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Liegenlassen oder Wegmachen?

Samstagmorgen, ich gehe fröhlich zur Arbeit. Der Tag ist schön, denn die Sonne lacht. Mir geht es gut, denn das Wochenende naht, 15.oo Uhr ist Zapfenstreich. Ich gehe durch die Turmstraße über den Schillplatz, durch die Baudristraße, komme auf die Neusser Straße und überquere sie an der Ampel, um in den Buchladen zu kommen.
 
An der Ecke Neusserstraße, Blücherstraße hat jemand zwei Bierflaschen zerschlagen und die Scherben liegen verteilt über den ganzen Fußgängerweg. Shit, denke ich, wieder so ein Hornochse. Das Denken hat mal wieder ausgesetzt. Meine Buchhandlung ist in der Blücherstraße, also eigentlich weg von dem Dreck. Trotzdem denke ich, das machst du gleich weg. Gesagt, getan! Ich gehe ins Geschäft, hole mir Besen und Schaufel und beseitige die Scherben. Schon allein deswegen, weil ich denke, Mensch, hier könnten doch Kinder lang laufen oder mit dem Roller oder Dreirädchen fahren und dann könnte es gefährlich werden.
 
Wie ich so dabei bin, die Scherben einzusammeln, kommt doch ein Mann an mir vorbei und meint ganz dröge: “ Wieso machen sie den Sch. weg, dafür ist doch die Stadt zuständig“! „Ach ja“, sage ich, „wann soll die denn kommen und das wegmachen“?
 
Daraufhin entspinnt sich eine Diskussion über Mitverantwortung des Bürgers. Schließlich zahlen wir Gebühren für die Straßenreinigung, meint er. Ich entgegne ihm, hören sie mal, so viele Leute können die gar nicht rumschicken, um den Dreck und die Scherben, die andere einfach achtlos hinwerfen, wieder wegzumachen. Hin- und Her, irgendwann geht er.
 
Man fühlt sich wie ein Esel, wenn man sich verantwortlich fühlt. Da muss man mit den eigenen Gefühlen kämpfen.
 
So, Arbeitsende. Ich gehe nach Hause! Komme in meiner Straße an! Vor unserer Haustüre liegt ein Hundehaufen direkt vor der Eingangstüre, auf der Fensterbank meines Nachbarn hat man eine halbleere Frittenverpackung abgestellt und außerdem liegt ebenfalls eine zerbrochene Bierflasche vor dem Eingang. Ich merke, wie ich einen Hals bekomme. Ne, nicht schon wieder, denke ich. Ich schließe die Tür auf und just in dem Moment kommt meine Nachbarin heraus. „Hast Du das gesehen“, frag ich sie? „Ja klar, sagt sie, aber ich bin es leid, ich mach das nicht mehr weg, ich hab die Nase voll! " "Aber wer soll es denn machen, wenn nicht wir?", sag ich ihr. "Das liegt doch sonst den ganzen Sonntag vor unserer Tür und schön ist das nicht!" "Ist mir egal", sagt sie wieder. Na ja, denke ich, so ist das eben. Niemand will sich verantwortlich fühlen. Aber ständig die Diskussionen über Mitverantwortung, es muss sich was ändern in unserer Gesellschaft, super Sprüche drauf, die Leute.
 
Ich hab eigentlich auch keine Lust mehr. Trotzdem, ich geh in den Hof, hole unseren Hofbesen, nehme eine Kanne mit Wasser und säubere unseren Eingang.
 
Dann ist endlich Feierabend, aber wirklich! Nicht, dass man es jetzt falsch versteht, ich fühl mich nicht wie ein Held, im Gegenteil, aber ich hab’s gemacht. Anders geht es doch nicht, oder?
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