Heute las ich im Beilagen-Magazin einen Beitrag über Disziplin, die Kinder im Elternhause lernen müssen. Schulen vergeben mittlerweile Kopfnoten im Bereich soziales Verhalten und Leistung.
Ich hab doch mal glatt meine alten Zeugnisse herausgesucht aus meiner Schulzeit. Hatte ganz vergessen, dass es so was früher auch gab. Wann ist das eigentlich verloren gegangen und warum. Also da gab es Noten für "mündliche Beteiligung", schriftlich und sprachlicher Ausdruck und Verhalten in der Gemeinschaft. Ich war wohl als Kind sehr brav, wie meine Noten es zeigten. Später hat sich dass dann etwas verändert, aber wenn ich so zurückschaue, lag das eigentlich an einem damals nicht zu durchschauenden Protest in mir, wegen der Verlogenheit und Heuchelei, die ich in der Erwachsenenwelt wahrnahm. Ich lehnte mich auf gegen die Doppelmoral und die Ungerechtigkeit, die mir entgegenkam Wie schnell werden Schüler, Jugendliche in Schubladen gesteckt.
Die Frage ist doch, wenn es jetzt wieder Benotungen für Kinder und Schüler gibt, wem ist das Kind ausgeliefert? Da kommt es doch, wie ich mehrfach erfahren mußte, auch später bei meinen eigenen Kindern, oft auch auf Sympathie des Erziehers gegenüber dem zu Erziehenden an. Das ist nun mal leider so.
Auch fällt mir immer wieder auf, wie sollen Eltern ihren Kindern an bestimmten Punkten Regeln und Disziplin vermitteln, wenn sie selber unterschiedliche Auffassungen über das Wie und Wann haben?
Also ein Beispiel gestern mal wieder in unserer Buchhandlung. Ich war den Vormittag allein. Eine junge Frau mit einem ca. 4 Jahre alten Kind kam ins Geschäft und verschwand in die Kinder- und Elternratgeberecke. Wir haben sehr viele junge Familien als Kunden und unsere Kinderbuchecke ist so ausgestattet, dass Kinder einen kleinen Tisch vorfinden mit Malutensilien, Spielzeug und Bilderbüchern, die sie anschauen können. Im Großen und Ganzen mache ich die Erfahrung dass Eltern und Kinder damit sehr gut zu recht kommen und es auch nutzen. Ich hab auch überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn Kinder dann mal andere Bücher zur Hand nehmen und reinschauen. Das sehen sie ja von den Erwachsenen auch. Aber manchmal muß ich hingehen und sagen, Du, hör mal, da mußt du ganz vorsichtig mit umgehen, denn das Buch möchte ja noch jemand kaufen.
Gestern also, bei besagter jungen Mutter, ich saß am Computer, führte Buchbestellungen telefonisch aus, war nicht ganz bei der Sache, die da in der Kinderbuchecke geschah. Als ich aber nach einiger Zeit meinen Blick in die Ecke warf, fiel ich fast in Ohnmacht. Ich hab zwar am Rande das Kind immer quengeln und nörgeln gehört, aber was ich da sah, haute mich fast um. Sämtliche Bücher und Spielmaterialien waren aus den Fächern geholt und über den Boden zerstreut worden. Ich stand an der Kasse, als mein Blick dorthin fiel. Mal wieder so aus dem Bauch heraus rief ich dem Kind zu:" Das muß aber nicht sein!" Von der Mutter erntete ich einen bösen Blick und die Antwort:" Ja, das muß nicht sein, kann aber sein!".
Entschuldigen Sie bitte, war meine Antwort an Sie, ich wollte nicht unhöflich sein, aber doch ihrem Kind sagen, wo es eine Grenze gibt. Der Satz war daher an ihr Kind gerichtet, dass mich natürlich auch sofort anschaute. Ich ging dann hin und räumte sämtliche Sachen wieder in das Regal und erklärte dem Kind, wo und mit welchen Sachen es spielen durfte.
Die Mutter war allerdings pikiert und sagte ihrem Kind, dass weiter quengelte und drängelte, sie müssen jetzt gehen, hier würde sie ja doch nicht finden, was sie suche.
Also , ich bin der Meinung, dass, wenn man mit Kindern einen Laden betritt, dass es Regeln geben muß, die das Kind beachten sollte und wenn nicht, muß man als Elternteil darauf achten und eingreifen. Wenn aber, wie in diesem Fall, die Mutter gar nicht einsichtig ist, was soll man da machen?
Oft beobachte ich, dass Mütter ihre Kinder einfach einmal unbeaufsichtigt lassen wollen, weil sie keine Lust, keine Zeit oder was auch immer haben. Wenn ich mich daran erinnere, wenn im Sommer zig Mütter mit ihren Kindern in den Straßencafes, hier in Nippes vorwiegend auf dem Schillplatz rumhängen, dann geht es oft gar nicht mehr um das Beisammensein der Mütter mit ihren Kindern, sondern darum, dass die Mütter ihre Ruhe zum gemütlichen Plausch haben und die Kinder so ziemlich alles machen können, was ihnen in den Sinn kommt.
Bin ich diesbezüglich tatsächlich zu weltfremd geworden. Also erstmal, als meine Kinder klein waren, gab es diese Möglichkeiten gar nicht, in Cafes rumzuhängen. Mein Alltag war ziemlich strukturiert, d.h. Aufstehen, Einkaufen, das eine Kind in den Kindergarten fahren, Essen kochen, das Kind wieder abholen und dann war der Nachmittag für Spielplatz oder Ausflüge eingeteilt. Gegen 18.oo Uhr, im Sommer auch schon mal 19.oo Uhr ging es nach Hause, Abendbrot, Duschen, eine Geschichte und dann ab ins Bett. Ich muß sagen, ein solcher Rhythmus hat den Kindern eigentlich gutgetan. Gingen wir tatsächlich in ein Restaurant oder in ein Geschäft, gab es ganz klare Regeln, nicht anfassen, nur schauen. Ich denke, es hat ihnen nicht geschadet. Aber wie gesagt, zuerst muß man wohl selber die Einsicht haben, dass diese Regeln unbedingt nötig sind. Wenn das fehlt, kann man es auch seinem Kind nicht vermitteln! Und dann die ständigen Diskussionen der Eltern mit ihren Kindern. Oft kann ich es den Kindern ansehen, dass sie komplett damit überfordert sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Auch hier eine Gratwanderung, Kinder so zu erziehen, dass sie irgendweann in der Lage sind eigene Entscheidungen treffen zu müssen, aber alles zu seiner Zeit, oder?
Im Grunde müßten eigentlich viele Eltern erzogen werden, damit sie dann gewisse Erziehungsmuster, die Kinder zu gemeinschaftsverträglichen Erwachsenen erziehen können, oder? Aber man muß wohl auch sehr aufpassen, dass aufgrund dieser nun neu eingeführten Benotungen Kinder nicht zu Duckmäusern und Jasagern erzogen werden! Eine schwierige Gradwanderung. Hoffen wir, dass es nützt und vor allen Dingen da Erfolge zeigt, wo es schwer ist an die Erwachsenen heranzukommen!