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So ist Paris!

Es regnet so vor sich hin. An meinem Bild kann ich nicht weiterarbeiten, der Trockenprozeß ist nicht fortgeschritten genug! Was tun sprach Zeus, denn ich bin unternehmungslustig. Kino! O.k. Internet angeklickt, Cinenova, eines meiner liebsten Kinoorte. Filmvorschau:" So ist Paris!" Oh, ich war noch nie in Paris, daher, rauf auf´s Rad und ab die Post!
 
Ein Fläschchen Kölsch und rein in den schon 2o Minuten vor Filmbeginn vollen Saal. Ja, klar ist Freitag!
 
Schon die ersten Szenen verzaubern mich. Paris! Die Stadt der Liebe, der großen Gefühle, aber auch des Chaos. Oder denkt man nicht unabdingbar an die großen Straßen, durch die sich der Autoverkehr auf mehreren Spuren wühlt, Parken nur noch mit Material gegen Material! Paris, da denke ich an Essen, kleine gemütliche Restaurants und hervorragende Weine. Aber nur für den, der es sich leisten kann! Ich hab mal irgendwo gelesen, dass dem Franzose an sich das Essen so wichtig ist, am Wochenende mit Familie und Freunden, dem Ausgehen, dass er bereit ist, dafür sein Konto zu überziehen. Das ist dekadent, ich weiß, aber irgendwie gefällt mir das.
 
Nun, welchem Leben, welchen Menschen begegnen wir in diesem Film? Das ganz normale "kleine scheinbar unscheinbare" Leben, dass doch so voll und groß ist von Spektakulärem, intensiven Gefühlen, Einbrüchen im seelischen Bereich, in Geschehnisse, die unerwartet, Krankheiten, Unfälle, einfach unser Leben ereilen und plötzlich siehst alles ganz anders aus.
 
Da ist der junge Tänzer, der plötzlich vor eine Diagnose gestellt wird, dass sein Herz nicht mehr will, dass er nur noch kurze Zeit damit leben wird können. Von einem auf den andern Tag aus dem Leben gerissen.
 
Seine Schwester, die er kontaktiert, die ihn besucht, die ihm das Leben versucht in den letzten Wochen erträglich zu gestalten, ihm Beistand geben will. Den Eltern wagt er es nicht zu sagen. Sie, die Schwester, Sozialarbeiterin, den ganzen Tag den Kopf voll von Problemen anderer, ihre eigene abgeschiedene Lebensweise, sie versucht sich mit ihren drei Kindern allein durchzubringen. Männer, sagt sie, Männer laß ich nur noch mit Abstand an mich heran. Schöne Szene, als sie für ihren Bruder ein letztes großes Fest veranstaltet und der Film in einer dichten Athmosphäre zeigt, wie sie sich zu einem Mann zwar hingezogen fühlt, aber dann den Rückzug antritt. Zuviel verletzte Gefühle. Echt witzig, wie dann betreffender Mann sagt, aha, kennst Du Homöopathie? Sie lacht über den Zusammenang und er erklärt ihr, o.k. och ich meine "Männer nur noch in kleiner Potenz". Herrlich!
 
Dann ist da der Gemüsehändler, der sich von seiner Liebe getrennt hat, aber es dennoch nicht schafft, ohne sie auszukommen, sentimental im Gestern hängt. Und sie, die Liebe, ihre wilde Leidenschaft auslebt. Szenen einer Party, wo sich alle zusammenfinden, sie, die Liebe, plötzlich, als sie von einem Mann zu einer Situation gezwungen wird, aus der sie sich nicht lösen kann, beginnt zu weinen, einfach so, mitten im Glücklichsein und es entsteht in mir die Frage in diesem Moment." Weint sie, weil sie ganz tief in sich erahnt, dass sie bald sterben muß?" Manchmal ahnt man es!
 
Denn das wird sie auf ihre eigene wilde Art und Weise, weg, abgebrochen ein begonnenes, noch so junges Leben.
 
Dann der Geschichtsprofessor, in der Midlifecrisis, verliebt in eine junge Studentin, die er mit Obsession verfolgt und auch erreicht, der dadurch in seinem seelischen Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Sein Bruder, der hat es geschafft, verheiratet, in Erwartung der Vaterfreuden. Da schützt auch das Alter nicht vor, zu jeder Zeit können die verdrängten Problematiken und Neurosen aus Kindheit und Jugend hochkommen, sich ihren Weg bahnen und spätes Unheil anrichten. Herrlich die Szenen beim Psychoanalytiker.
 
Und zwischen all dem immer wieder das Beisammensein des jungen Mannes, der auf den Tod wartet und die Gespräche mit seiner Schwester, übrigens gespielt von Juliet Binoche, für mch eine der schönsten Frauen und hervorragende Schauspielerin, die in ihrer gewohnt sinnlich-sensiblen und zarten Art und Weise die kleinsten gefühlsmäßigen Regungen rüberbringt, so daß man ihr die Gedanken hinter ihrer Stirn ablesen kann!
 
Auch er würde so gerne noch einmal lieben, Sex haben, tanzen, lachen. Aber er kann nicht mehr. "Was machst Du den ganzen Tag?" fragt ihn seine Schwester. "Ich schaue dem Leben der Andern zu", sagt er. Wie sie sich bewegen, wohin sie gehen, denke mir aus, was sie vielleicht für ein Leben haben. Oh, ich kenne dieses Gefühl und diese Situation sehr genau, denn genauso war es bei mir damals, als ich die Krebsdiagnose bekam. Plötzlich bist du draußen, unverhofft bist du nicht mehr Mitspieler in dieser Welt, schaust tatsächlich nur noch auf all die Menschen, die vor deinem Fenster vorbeigehen und denkst darüber nach, was sie tun, ob sie glücklich sind. Ja und du denkst dummerweise, sie müßten eigentlich glücklich sein, denn sie laufen, lachen, können teil nehmen an all dem, woran du vielleicht nie mehr Anteil wirst haben können.
 
Ach ich hab noch ne ganze Menge vergessen, den Emigranten, der sich auf den Weg von Kamerun mit Fluchthelfern auf den Weg macht, um zu seinem Bruder nach Paris zu gelangen. Immer wieder schöne Paralellbilder zweier Welten, Paris, der Moloch, die Stadt des Geldes, des Erfolges, der Zukunftsaussichten und dann Kamerun, die Armut der Menschen und ihre Sehnsucht, daraus auszubrechen.
 
Am Ende dann die Fahrt ins Krankenhaus, mit einem Taxi, dass einen Umweg fahren muß, wegen der Demonstrationen und dem Chaos-Verkehr. Die letzten Szenen, wo ich gar nicht mehr wage zu atmen, so dicht ist dieser Moment, wo der junge Mann dann die letzten Bilder in sich aufnimmt, von denen, die einfach leben, ohne vielleicht zu merken, dass sie leben.
 
Nie ist das Leben so intensiv, nie bist du so voller Einsicht und so voll von Gefühlen, spürst alles hundertfach, als in dem Moment, wo du meinst, jetzt könnte es zu Ende sein.
 
So ist es! Ein schöner Film. Das "kleine vermeintlich Unscheinbare" in große Szenen geesetzt, damit wir es mitnehmen, damit es uns anregt, zu schauen, war wir haben, denn manchmal vergessen wir es!
 
EInen vergnüglichen Kinoabend wünscht
 
Röschen
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