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Ich schreibe einfach gern:)

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Manchmal werden Erinnerungen wach!

Da saß ich nun vor dem Fernseher, mache ich ja nur selten. Der Film: "Schuld und Rache!"
 
Worum ging es:
 
Ein Ehepaar hat eine Auseinandersetzung! Er will sich räumlich trennen, braucht Distanz, will ins Reine kommen mit sich und der Beziehung! Sie kann das nicht annehmen, siehst nur sich selber, kann es nicht annehmen. Die Beiden haben getrunken. Er will ein ander Mal darüber sprechen, den nächsten Tag. Sie gehen zum Auto.Es ist ersichtlich, dass sie betrunken sind! Sie fährt, verliert aber die Konzentration, sie wechseln die Plätze, er fährt. Dann kommt es zu einem Unfall.
 
Beide steigen aus, sie sehen das Opfer am Boden liegen. Sie sind ratlos, stehen unter Schock, steigen ein, fahren nach Haus, tuen so, als wenn nichts gewesen wäre.
 

Bildwechsel:
 
Das Opfer im Krankenhaus! Versucht sich zu erinnern! Sieht Fetzen von Erinnerungen. Die Polizei versucht den Tathergang von ihr herauszubekommen. Sie sitzt im Rollstuhl, bleibt querschnittsgelähmt. Sie will Rache. Die Menschen, die ihr das angetan haben, sollen ein Leben lang damit leben, wie sie einen Menschen zum Krüppel gemacht haben. Sie will diesen Menschen auf Augenhöhe begegnen. Sie sieht durch Zufall ein Auto, auf dem die Reklameschrift steht, an die sie sich in der Nacht, an dem der Unfall geschah, erinnert. Ganz plötzlich kommen mehr Bilder hoch. Sie schafft einen Vorwand, um den Kontakt herzustellen. Sie will wissen, wie man damit lebt, mit dieser Schuld, mehr nicht! Aber dann verliebt sie sich in den Mann, sie glaubt, seine Frau sei gefahren. Er fühlt ebenfalls eine starke Nähe zu der querschnittsgelähmten Frau, verliebt sich. Es gerät alles durcheinander. Dann gibt er ihr gegenüber zu, dass "er" gefahren sei in der Nacht, dass er der Täter sei. Das Drama steigert sich bis zum Ende, denn er hat so verdrängt, dass er sich nicht mehr daran erinnerte, dass sie nochmal einen Fahrerwechsel begangen hatten in der fraglichen Nacht. Sie ist gefahren. Seine Frau,war es, nicht er!
 
Sie stellt sich letztendlich der Polizei. Letzte Szene: Er sitzt bei der querschnittsgelähmten Frau, hat ihr den Vorgang, so wie es wirklich war, erzählt. Sie fragt nach seiner Frau, warum sie es ihr nicht selber hat sagen können. Das ist ihre Rache, sie will ihr in die Augen schauen. Und dann kommt sie, seine Frau. Knappe Worte." Ich war bei der Polizei" Sie sieht dem Opfer in die Augen und geht! Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort der Verzeihung. Aber hätte es etwas genützt? Was ändert es wirklich! Nichts kann gut gemacht werden? Oder doch?
 
Meine Bilder in mir kommen ganz automatisch:
 
Es ist Samstagnacht! Wir, meine Freundin, ein Freund und ich waren im damaligen Townhill! Wild getanzt, natürlich auch getrunken. Wir wollen ein Taxi nehmen, um zu ihr, meiner Freundin, nach Hause zu fahren. Wir nahmen immer ein Taxi um diese Zeit, wenn es spät war. In der Regel saß ich vorne neben dem Fahrer, weil ich die erste war, die ausstieg.
 
Aber in dieser Nacht setzte ich mich nach hinten, hinter den Fahrer. Nicki, mein Freund neben mich, Renate, meine Freundin, sitzt vorne, neben ihm.
 
Wir sind lustig, lachen, scherzen, sind noch ganz bei dem, was war in der Disco. Das Taxi fährt, am Bahnhof vorbei, die Straße "Unter Sachsenhausen" hoch, wir wollen nach Nippes, Neusser Strasse. Wir halten an der heutigen Kardinal-Frings-Strasse, die Ampel zeigt rot. Es ist still in der Nacht, nur unser Lachen ist zu hören. Renate hatte sich zu uns umgedreht, ein schöner Abend, eine schöne Nacht!
 
Die Ampel schlägt um! Grün! Und da sehe ich das Auto kommen! Es ist schnell, sehr schnell, das bekomme ich noch mit. Dann splittern die Scheiben, es kracht, ohrenbetäubend, ich spüre Blut auf meinem Gesicht, ich sehe Nicki, er ist nach vorne geschlagen. Ich sage." Nicki, hey Nicki!" Aber ich bekomme keine Antwort. Ich höre Stimmen, von draußen! Jemand versucht die Tür zu öffnen. ICh sehe Renate mit ihrem Gesicht, es lehnt an der Scheibe, sie ist zur Seite gerutscht. Ich höre Sirenen. ICh sehe den Fahrer nicht mehr! Ich hatte Bilder im Kopf, ich sah meine Eltern, ich sah einen Strudel von Lichtern. Ich verstand nichts mehr. Ich wurde Zuschauer, sah mich selber im auto neben den anderen!
 
Die Feuerwehr kam. DAnn erst wurde meine Tür geöffnet. Ich wurde rausgeholt. Ich spürte das Blut an meinem Gesicht. Es ging alles so schnell. Ich lag auf der Bahre und sah, wie sie Renate abtransportierten.
 
Dann erwachte ich am nächsten Morgen im Krankenhaus. Ein Polizeibeamter saß neben meinem Bett. Ich erfuhr, Renate war sofort tot. Der Taxifahrer lag schwer verletzt ebenfalls im selben Krankenhaus. Nicki auf der Intensivstation, er lag im Koma. Ich hatte nur diese kleine Wunde am Kopf , links oben, sie war genäht. Der Schockzustand dauerte zwei Wochen! Dann wurde ich entlassen. Nicki starb weitere zwei Wochen später.
 
Der Unfallverursacher hat sich nie sehen lassen. Kein Wort der Entschuldigung. Kein Augenkontakt auf gleicher Höhe. Er sei Gecshäftsmann, hat er gesagt, damals bei dem Prozeß. Er hätte seinen Führerschein gebraucht, deswegen sei er, betrunken wie er war, ins Auto gestiegen, als die Polizei ihn sah. Deswegen hatte er Panik bekommen. Deswegen sei er davon gerast, mit 12okm/h durch die Kölner Innenstadt, verfolgt von der Polizei!
 
JA, er hätte seinen Führerschein gebraucht! Und ich! Ich hätte Renate noch gebraucht. Sie war meine erste wirkliche Freundin! Und ich hätte Nicki noch gebraucht. Er war ein so liebenswürdiger junger Mensch, so voller Zukunftspläne. Wir waren alle noch so jung! Ich habe überlebt. Glück? Zufall? Dass ich an diesem Abend nicht vorne saß!
 
Ich hatte nie Rachegedanken! Die die Schwester von Renate, ihre Mutter und die Eltern von Nicki nie, soweit ich mich heute noch erinnere! Aber was hätte es in mir bewirkt, damals, wenn er sich entschuldigt hätte? Was wäre anders für mich gewesen.
Ich habe versucht weiterzuleben! Aber vergessen konnte ich nie! Aber vergeben! JA, ich konnte ihm vergeben, trotz allem. Dennoch stelle ich mir jetzt nach diesem Film erneut die Frage:" Was wäre anders gewesen, wenn er mich besucht hätte oder die Eltern der Beiden und ein Wort des Verzeihens gesprochen hätte?
 
Und ich frage mich jetzt tatsächlich, nach so langer Zeit, wie lebt er damit, dass er zwei Menschen auf dem Gewissen hat! Hat er es wirklich jemals vergessen können? Kann man so etwas vergessen?
 
Rächt es sich nicht sowieso schon, wenn man eine solche Tat begangen hat, wie auch immer es dazu gekommen ist, weil man ein Leben lang damit leben muß und es einen vielleicht in den Träumen immer wieder einholt, so wie es mich in meinen Träumen immer wieder einholt. Immer wieder! Immer wieder kommt der Traum. Ich höre den ohrenbetäubenden Lärm, höre den Aufprall des Autos, sehe die Beiden im Wagen liegen, spüre das Blut auf meinem Gesicht.
 
Auch ich muß damit leben! Nur anders. Ich hatte keine Schuld!
 
Schuld und Rache! Wem hilft Rache? Vielleicht wußte ich damals schon, dass sie keine Hilfe ist, um damit fertig zu werden! Vielleicht hatte ich deswegen nicht einen Tag einen bösen Gedanken an diesen Menschen! Es war so wie es war. Nicht mehr zu ändern! Was geschehen ist, ist geschehen! Man muß weiterleben. Und ich war froh, in Frieden weiterleben zu können, auch wenn ich nicht verstanden habe!
 
Aber ich würde es gerne wissen, heute! Wie er damit weitergelebt hat! Ob es Auswirkungen auf sein Leben gehabt hat! Wie er damit umgegangen ist! Ich würde gerne noch hute mit ihm reden!
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