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Rückzug?

Es ist immer wieder die gleiche Frage, die ich mir stelle in Situationen, wo es nicht mehr weitergeht, wo ich den Eindruck habe, ich werde nicht verstanden, es hat doch alles keinen Zweck mehr:“Soll ich mich da noch einbringen“? Hat das überhaupt einen Zweck? Soll ich mich weiteren Verletzungen stellen? Oder gar in Kauf nehmen, durch Ärger, Missmut selber Verletzungen zu zu fügen?
 
Wenn ich in die Welt schaue, in meine nähere Umgebung, sehe ich sehr viel Rückzug! Man hat sich aufgegeben, dann auch den Nächsten. Man bleibt für sich.
Ein gutes Beispiel war immer meine Mutter. Mein Vater starb mit 48 Jahren. Sie hat viel erleiden müssen! Als er starb hätte sie alle Möglichkeiten der Welt gehabt, ein ganz anderes Leben zu führen. Sie war noch jung! Aber die Verletzungen waren so schwer, dass sie aus Angst vor allen anderen Menschen, die sie möglicherweise verletzen könnten, den Rückzug angetreten hat in eine Welt, in der nur noch der Fernseher, ihre Katzen und sie selber existierte. Mich, ihre Tochter, nimmt sie jetzt erst in den letzten Jahren wahr. Sie ist jetzt sehr krank und weiß, dass es zu Ende geht. Vor ein paar Tagen sagte sie mir:“Wenn der Papa nicht so gewesen wäre, hätte ich mich nicht so zurückgezogen“! Erkennt sie jetzt, dass sie sich von einem Dämon beherrschen hat lassen, der sie am Leben hindern wollte!
Solche Beispiele gibt es an der Vielzahl.
 
Auch ich hab ja selber so viele einschlägige Erfahrungen gemacht in Gemeinschaften, mich eingebracht, alles gegeben, mein Herz, mein Wort, meine Gedanken, meine Gefühle und das Materielle und immer wieder ist es zu Enttäuschungen gekommen! Ich kenne solche Situationen, in denen man innerlich zusammenzuckt und denkt:“Schluß! aus! Das war?s jetzt! Ich mach das nicht mehr, hat ja keinen Zweck“!
 
Auch hier im Blog, der sich ja „Community“ nennt, also Gemeinschaftsanspruch erhebt! Zum Thema „Gemeinschaft“ hab ich ja schon mal geschrieben. In dieser virtuellen Gemeinschaftswelt ist aber alles noch einmal anders! Man sieht den Menschen nicht, begegnet ihm nicht im realen Alltag. Man sieht nur seine Worte, Vermutungen, Projektionen, die man an den Menschen, der dahinter steht, anwendet, erfahren auch hier oft eine Täuschung! Nun ist das ja sowieso schwer, aus einem Wort die wirkliche Gesinnung herauszulesen. Hat derjenige jetzt aufgewühlt, verärgert oder enttäuscht diesen oder jenen Kommentar geschrieben? Will er mich möglicherweise angreifen!? Wenn ja, warum?
 
Ich stelle immer wieder fest, dass es nichts anderes gibt, um dem Anderen näher zu kommen, ihn kennen zu lernen, wenn man nicht mit ihm ins Gespräch kommt. Mich nicht zurückzuziehen, auch wenn es schwer fällt. Was hatte ich dann gedacht? Am Anfang, als ich in den Blog kam? Das die Bloggerwelt eine fairere ist, als die, die ich im Alltag erlebe. Mein Sohn hat mich vielfach gewarnt. Mutter, du kannst da nicht einfach schreiben, wenn du nicht damit rechnest angegriffen, nicht verstanden zu werden! Es laufen einfach zu viel Spinner durch das Netz!
 
Aber wie gehe ich jetzt weiter damit um? Stellen wir uns nicht alle immer wieder vor die Frage, gehe ich auf den Nächsten noch ein? Ich gebe zu, mich erfasst immer ein kleiner Tod, eine Traurigkeit, wenn ich sehe, dass so vieles an „nicht wirklich Wichtigem“, dazu führt, dass Menschen nicht mehr miteinander sprechen, sich zurückziehen. Auf ihrem Recht beharren! Den Standpunkt des anderen nicht durchleuchten, zu versuchen in seinen Schuhen zu gehen, Vielleicht ist das ja das Wichtigste überhaupt, der Versuch sich in die Gefühlswelt, die Gedanken und in sein Leben zu versetzen, um ihm und sich selber ein Stück näher zu kommen! Sich neu zu erfinden! Warum muss ich jemand ablehnen, nur weil er eine andere Meinung hat? Warum muss ich aggressiv werden, wenn er die meinige nicht annimmt.
 
Genau das ist doch der Grund von entweder Rückzug oder Cliquenbildung. Ich such mir halt vermeintlich „Gleichgesinnte“ die mir den Rücken stärken, dann hab ich möglicherweise die Kraft, gegen den ganz „Andren“ anzugehen!
 
Das Leben in einer Gemeinschaft, ob real oder virtuell, ist sehr zerbrechlich und ich hab mal wieder erneut festgestellt, dass der Tod einer Gemeinschaft mit dem Rückzug beginnt. Ich weiß aber auch, dass es eine große Seelen- und Geisteskraft braucht, um dem standzuhalten! Und wie oft hab ich nicht im Leben erfahren, dass aus vermeintlichen Feinden „Freunde“ geworden sind. Und dass diese Beziehungen mit mehr wert sind als alles andere! Weil ich sie mir erkämpft habe, nicht aufgegeben habe!
 
Vielleicht ist der Kampfgeist im Menschen in der heutigen Zeit erloschen, dem Anderen zu begegnen. Gibt es doch nichts Schöneres, als jeden Tag ein Stückchen mehr vom anderen zu verstehen! Daher ist es nach meiner Meinung nach das Wichtigste überhaupt, ihn nicht zu verurteilen, ihn in eine Schublade zu stecken, sondern immer wieder neu auf ihn zuzugehen! Sonst bleiben wir alle Egoisten, gefangen in uns selber, gut darauf bedacht, in der Deckung nicht verletzt zu werden, aber aus der Deckung heraus den anderen zu bekämpfen!
 
Ich stelle mir das immer als Bild vor. Wir hocken in unserer Höhle, dann klingelt es, jemand steht vor der Tür. Ich schaue ihn an, höre was er zu sagen hat! Je nachdem, ob es mir gefällt, bitte ich ihn herein! Ansonsten Tür zu, auf Wiedersehen, das war?s. Klingel doch woanders. Aber ist nicht jeder Mensch für den anderen eine Herausforderung? Können wir uns nicht nur so weiterentwickeln im Geiste und im Herzen, wenn wir jedem die Türe öffnen.
 
Verletzungen heilen, hab ich gelernt im Leben! Ich möchte nicht ohne diese Verletzungen leben, sie haben mich letztendlich weitergebracht. Nur aus Angst vor Verletzungen mich zurückzuziehen, schaffe ich nicht, höchstens ein paar Tage. Dann regt sich wieder mein Herz und sagt mir, Röschen, das ist nicht der richtige Weg!
Ich weiß, ich werde dafür belächelt, aber das Leben für mich ist nur so schön, alles gehört dazu, Leben und Tod, beides ist nah beieinander!
 
Wenn ich wieder an diesen Punkt gekommen bin, kann ich tatsächlich ja sagen zu dem, wie es ist, das vermeintlich Negative mit einschließen! Es muss immer wieder der Moment geschehen, in dem ich auf den anderen zugehen kann und alles was war, in eine Grube werfen kann! Erst dann öffnet sich der Himmel für mich! Ich wünsche uns das allen hier im Blog und im Real-Life
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