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Leben in Nippes!

Seit über dreißig Jahren, mit kurzer Unterbrechung, lebe ich jetzt in Nippes. Es ist mir tatsächlich in den letzten Jahren zur Heimat geworden. Hier hab ich meinen Mann kennen gelernt, Familie gegründet, in Gemeinde, Schulen und Gremien gearbeitet. Ich kenne so viele Menschen hier, dass es unmöglich ist, unerkannt durch die Straßen zu gehen. Das ist das besonders Schöne, ein kurzer Plausch beim Einkaufen auf dem Nippes Wochenmarkt, der immer mehr Multikulti geworden ist. Viele türkische, indische und deutsche Marktbestücker. Vom Billigfähnchen bis zum Schnäppchen, von Bioware, zwar nur noch wenig, bis zum Blumenhändler, ich kenne sie alle. Man geht morgens an ihnen vorbei, grüßt sich oder man nimmt Anteil an ihren Familiengeschichten. Zeit dafür ist immer! Wer sich also treiben lassen will, mediterranem Flair hingeben will, ist hier am rechten Platz!Einmal im Monat findet hier auch ein buntes Treiben der Flohmarkthändler statt!
 
Die ersten Jahre habe ich im so genannten Sechzig-Veedel gelebt. Es ist heute leider überaltert, wie man so schön sagt. Die jüngere Generation ist weggezogen. Das merkt man an jeder Ecke. Wo früher noch reges Geschäftstreiben war, mehrere Metzger, Käse- und Blumenläden, sogar Feinkost, muss man sich mit einem Metzger und einem Bäcker zufrieden geben. Alles andere haben die Supermärkte rundum übernommen! Trotz allem ist es immer noch eine wunderschöne Gegend. Ich hatte in der Krüthstraße gelebt, sie ist die letzte Straße, von deren Häusern aus man hinten hinaus auf den großen Park im Grüngürtel schauen kann. Dieser ist gesäumt von vielen Kleingartenanlagen, in der auch ich stolze Besitzerin eines Gärtchens bin! Viele bauen dort noch immer ihren Obst- und Gemüsevorrat an, vor allen Dingen die ältere Generation. In den letzten Jahren sind aber auch viele junge Familien hinzugekommen, die den Garten als kleines Alltags-Urlaubs-Paradies nutzen. Es waren schöne Jahre mit den Kindern dort. Man brauchte keine Sorge zu haben. Die Kinder konnten quer durch die Gärten toben, waren überall gern gesehen! Ich hatte immer das Glück, trotz meines recht unkonventionellen Umgangs mit der Gartenarbeit gute Nachbarschaft dort zu pflegen!
 
Das Sechzig-Veedel ist geprägt durch ihre früheren Eisenbahnersiedlungen. Sie wurde 1871 unter dem Namen Eisenbahnstrasse angelegt, 1892 unbenannt in Sechzigstrasse. Die Siebachstrasse wiederum wurde 1873 angelegt und benannt nach den Familien Siepen und Selbach, die eine Zuckerfabrik an der Hartwichstrasse/Ecke Ullrich-Zell-Strasse führten. In der Werkstattstrasse gab es früher ein Kriegsgefangenenlager, so um 1941 rum. Dann kann man dort noch heute den ehemaligen Bunker sehen, in denen sich die Bewohner während der Luftangriffe flüchteten. Daneben das Jugendheim der evangelischen Kirche, kurz „OT“ genannt, dass in den siebziger Jahren berühmt berüchtigt war, in dem ich auch meinen Mann kennengelernt habe. In diesem Viertel habe ich also die ersten Jahre mit der Familie gelebt. Auf dem ehemaligen Bundesbahngelände ist heute eine große autofreie Siedlung für ideal für Familien gebaut worden.
 
Später zogen wir in eine größere Wohnung, in der wir bis heute leben in die Nähe des Wilhelmplatzes, die Viersener Strasse. Dort gibt es, man staune nicht schlecht, sogar heute noch ein relativ gut ausgebautes Hotel, das Hotel Viersen! Es hatte jetzt vor kurzem 5ojähriges Bestehen.
 
In diesem Teil von Nippes, haben sich die jüngeren Generationen angesiedelt. Hier ist das Leben bunt, schillernd und farbig. Hier mischen sich Italiener, Türken, Griechen, Inder und eben Deutsche Mitbürger, reden, helfen einander, nehmen sich wahr. Die Kinder besuchen gemeinsame Schulen. Mein Sohn hatte viele Freunde aus anderen Kulturen mit nach Hause gebracht, sie haben zusammen Fußball gespielt und sich am Nachmittag, wenn der Wilhelmplatz leer war, dort zum Fußballspielen getroffen. Nun ja, leider ist der Wilhelmplatz zum Opfer eines meines Erachtens Kölschen Klüngels geworden. Denn niemand kann heute verstehen, wieso dieser einst wunderschöne, von Bäumen umsäumte Marktplatz, zu einer Betonwüste umgebaut wurde, der nun wirklich nicht anschaulich ist. Wie sagt man so schön, Hässliches zieht Hässliches an!
 
Geht man durch Turm- Schill-, Einheit- und Baudristrasse findet man zum geselligen Zweck alles, was das Herz begehrt. Cafes, Restaurants, die wunderbare Weinstube Moriot, die auch auf dem Schillplatz ihre Außengastronomie betreibt, in der auch meine Kinder arbeiten. Man kennt sich, ist zuhause. Hier kann man sitzen, schauen, dem bunten Treiben zuschauen. Viele Frauen mit ihren Kleinkindern versammeln sich dort an den Nachmittagen zum Plausch untereinander, während die Kinder dort toben und spielen können. Leider nicht immer zur Freude der Anwohner. Besonders zu erwähnen ist das „Rosenrot“ in der Turmstraße. Dort trifft sich alles, was Rang und Namen hat. Sogar Frank Plasberg hat dort schon des öfteren gespeist. Von Kleinigkeiten bis zu leckeen Pastas, alles was das Herz begehrt.
 
Hervorzuheben ist auch der Altenberger Hof im Nippesser Tälchen, eine kleine Grünanlage für Nippesser Erholungssuchende. Hier trifft man sich zum Grillen, spielt mit den Kindern oder einfach mal zum Ausruhen. Im Altenberger Hof ist ein sehr schöner Biergarten angelegt, von dem aus man auf das Tälchen schauen kann! Dort steht übrigens noch eine alte eiserne Lokomotive, die früher immer zum begehrten Anlaufplatz der Kinder war. Heute ist es leider verboten darauf herumzuklettern. Der Altenberger Hof, in dem auch das Bürgerzentrum Nippes angesiedelt ist, bietet viele schöne Möglichkeiten für alt und jung. Besonders sind die karnevalistischen Veranstaltungen hervorzuheben, aber auch sonst gibt es immer wieder kulturelle Angebote und natürlich Kurse für Jedermann! Hier trifft sich auch der „runde Tisch“ der Senioren dieses Stadtteils!
 
Kommen wir zur Neußer Strasse. Sie hat schon Federn gelassen in all den Jahren. Hier sieht man deutlich, dass die Menschen in Nippes nicht reich sind. Immer mehr Billiglädchen haben schöne, alt eingesessene Läden abgelöst. Ich erinnere mich noch an einen Hutmacher, kleine Boutiquen, Haushaltswaren- und Dekogeschäfte sowie einen Süßwarenladen. Auch der alte Tabakladen ist nicht mehr da! Vieles reduziert sich auf Handy-Läden, Bäckereien, Optiker, Banken, Metzger und Drogerien. Der Kaufhof hat in all den Jahren standgehalten, wurde aber auch immer wieder umstrukturiert. Seit einiger Zeit gibt es einen sehr schönen Bio-Supermarkt, in dem man herrliche Dinge finden kann. Also zum Shoppen oder Bummeln lädt sie nicht wirklich ein. Aber ich brauch das nicht!
 
Am schönsten ist für mich Nippes bei Nacht! Ist das Wetter sonnig und warm, wie in den letzten Tagen, trifft man sich eben auf dem Schillplatz, entweder um bei Gernots noch nett zu essen oder bei Moriot, um noch einen Wein zu trinken und zu plauschen. Leider muss die Außengastronomie schon um 23.00 Uhr schließen. In südlichen Ländern unvorstellbar! Aber man kann ja weiterziehen. Wer richtig durchmachen will oder noch spät aus der Stadt kommt, kann im Machet in der Einheitstrasse oder in der ¼ Bar immer noch ein Plätzchen finden, um den letzten Absacker zu sich zu nehmen. Läuft immer gute Musik und die Leute sind durchweg nett!
 
Zu vergessen ist auch nicht das schöne Cafe Eichhörnchen, das direkt hinter der Kirche St. Marien ihren Platz gefunden hat. Auch hier immer viele junge Familien mit Kindern, auch im Winter, da es absolut rauchfrei ist! Es gibt belgische Schokolade und andere Delikatessen. Auf dem Gelände der Kirche St. Marien wohnt der „Meister“, wie wir hier zu sagen pflegen. Ein Obdachloser, der jetzt schon seit zehn Jahren von der Pfarrei geduldet wird. Auch oft sehr zum Ärger der Anwohner! Aber ich könnt ihn mir auch nicht mehr weg vorstellen!
 
Ja, das war so mein kleiner Spaziergang durch Nippes. Ich hab ne Menge nicht erzählt, das würde ja den Rahmen sprengen! Aber der Mattes hat ja zum selben Thema geschrieben und ich hoffe, wir ergänzen uns!
 
Wenn ich dann nach einem langen Tag in mein Bett versinke, das Fenster geöffnet, zeigt zum Hinterhof und die Nachbarn von rechts und links noch feiern höre, leise Musik läuft im Hintergrund, oder gegenüber in den Häusern zur Wilhelmstraße ertönt das nächtliche Gebet einiger Muslimen, die dort wohnen, bin ich glücklich! Oft hört man natürlich auch Streitigkeiten aus den Nachbarnhäusern. Oft hab ich gedacht, was passiert da wohl jetzt, wenn ich wach lag! So manches Mal hat mein Herz geschmerzt. Das ist Leben in Nippes, bunt, laut, fröhlich und gesellig. Ich käme nie auf die Idee mich wegen des Lärms zu beschweren. Dieser Lärm ist für mich Musik.
 
Also lernen sie es mal kennen, mein Nippes! Es findet sich immer eine Gelegenheit!
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B
Ziemlich gut beschrieben, ich wohne zwar erst wenige Jahre hier in Nippes, möchte aber so schnell hier nicht mehr weg. :)
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