2o.oo Uhr, Samstagabend, stehe an der Kasse, um mir und meiner Freundin eine Karte für einen Flug mit dem guten alten Raumschiff Orion zu kaufen. Was muß ich sehen, wahrscheinlich mit den Gedanken schon im Universum im unendlichen Milchstraßensystem im Kampf mit den "Angreifern" unterwegs, habe ich meine Geldbörse vergessen. Also rauf auf´s Rad, wieder nach Hause und im Geschwindigkeitsrausch, Geldbörse eingesteckt, rauf auf´s Rad und ab gehts zurück. Ich Glückliche ergattere eine Stehplatzkarte, die es mir dann doch noch ermöglicht einen guten Platz visavis der FIlmleinwand zu ergattern.
Und dann geht es auch schon los. Die Berliner Film Philharmonic Big Band beginnt mit der Erkennungsmeldodie und ab sofort bin ich in anderen Sphären. Commander Allister McLane nimmt mich mit in seine Patrouille und ich darf an seiner Seite den Kampf mit den bösen Mächten, die sich die Erde untertan machen wollen, bestreiten.
Ich vergesse Raum und Zeit, bin ganz in meinen Gefühlen gerade mal 13, 14 Jahre und ich wundere mich nicht, wieso mir damals nicht aufgefallen ist, dass der auf die Erde zustürzende Meteorit nur ein ganz einfacher gelber Kürbis ist, und die unbekannten Flugobjekte irgendwie wie aus Origamo gefaltete, aufgebretzelte Flugzeuge sind, dass der Innenraum der Patrouille eigentlich eher aussieht wie eine Mischung aus von Betonröhren zusammengesetzten Elementen und allerlei Kugeln und Glitzertand aus der Weihnachtsdekoration ist.
Nein! Ich wollte das gar nicht wissen. Meine Phantasie hat all diese Dinge verwandelt in intergalaktische und weltraumüberwachende Gerätschaften, deren Beherrschung nur ein Kommandant wie Allister McLane beherrschte, der schweißüberströmt mit seiner gesamten FLugbesatzung von rechts nach links schaukelt, als die unbekannten FLugobjekte die "Orion" torpedieren. Aber Ende gut alles gut! Wie imer siegt das "Gute" über das "Böse" und natürlich kommt die Liebe bei der Orion nicht zu kurz. Denn Kommandant Mc Allister verliebt sich natürlich in Tamara JAgellovsk, gespielt von Eva Pflug und ich denke, was für eine herrliche Zeit, als Frauen auch noch über die 4o Jahre für eroberungswert gehalten wurden und ein paar kleine Fältchen gar nichts ausmachten. Es gab den heutigen Jugendkult noch nicht! Unvorstellbar heute, einen solchen FIlm mit Schauspielern, deren Alterdurchschnitt 5o Jahre war, zu besetzen.
Die Big-Band begleitet in galaktischen Sphärenklängen die Episode, die ganze 9o Minuten währt und ich bin eingetaucht in die schwarz-weiß-Bilder und die wunderbar herrlichen Dialoge, ja jetzt weiß ich es, diese Dialoge waren es, die mich damals einfach weggehaun haben. EIn Lachen überfällt mich, als der "Böse" Jagellovsk mit folgendem SAtz dazu zwingt, Mc Allister eine falsche Anweisung zu geben:" Tu was ich Dir sage oder ich schmelze Dich weg!" Wahnsinn! Oder?
Nun denn, nach genau 1oo Minuten Vergangenheit und Zeitreise in eine andere Welt versuche ich vor der Philharmonie mit meiner Freundin einen Weg zum Rheinufer zu finden, der es uns ermöglicht, ein weiteres Event an diesem Abend zu bestaunen." DIe Kölner Lichter!". Zwei Jahre hab ich dieses Schauspiel nicht mehr betrachten können. Das letzte war mir nich in so guter Erinnerung geblieben.
Ich, immer noch sitzend in meinem Raumschiff fliege über die Menschenansammlung hinweg, nehme die Hürde über die kleine Mauer am Rheinufer und befinde mich plötzlich in einer Schar fröhlicher und wartender Menschen, suche die galaktische Bier-Bar auf, um mir endlich an diesem Abend mein erstes gebrautes weltraumgalaktischgefärbtes Kölsch zu gönnen. Der Preis ist in Ordnung.
O.k. Black foes und Höhner blende ich aus, obwohl, die Texte sind gar nicht so schlecht, wenn man genauer hinhört. Aber ich bin auch noch mit meiner Freundin im Gespräch vertieft, schaue mir alle die Menschen um mich herum an, mache hier und da einen Scherz mit den um mich versammelten und da geht es auch schon los.
Genaue 29 Minuten tauche ich einen in einen Traum von Musik und bunten Lichtern am Himmel. Es beginnt eine Geschichte der Entstehung des Feuerwerks. Vom ersten Feuer, das bildlich untermalt wird, in dem man auf der Deutzer Brücke ein lodernde rote Glut sich über die ganze Brücke ausbreiten sieht bis zur Entstehung der ersten Feuerwerkskörper in China über Europa durch die Jahrhunderte hinweg, immer weiter ausgereift und phantastischer, verzaubert mich das leuchtende Farbenspiel am Himmel und reißt mich aus meinem Alltag heraus. Von Didgeridoos, zarten asiatischen Musikklängen, der Overtüre von Händels Feuerwerkmusik, die meine Gefühlswelt explosionsartig aufladen bis hin zu van Halens "JumP und am Ende dann "Here´s to the Heros" , kann ich nicht fassen, dass es zu Ende ist. Ein Traum, ein gelungener, wie ich finde. Das hat Köln gut gemacht!
Ich steige in mein Raumschiff, brauche diesesmal einen Anlauf über die Mauer, finde mein Fahrrad wieder, begleite aber meine Freundin noch auf dem Weg zur U-Bahn! Wir schlängeln uns durch das fröhliche Menschengewimmel, hier und da ein lustiger TAlk. Fragt mich doch tatsächlich jemand:" Was nimmt man mit, wenn man auf ein Raumschiff aus dem Weltall wartet?" Meine Antwort hätte er wohl nicht erwartet:" EIn Handtuch, ein Handtuch!" Wer kennt denn nicht "Per Anhalter durch die Galaxie" von Adam Douglas, ein "Muß" für Weltraumträumende wie mich.
DAnn schwinge ich mich aufs Rad, will die galaktische Sphärenmusik noch konservieren, setze meinen I-Pod auf, der aber streikt, weil die Ohrstecker sich lösen und der I-Pod mitten auf die Straße fällt. Ich bremse entsetzte, sehe das herannahende Taxi und muß leider zusehen, wie es mitten über meine "große Liebe" rollt. Einige Minuten bin ich wie erstarrt, dann hole ich mir meinen I-Pod, mache ihn an, setze ihn auf und was muß ich feststellen: Er funktioniert tadellos. Ich sags es ja, weltraumerprobtes Material!
EiIn wunderbarer sphären-emotionsgeladener Abend. Mein Dank geht an Zabi, die mit mir eingetaucht ist in eine Zauberwelt, in die sich Köln an diese Abend verwandelt hat!