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Marathon und Samba!

In 2:29:33 schaffte es eine Kölnerin, den Marathon zu gewinnen! Ich bin beeindruckt!
Obwohl, wenn ich sehe, wie sie sich am Ende kaum noch auf den Beinen halten konnte, während sie auf dem Siegerpodest stand, frage ich misch schon, warum tut ein Mensch so etwas? Nun ja, sie ist eine Profi-Läuferin, verdient ja auch Geld damit, aber das wird es wohl nicht nur sein, oder?
 
Als ich vor zwei Wochen bei meiner Friseurin war, erzählte sie mir, nachdem ich sie gefragt hatte, was sie denn am letzten Sonntag morgens um 7.3o Uhr auf dem Wilhelmplatz gemacht habe, dass sie sich dort mit anderen getroffen hat, um ins Bergische zu fahren, wo sie für den Lauf trainieren wollte. Weiter erzählte sie mir, dass sie in der Nacht erst gegen 03.30 Uhr ins Bett gekommen sei und mit rasenden Kopfschmerzen aufgestanden wäre. Dagegen habe sie sage und schreibe 6 Tabletten eingenommen und ist dann ohne Frühstück zu diesem Training gegangen. Es sei ihrer 1o. Marathon und in drei Wochen liefe sie einen weiteren in Istanbul. So gesehen ist sie also sehr erfahren, aber immerhin Laie, verdient also kein Geld damit. Ihre beste Zeit war bisher 3.58 Minuten. Warum tut sich also ein Laie, der nichts daran verdient, so was an?
 
Ich laufe ja auch, zwei bis dreimal die Woche, insgesamt eine Strecke von 15 km. Das reicht mir auch. Noch nie bin ich auf die Idee gekommen, eine solche Strecke zu laufen. Und wenn, würde ich das wohl doch eher nur für mich alleine machen, ungesehen.
 
Aber das war genau der Punkt, denn als wir ein bisschen darüber diskutierten, warum sie das mache, sagte sie mir, du kannst dir das nicht vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn man den eigenen Körper überwindet, wenn man links und rechts vom Straßenrand angespornt wird, wie der Stolz unter den bewundernden Blicken der Zuschauer in einem hochkommt, der Beifall in den Ohren wie Musik erklingt! Nein, sagte ich ihr, dass kann ich mir nicht vorstellen, ich brauche das aber auch nicht.
 
Daher bin ich wie jedes Jahr mal wieder nur Zuschauer gewesen und hab mir die Gesichter der Vorbeilaufenden angeschaut, nein eigentlich war ich ja nicht nur Zuschauer, denn ich war ja mit der Samba-Gruppe dort, und wir haben ihnen tüchtig eingeheizt. Nicht nur den Läufern, auch den Zuschauern, die wir mit unseren Rhythmen mitgerissen haben.
 
Was das für eine Freude war. Für den Kölner an sich sind solche Aktivitäten ja immer ein bisschen wie Karneval. Überall stehen die Bierbuden, die Gastronomen haben ihre Musikanlage nach draußen beschallt und unter kölschen Karnevalsliedern war allgemein eine gute Stimmung zu spüren. Die einen feiern, die anderen quälen sich!
 
Ehrlich, ich gehöre zu denen, die dann doch lieber feiern! Aber wenn ich so Bilanz ziehe, nach diesem Tag, ist die Motivation des Läufers und meiner gar nicht so weit voneinander entfernt. Gut, ich verdiene leider auch kein Geld mit der Samba-Band, aber ich habe es genossen,mich selber beim Spielen zu vergessen, den Körper zu überwinden, denn der meldet sich auch beim Trommeln. So eine Trommel wiegt 6 kg und das Schlagen ist auf Dauer auch sehr anstrengend. Aber genau so wie die Läufer nehme ich diese Strapaze auf mich! Warum? Genau aus ähnlichem Grunde! Wenn ich sehe, wie die Menschen uns anspornen, nach Zugabe rufen und sich sogar hinreißen lassen, zu tanzen, die Läufer sogar innehalten, bei uns kurz stehen bleiben, sich verbeugen und sich darüber freuen, dass wir für sie spielen, dann haben wir doch eins gemeinsam, wir genießen es einfach, jeder in seiner Disziplin.
 
So hat wohl jeder seine Art sich ein bisschen zu quälen, aber dafür Freude und Adrenalin pur verbunden mit Glücksgefühlen zu erfahren. Aber ehrlich, mir ist die Trommel lieber.
 
Schön war’s, nur dass wir am Ende nicht auf dem Sieger-Podest standen, sondern gemütlich beim Bierchen auf dem Schillplatz saßen, noch einmal Rückschau gehalten haben, uns die lustigsten Läufer in Erinnerung gerufen haben, die barfuß oder mit witzigen Kostümen an uns vorbeigelaufen sind. Und auch hier haben wir wohl etwas mit den Läufern gemeinsam, langsam kroch die Müdigkeit in unsere Glieder und zufrieden und abgekämpt gingen wir nach Hause.
 
Übrigens, zuhause steht jetzt die Original-Trinkflasche des zweiten Gewinners, Daniel Too aus Kenia, wie eine Reliquie in unserer Küche, hatte er sie doch meinem Mann kurz vor dem Ziel zugeworfen! Eine schöne Erinnerung an diesen Tag!
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