Lebensmitte nennen die meisten diese Zeit zwischen 4o und 5o, obwohl mit 5o hat man sie ja meistens schon überschritten, wenn man nicht, wie kürzlich Johannes Heesters 1o4 Jahre alt wird. Jedenfalls in der Mitte meines Lebens fühle ich mich ein bißchen wie ein Sandwich, eingequetscht von der Vergangenheit, wo man allerhand bewältigt hat. Mensch was hat man nicht alles erreicht, sich befreit von dem, was man aus dem eigenen Elternhaus mitbekommen hat, eine eigene Familie gegründet, Kinder großzgezogen, dazu erfolgreich. Man könnte sich zurücklehnen. man hat es geschafft.
Die ersten Zukunftperspektiven deuten sich möglicherweise an, Wünsche und Träume kommen auf, aber dann wird man ganz schnell auf den Boden der Tatsachen komplimentiert. Denn die eigenen Eltern bedürfen der AUfmerksamkeit und Pflege. Gehört man nicht zu denen, die die These vertreten, jetzt bin ich dran und schickt die Alten ins Pflegeheim oder Altenheim, dann war das nix mit den eigenen Wünschen und Träumen, die müssen erstmal wieder vertagt werden.
Gestern ist mein letztes Kind, der Sohn, nun endlich ausgezopgen. Ich geb es zu, ein bißchen hab ich ihn angestupst, aber der Kopf sagt mir, das war gut so, aber die Gefühle und das Herz weinen jetzt doch ein bißchen. Mein Blick fällt in sein ehemaliges Zimmer, leer geräumt. Die schönen Gespräche mit ihm jeden Tag, sein Nachhausekommen und in die Töpfe gucken, was Mama gekocht hat, seine Frage, ob ich diess oder jenes Hemd von ihm gewaschen und gebügelt habe, bleiben aus. Ich muß mich tatsächlich von der Gemütlichkeit eines Familienlebens verabschieden, das fällt schwer. Schwere jedoch fallen mir die Antworten, die ich von anderen darauf bekomme."Ist doch gut so!" "Mir hat das gar nichts ausgemacht!"
Aha, denk ich, bin ich nur so merkwürdig veranlagt? Hänge ich nur zu sehr, an dem was war? Und mal wieder muß ich mich selbst bestätigen, in dem ich mir sage, Röschen, dat ist alles richtig so, ist doch klar, dass man vermißt, was man geliebt und gewollt hat.
Man läßt ja nicht nur die Kinder los, sondern auch sein eigenes Ideal, das wofür man gelebt hat und eine neue Perspektive ist ja noch nicht in Sicht. Es sei denn die, jetzt die Eltern zu pflegen.
Geht dann auch noch das letzte Elternteil, so wie bei mir, die Mutter, dann steht man urplötzlich vor der Wahrheit:" Jetzt gehörst du zu den "Alten".
Oft sagen Kinder, die das mittlere von Dreien waren, ich hab mich gefühlt wie ein Sandwich-Kind. Immer hatten nur die ersten und die letzten die volle Aufmerksamkeit, ich fühlte mich ein bißchen benachteiligt.
Genau so ist es wohl auch mit der Lebensmitte, man hegt und pflegt die schöne Vergangenheit, sieht mit Wünschen und Träumen begehrlich auf die Zukunft, aber der Moment, in dem man gerade lebt, hindert einen, das zu tun, was man gerne möchte. Verzicht ist angesagt. Kommt jetzt nur darauf an, wie mna damit umgeht. Ich hoffe, ich schaffe es und komme doch irgendwann einmal dazu, meine eigenen, ganz persönlichen Lebensträume wahrzumachen.