Heute morgen las ich in der FAZ den Slogan:" Die Führungsetage liest FAZ!" So wat, dachte ich bei mir, also dazu gehörst du nicht, Röschen, grins. Aber ich les sie trotzdem hin und wieder ganz gern, schon allein wegen des Feuilleton-Teils. Ich suche immer nach den Buchrezensionen, die mir gut gefallen. Hey mensch, dachte ich, wenn du jetzt in der Öffentlichkeit die FAZ liest, dann könnten die anderen denken, hey, man gehört die Frau zur Führungsetage, grins.
So fuhr ich seit langem mal wieder Straßenbahn. Nein, ich hatte nicht die FAZ dabei, sondern meine jeden Monat kaum zu erwartende "Literaturen", schon aus Berufsgründen. Nach der zweiten Haltestelle, setzte sich ein Mann, mittleren Alters auf den freien Platz neben mir. Ich bin geruchsempdindlich, muß ich jetzt mal sagen. Jedenfalls, der etwas ergraute Trenchcoat-Mann, roch etwas unangenehm und der Mantel sah auch nicht mehr sehr gebrauchsfähig aus. Die Schuhe waren abgetragen und an einem seiner Schuhe hing der Schnürsenkel zerrissen herunter. Jedenfalls holte er aus einem zerbeulten Rucksack seine Zeitung heraus und siehe da, wer hätte es gedacht, es war die "FAZ!" Ich schaute wie gebannt auf die Zeitung, dann wieder den Mann neben mir an und grinste so vor mich hin. Aha, dachte ich, das ist also der neue Führungs-Etagen-Typ!
Also mal ehrlich. Kann man den Menschen an der Lektüre einer bestimmten Zeitung erkennen? Ich würd mal sagen NEIN!
Ehrlich, wer hat nicht schon mal am Strand in Spanien oder Italien, irgendwo in der Sonne gelegen und sich dabei einem Exemplar der Zeitung mit den vier Buchstaben still vor sich hin lächelnd, hingegeben?
Oder im Wartezimmer sitzend, wartend voller Gier die neusten Klatschnachrichten lesen, das ist doch absolut köstlich. Mach ich sonstwo nie!
Jedoch manchmal, da schleiche ich verstohlen in einen Zeitungsladen und kauf mir die Brigitte für die Frau ab 4o, einfach so, nur mal um zu gucken, wie sieht denn Frau ab 4o heut so aus, was bewegt sie, wie kleidet sie sich, wie schminkt sie sich. Leider find ich mich da nie wieder.
Also kann man den Menschen jetzt einordnen, nach dem, was er liest! Na dann?
Wie kommt eine Zeitung nur darauf, ihre Zeitung hauptsächlich einer bestimmten Klientel zuzuordnen? Das würd mich mal interessieren.
Müßte da die Zeitung mit den vier Buchstaben den Slogan verbreiten:" Die Zeitung für den Blöden?"
Oder die Modezeitschriften den Slogan "Für die Frau, die up today sein will!"
Die TAZ dann "Zeitung für den Superkritiker!"
Also mal ehrlich, ich werd mich hüten, den Menschen nach der Lektüre seiner Zeitung in irgendeine Schublade einzuordnen. Aber wer weiß, was da im Unterbewußtsein, die jede Werbebotschaft vermittelt, nicht doch im einen oder anderen hängen bleibt.
Also sollte man vielleicht doch besser aufpassen, mit welcher Zeitung man sich in der Öffentlichkeit zeigt, man weiß ja nie, wer einen beim Lesen erwischt und schwups hat man sein Klischee weg. So schnell geht das mit den Schubladen.