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Ein echter Cowboy weint nicht!

Vorgestern hab ich mich mit meiner Freundin getroffen. Wir sehen uns nicht sehr oft, sie hat noch spät ein Kind bekommen, ist immer noch involviert in Schulverpflichtungen, Haushalt und Beruf, außerdem wohnt sie weiter weg. Na ja, ich hab auch so meinen Rhythmus, jedenfalls klappt es oft nur drei bis viermal im Jahr, aber dann ist es wirklich intensiv. Dann wird alles auf den Tisch gelegt, was so war in den letzten Monaten.
 
Manchmal klagen wir uns gegenseitig, woran wir gerade so leiden! Dieses Mal erzählte sie mir, dass es ihrem Mann nicht sehr gut ginge, eigentlich schon seit Monaten. Er hat seine Arbeit verloren und weiß nichts mehr so recht mit sich anzufangen. Die Arbeit hat nicht nur den Lebensinhalt der Familie bestritten, es war auch der Rhythmus, der ihn getragen hat. Morgens aus dem Haus, abends dann der Garten, in dem immer was zu tun war, dann die Füße hoch, ein bißchen Fernseh, das wars. Er war, so schien es, damit zufrieden. Jetzt ist dieser Rhythmus gestört. Er weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Er leidet, sagt sie! Aber nicht nur daran, meint sie. Ich glaub, er leidet auch am Älterwerden! Er spürt, dass die Kräfte nachlassen, fühlt sich nicht mehr so agil. Vor ein paar Wochen ist seine Mutter verstorben, an der er sehr gehangen hat. "Du", sagt sie, "meinst Du er hat eine Träne vergossen?"
 
Warum können Männer eigentlich nicht "weinen?" Wieso können die meisten Männer, jedenfalls erlebe ich das sehr oft, so wenig über das sprechen, was sie wirkich bewegt? Männer können philosophieren, politisieren, können über dieses oder jenes Hobby fachsimpeln, aber über das was sie fühlen, was sie wirklich im Inneren bewegt, verlieren sie meistens kein Wort.
 
Liegt das eigentlich alles nur an der Erziehung? Ich meine, ich kann mich an solche Sätze auch erinnern, wenn mein Bruder mal gefallen war und er angefangen hat zu weinen, dann sagte mein Vater immer:" Ein echter Kerl weint nicht!" Oder:" Ein echter Cowboy weint nicht!" Aber kann das wirklich soweit führen, dass Männer etwas in sich abspalten? Müssen sie wirklich dem Mythos des einsamen Cowboys ihr Leben lang entsprechen?
 
Jedenfalls mein Bruder ist auch so einer, kein Wort über sich selber, immer nur über die Arbeit, das Haus, den Garten, den Urlaub oder was sonst so ansteht.
 
Sind das jetzt wirklich "ganze Kerle?"
 
Ich hab da einen Freund, bei dem ist das ganz anders. Mit ihm kann ich über alles reden, weil er sehr nah bei sich ist und mir auch vieles anvertraut, worüber er mit keinem anderen spricht. Ich hab ihn sogar schon im Arm gehalten, als ihn damals seine Frau verlassen hat und er nicht drüber hinweggekommen ist. Was hat er geweint! Nie habe ich einen Mann so weinen gesehen! Was er mir alles erzählt hat über seine Ängste, Sorgen und Nöte!
 
Im weiteren Freundeskreis heißt es aber immer:" Ach der, das ist doch ein Weichei!" Klar, dass Du Dich so gut mit ihm verstehst, ist halt ein "Frauenversteher!" Was ist eigentlich ein "Frauenversteher?"
 
Jedenfalls scheint es mir so, dass wir Frauen es leichter haben, weil wir gelernt haben, über alles zu reden und die Männer, die leiden still vor sich hin, zeigen es aber nicht. Sie müssen wohl stark sein!
Leider! Mir tun sie manchmal leid, die Männer! Es könnte alles so einfach sein.
 
Ich bin ja froh, denn wenn ich meinen Sohn betrachte, ist er in diese Fußstapfen nicht getreten. Er kann zwar philosphieren, politisieren und über den FC reden ohne Punkt und Komma, aber er kann auch darüber reden, was ihm fehlt, was er sich wünscht, worüber er traurig ist, woran er sich besonders gefreut hat. Und seine Freude daran hat natürlich seine Freundin.
 
Ich glaub, die Männer wissen gar nicht, wie schwer es manchmal den Frauen fällt, sie so leiden zu sehen. Es geht gar nicht darum, dass sie, die Frauen, alles wissen wollen, sondern darum, dass sie wünschen, dass er es ein bißchen leichter hätte, wenn er doch nur darüber reden könnte.
 
Na ja, vielleicht hat sich das ja in der nächsten Generation auch verändert. Hoffen wir das Beste. Frauen brauchen "ganze Kerle", aber nicht die harten, nach außen stoisch ihr Leid tragende Kerle, sondern sensible, feinfühlige Beobachter ihrer selbst.
 
In diesem Sinne, liebe Männer, traut euch doch einfach mal, von dem zu reden, was Euch wirklich bewegt!
 
Denn wie sang unser Herbert Grönemeyer mal in einem Song:
 
"Männer haben's schwer, nehmen's leicht
außen hart und innen ganz weich,
wann ist der Mann ein Mann!"
 
Ja! Wann ist der Mann ein Mann!

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