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Nacht Mahlzeit!

Heute Morgen las ich im KSTA auf der Panorama-Seite folgende Nachricht:“64-jährige älteste Mutter Deutschland“
 
Ich stutzte erstmal und überlegte, ist das jetzt eine gute Nachricht, Ihr wisst, ich bin immer auf der Suche nach guten Nachrichten, oder eine schlechte? Dann las ich den Artikel. Die Frau und ihre kleine Tochter sind wohlauf. Die Frau hatte sich im Ausland eine gespendete Eizelle einsetzen lassen, die mit Spermien ihres gleichaltrigen Mannes befruchtet wurde, da dies in Deutschland verboten ist.
 
Was sagt man dazu? Soll ich staunen, mich wundern, oder abweisend den Kopf schütteln. Ich dachte heute den ganzen Tag drüber nach, wenn es die Zeit erlaubte. Kinder sind etwas Wunderbares. Ich weiß, was es heißt, ein Kind zu tragen und es dann zu verlieren. Ich weiß auch, wie schön es ist, Kinder groß zu ziehen, sein eigenes Leben für sie hinzugeben. Da gibt es nichts, was erfüllter sein könnte, für mich jedenfalls. Ich war 26 Jahre alt bei meiner ersten Schwangerschaft, das erste Kind verlor ich, das zweite wurde dann zwei Jahre später geboren, eine gesunde Tochter. Das dritte kam dann zwei Jahre später, ein Sohn, ebenfalls gesund zur Welt, das vierte verlor ich schon ganz früh. Ich hatte mir immer eine große Familie gewünscht. Leben weiterzugeben war für mich nicht so einfach, nach meinen eigenen traumatischen Erfahrungen im Elternhaus, trotzdem habe ich es geschafft.
 
Ich kannte ne Menge Frauen in meinem Umfeld, die sich Kinder, Familie, wünschten und es nicht geklappt hat. Was haben sie nicht alles getan? Untersuchungen ohne Ende, das Leiden war zeitweise unerträglich für sie. Kontakte zu Freunden mit Kindern brachen stellenweise ab, weil sie es nicht ertragen konnten, den Nachwuchs zu begutachten. Es hat oft lange gedauert, bis sie für sich erkannt haben, dass es einen Grund hatte, warum sie nicht schwanger wurden.
 
Auch andere Fälle habe ich kennen gelernt im engsten Umkreis. Frauen, die noch ganz schnell, vor Ablauf der biologischen Uhr ein Kind bekommen hatten. Ihre Argumentation war, sie wollten einfach einmal das Gefühl kennen lernen, ein Kind in Ihrem Bauch wachsen zu sehen, wollten erfahren, was es heißt, ein Kind zu gebären.
 
Ich hab das immer mit Distanz beobachtet. Für mich hatte das nichts mit „Familie gründen" zu tun, sondern mit einem Egoismus. Man wollte etwas haben, hatte vorher alles ausgekostet, Karriere, Reisen, Unabhängigkeit und als dass alles nicht mehr erfüllend war, musste dann eben ein Kind her. In vielen Fällen habe ich die Überforderung mitbekommen. Das Kind wurde schnellstmöglich abgegeben, die alte Lebensweise wieder aufgenommen. Ich will das nicht anprangern. Alles hat seinen Sinn. Aber mit „Familie“ gründen hatte das wohl wenig zu tun.
 
Jetzt stehen wir also im Falle dieser Frau vor der Möglichkeit, ich kann mir selbst das, was mir die Schöpfung, meine Biologie verweigert, eben doch noch holen, egal wann und in welchem Alter!
 
Was soll man jetzt dazu sagen? Ich hab mir überlegt, wie das praktisch aussieht! Die Eltern dieses kleinen Mädchens sind bei ihrer Einschulung ganze 7o Jahre alt! Unfassbar, oder? Sie werden möglicherweise das Heranwachsen und den persönlichen Lebensweg ihres Kindes gar nicht mehr mitbekommen. Mensch, haben sich diese Eltern dass mal überlegt? Haben sie nachgedacht und sind sie sich darüber im Klaren, was das mit einem Kind machen kann. Möglicherweise im frühen Alter, die Eltern sterben zu sehen oder gar krankheitsbedingt dahinsiechen zu sehen?
 
Gut, man kann jetzt mit dem Argument kommen, das müssen andere Kinder auch. Andere Kinder haben auch ihre Väter, Mütter verloren, zu einer Zeit, wo sie sie am Nötigsten gebraucht hätten. Aber ich finde, dass ist etwas anderes. Klar müssen Kinder lernen, dass das Leben Leiden bereitet und dass es gilt, sie zu bewältigen. Aber muss man Kindern unnötige Leiden aufbürden.
 
Ich jedenfalls halte diese Nachricht für keine Gute. Wenn das Schule macht. Nacht Mahlzeit. Aber es ist wohl wie so vieles in unserer Gesellschaft heute, man kann alles bekommen, wenn man will und Geld dafür zahlt und zu jeder Zeit. Dem eigenen Egoismus sind kaum noch Grenzen gesetzt.
 
In einem Alter, wo andere Großeltern werden, sich an den Enkeln erfreuen, ein eigenes Kind in die Welt zu setzen, halte ich zumindest für Egoismus. Und trotzdem kann ich mich auch freuen, jedes neugeborene Leben ist ein Grund zur Freude und sicher wird auch dieses Kind seinen Weg gehen. SO ist diese Nachricht wohl auch nicht wirklich eine Schlechte. Sie zeigt eben nur, was möglich ist!
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