben einen schönen Hinterhof mit Garten und Terrasse, für´s ganze Haus! Da kann auch jeder ein Eckchen für sich allein finden. Und jeder hat sich sein Eckchen so gestaltet, dass er dort auch in Ruhe gelassen wird. Und so hab ich vor fünf Jahren angefangen, mein/unser Plätzchen auf der Terrasse schön zu gestalten. Gut, das war nicht ganz einfach, denn dort stehen auch die Mülltonnen. Also hab ich erstmal eine von diesen fertigen Holzstellwänden gekauft, um den Blick auf die Mülltonnen zu versperren. EInen Tisch, Stühle, einen Sonnenschirm und schon sah es ganz gemütlich aus.
 
Dann bin ich losgefahren, nach Maria Laach. Ist immer schön dort, unter der Woche, wenn nicht zuviel Touris unterwegs sind. Rein in die Klostergärtnerei, in der man mich grundsätzlich raustragen muß, weil ich nicht genug bekomme, von all der Vielfalt, die sich dort bietet, an Garten- und Topfpflanzen. Was nimmt man, um eine häßliche Wand zu verstecken, was schnell wächst und trotzdem blüht? Eine Clematis. Und da fällt sie mir auch schon ins Auge. Eine kleine Blüte, groß und ihre lila Blüte strahlt mich an, ein junges Pflänzchen eben. Das ist sie, dachte ich, die nehm ich. Gesagt getan! Noch hier und da ein paar Töpfchen Margeriten, Löwenzahn, Königskerze, Lavendel, Kräuter aller Art und ab ins Auto, noch eine Runde um den See und wieder Richtung Köln.
 
Voll stolz komm ich mit meinem Karton nach Haus. Der Nachbar guckt, er ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Gärtner. Na dann, Röschen, meint er, bin ich gespannt, ob die Clematis in dem kleinen Kasten genug Platz hat, um sich auszubreiten, zu wachsen und sich zu entfalten. Na klar, sagte ich, ich werde ihr meine ganze Liebe schenken, das hilft.
 
Und so verging die Zeit. Anfangs war noch nicht viel zu sehen, aber von Jahr zu Jahr wurde sie größer und jedesmal vermehrte sich die Blütenpracht. Es war ein schöner Platz, an dem sie stand. Die Sonne speicherte ihre Wärme an der Wand und der Clematis ging es gut. Zuletzt trug sie gut 30 Blüten, die mich für eine lange Zeit des Sommers erfreuten. Und auch das Efeu, dass aus dem Garten herüberwuchs, hatte sich schön auf der angebrachten Leiter an der Wand ausgebreitet und versperrte den häßlichen Blick auf dieselbe. Ach schön war es. Ich liebte meine Clematis. Unser Plätzchen war schön, wirklich.
 
Im letzten Frühjahr und Sommer konnte ich mich nicht so recht um den kleinen Platz auf unserer Terrasse kümmern, da ich ja viel unterwegs war. Das machte aber nichts, denn die Clematis ist anspruchslos. Ein bißchen Wasser, Sonne und sie wächst und gedeiht. Ich konnte sie also ruhig und gelassen allein lassen.
 
Jetzt ist der Sommer vorbei. Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, nach Hause zu kommen und in die kalte Jahreszeit zu gehen. Als wenn etwas fehlt. Jedenfalls, zuerst hab ich es gar nicht bemerkt. Aber heute Morgen, als ich in unseren Hof ging und meinen Blick in den Garten schweifen ließ, mich einfach auf einen Stuhl fallen ließ, um mein Gesicht den doch noch warmen Strahlen der ersten Herbstsonne entgegenzuhalten, da sah ich es dann. Zuerst traute ich meinen Augen nicht. Ich stand auf, ging in die Ecke, wo an der Wand sonst meine Clematis wuchs. Und was soll ich sagen, sie war weg. Ratzeputz kahlgeschnitten. Nichts mehr zu sehen. Ich war fassungslos! Meine Clematis, die ich nun fünf Jahre gehegt und gepflegt hatte und die uns alle erfreut hatte, war nicht mehr da. Jahrelange Arbeit dahin!
 
Wer tut so etwas? Völlig verwirrt rief ich meinen Mann an, mach ich sonst nie, dass ich ihn wegen Kleinkram belästige, wenn er bei der Arbeit ist und erzählte ihm von der verschwundenen Clematis.
 
Ach je, sagte er, jetzt haste es entdeckt. Ich wollte es Dir gar nicht sagen, aber die Nachbarin, die neue, die hat zwei Tage, nachdem du fortwarst, im Hof gewütet und alles weggeschmissen, was nicht niet- und nagelfest war, ohne zu fragen. Keine Ahnung warum!
 
Das kann doch wohl nicht wahr sein, sagte ich. Das gibt es doch nicht! Und doch, es gibt nichts, was es nicht gibt!
 
Jedenfalls, da merkte ich, wie ich an ihr gehangen hab, an meiner Clematis. Es war ja schließlich mein Erstlingswerk und die Erinnerung an den schönen Tag, den ich damals in Maria Laach verbracht habe und der Stolz über all die Jahre hinweg, dass sie so prächtig gediehen war, waren noch ganz in mir. Und jetzt spüre ich sie, die Leere, jedesmal wenn mein Blick nach unten fällt, auf den Hof, in unsere schöne Ecke, die jetzt im nächsten Sommer ohne den schönen Wandbewuchs auskommen muß und mein Blick nun jedesmal auf die häßliche Wand fällt.
 
Und da bin ich wieder ratlos mit mir selber. Soll ich jetzt was sagen, soll ich schimpfen, soll ich verärgert sein. Aber Ärger spür ich nicht, nur Traurigkeit. Oder soll ich vielleicht die Nachbarin verklagen? Auf Schadensersatz? Und da muß ich mal wieder selber vor mich hinlächeln, weil mir in diesem Moment die Frage eines Nepalesen einfällt:" Stimmt es, dass die Deutschen die meisten Gesetze haben und dass sich Nachbarn sogar wegen herüberhängenden Zweigen von Bäumen auf ihr Grundstück in die Haare bekommen und vor Gericht gehn?" Jedenfalls hatte ihm das sein Freund erzählt, der für ein Jahr an einer deutschen Universität zwei Semester Jura studiert hatte. Es war mir etwas peinlich, ihm zuzugestehn, dass es leider so ist.
 
Aber ich doch nicht. Ich mache doch keinen Aufstand. Aber sie fehlt mir! Aber fragen werd ich sie doch, die Nachbarin, warum sie das getan hat. Schließlich will ich doch verstehn!
 
Aber da kann man nix machen. Weg ist weg. Ich häng eben doch manchmal an etwas. Und wenn es nur eine Clematis ist!
Ich sag ja immer, loslassen muß man jeden Tag lernen, auch in den kleinsten Dingen!

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