Ich schreibe einfach gern:)
Ehrlich, ich dachte, so was gibt es gar nicht mehr.Also solche Sprüche, wie man sie selber aus der eigenen Kindheit noch kennt!
Ach, was fällt mir da nicht alles ein! Damals, als ich den ersten Freund mit nach Hause gebracht hatte, was bekam ich da zu hören:" Das ist doch kein Umgang für Dich!" Wieso, dachte ich damals, die kennen ihn doch gar nicht!
Oder, wenn ich mal wieder was nicht verstanden habe und nachgefragt habe, was bekam ich zur Antwort:" Das verstehst Du jetzt noch nicht, warte bis Du älter bist!"
Aber am schlimmsten war immer:"Das war aber gar nicht lieb von Dir. Sei endlich mal artig! Und ich versuchte artig zu sein! Hat lange gebraucht, bis ich mich davon befreit hatte, immer das gute Mädchen zu sein!
Na ja, jeder kennt wahrscheinlich solche Sprüche, die ihn in der Kindheit begleitet haben und sich doch tiefer eingeprägt haben, als man selber glaubte und ihre versteckte Wirkung noch bis hinein ins Erwachsenenalter seine Früchte getragen hat!
Jedenfalls, ich dachte immer, so etwas gibt es heute nicht mehr, solche Sprüche, die Eltern ihren Kindern ins Gesicht schleudern!
Aber denkste! Jedenfalls vor ein paar Tagen war ich mal wieder Zeuge eines Streites im Nachbarhaus! Er, der Junge, gerade mal 15 Jahre alt, voll in der Pubertät, hat wohl schon lange Probleme mit dem Vater! Jedenfalls höre ich das Geschrei öfters! Manoman, der kann sich nicht beherrschen. Ist so einer, der schlägt noch mit der Faust auf den Tisch!
Jedenfalls an besagtem Tage kam es wohl mal wieder zum Streit. Er, der Junge, war wohl von der Schule nach Hause gekommen und so, wie ich das mitbekommen hatte, gab es einen Disput zwischen ihm und dem Lehrer! Es ging hin und her! Es handelte sich um ein disziplinarisches Vergehen des Jungen. Der aber meinte, er sei im Recht gewesen. Der Vater brüllte ihn an:" Lehrer haben immer Recht!" Na so was, dachte ich, wieso nimmt der nicht seinen "Jungen" in Schutz, hinterfragt, spricht möglicherweise erstmal mit dem Lehrer? Der Vater verlangte von dem Jungen, er solle sich bei dem Lehrer entschuldigen. Der wiederum meinte, auf keinen Fall, er sei im Recht.
Und da kam er, der Spruch:" Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst, wird getan, was ich Dir sage!"
Ach du liebes bißchen, dachte ich. So was! Was ist dass denn für einer? Danach war es plötzlich ruhig. Ich hörte noch, wie eine Tür knallte, dann war Funkstille!
Ich saß geplättet am Küchentisch und dachte nach! So was! Dass es das heute noch gibt. Ein ziemlicher Despot, dieser Vater. Voll von sich überzeugt. Und wenn man mit Argumenten nicht durchschlägt, dann eben mit "Unter-Druck-Setzung!"
Ich stellte mir vor, wie der Junge in sein Zimmer gerannt ist, sich aufs Bett geworfen hat und davon träumte, endlich die Füße nicht mehr unter den häuslichen Tisch stellen zu müssen!
Mir hat er leid getan!
Jedenfalls am nächsten Morgen sah ich ihn aus dem Haus kommen, mit gesenktem Kopf, mit seinen langen Gliedern, die so typisch sind für das Alter, stackste er vor mir her, irgendwie mutlos, hilflos und desillusioniert.
Ich konnte nicht anders:" Hey", rief ich hinter ihm her, "hab einen guten Tag!" Er hob kaum merklich seinen Kopf, aber dann trat doch ein Lächeln, wenn auch verschüchtert, auf sein Gesicht! Ob es ihm klar war, dass ich am Vorabend alles mit angehört hatte?
Dann kam seine Antwort:" Danke! Ich versuche es!" Und ein bißchen hatte ich den Eindruck, er ging etwas aufrechter!
Aber ich weiß es nicht, vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet.
Aber den Vater, den werd ich mir das nächste Mal doch mal etwas besser anschauen! Vielleicht merkt er ja auch, dass ich es gehört habe und vielleicht kommt er ja mal ins Grübeln. Wer weiß?
Solche Sprüche können einen schon fertig machen! Tragen nicht unbedingt dazu bei, dass das Verständnis und Vertrauen zwischen Vater und Sohn wachsen kann. Was soll dann aus dieser Beziehung mal werden!
Und wie ich das jetzt hier aufschreibe, muß ich immer noch mit dem Kopf schütteln! Nee, dass es so was heute noch gibt!