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Peter Gabriel- Konzert -

Diese Woche hatte ich einen fieberhaften Infekt. Nun, Fieber hat ja so gesehen auch immer etwas Positives. Der Körper setzt sich auseinander und die Seele reinigt sich ebenfalls.
 
Seit Donnerstag kam dann aber noch ein anderes Fieber dazu! Das Peter Gabriel-Fieber. Zu spät hatte ich die Ankündigung seines Konzertes in Gelsenkirchen gesehen. Es war ausverkauft! Dann plötzlich erschien die Benachrichtigung, dass es ein Zusatzkonzert gibt. Aber irgendwie wollte es nicht so richtig klappen! Montag hab ich mich noch mit letzter Kraft auf den Weg zu Köln Ticket gemacht, um die Karten zu besorgen. Es waren noch genau 100 Karten da! Als sie ausgedruckt waren und ich bezahlen wollte, stellte ich fest, dass ich die Geldbörse vergessen hatte! So ein Mist! Wieder aufs Rad und nach Hause. Dort angekommen, war nix mehr drin. War so schlapp, dass ich es nicht mehr geschafft hätte, nochmals zurückzufahren. Traurigkeit und Unmut überfielen mich. Na ja, das war es dann wohl, dachte ich!
 
Als mein Mann nach Hause kam und ich es ihm erzählte, meinte er, er ginge sowieso noch spazieren, er könne sie ja dann besorgen! Das fand ich sehr nett!
 
Seit Donnerstag nun bin ich in einem absoluten Gabriel-Rausch. Den ganzen Tag hatte ich sämtliche Genesis und Gabriel CD´s gehört. Mich in die Texte vertieft und war nur noch „Peter“! Alte Erinnerungen wurden wach von Konzerten aus den Siebzigern. „The Lambs lies down on Broadway“! Das war einfach gigantisch! Oder „The Musical-Box“!
 
Und Freitag war es dann soweit. Ich habe mir erlaubt, trotz immer noch vorhandener Schwäche mich auf den Weg zu machen. Den ganzen Morgen schon spielen meine Nerven vor Vorfreude verrückt. Wann ist es endlich 16.00 Uhr und Dieter, ein Freund von mir, holt mich ab? Endlich nach Gelsenkirchen.
 
Auf der Fahrt die alten Genesis gehört. Ich drehe total ab! Bin voller Erwartung. Der Verkehr ist zähflüssig an manchen Stellen, aber wir kommen relativ gut durch! Das übliche Parkplatzprocedere am Eingang. Aber wir finden einen guten direkt am Anfang. Natürlich gegen Gebühr 3,-00! Aber ist o.k. Wir stellen uns in die Schlange, die sich schon lange vor Beginn des Konzertes gebildet hat. Und dann! Ich bekomme eine Gänsehaut, plötzlich ertönt der Bass von Tony Levin, ein wahnsinniger Typ und dann, ich bin einfach weg! Peters Stimme! Immer noch unverbraucht! Immer noch in allen Facetten zu hören. Sound-Scheck! Wir dürfen daran teilnehmen! Nach einer Stunde Wartezeit sind wir endlich im Gelände. Das Amphittheater liegt großartig. Ich kannte es vorher nicht. Direkt am Rhein-Herne-Kanal. Platz für ca. 10.000 Leute, schätze ich mal. Es war ein Zusatzkonzert und nicht ausverkauft! Nachdem wir das Procedere der Taschendurchsuchung überstanden hatten, kamen wir erstmal in die so genannte Sauf- und Fressmeile. Natürlich will hier jeder auch sein Geschäft machen. Wieder anstehen inmitten von Bratwurstduft und anderen Gerüchen. Ich bekomme doch jetzt nix runter vor lauter Aufregung.
 
Dann endlich Einlass in die Arena! Wow! Die Bühne liegt direkt hinter dem Rhein-Herne-Kanal! Die Leute strömen teils auf die Sitzplätze, teils nach vorne zur Bühne. Die Freunde wollen sitzen, weiter weg. Ich nicht! Wir verabreden uns nach dem Konzert an einem bestimmten Platz und ich presche zur Bühne vor! Ca. 4. Reihe, ist o.k. Jetzt wieder warten. Es ist genau 19.00 Uhr! Ich komme mit den Leuten vor und neben mir ins Gespräch. Mit Hans, den ich näher kennen lerne, tausche ich mich aus, über alle Genesis und Gabriel CDs, Videos und DVD´s. Auch er hatte schon am Vortag alle Foren durchgezappt. Dann kommt das ungeheuerliche. Er hat eine Liste vom Set, auf der alle Stücke stehen, die Peter spielen wird. Ich bin begeistert. Sehe die Titel, I don´t Remember, No self Control, Big Time usw.. Schön ist, dass wir dann auch über persönliche Dinge ins Gespräch kommen. Wir entdecken beide die Liebe zum Fahrradfahren. Ich erzähl ihm von meiner bevorstehenden Fahrradtour im Sommer in Ostfriesland. Er kommt aus Wilhelmshaven. Gibt mir noch einen super Tipp von wegen Heuhotels, in denen man billig übernachten kann. Ach ist das alles schön!
 
Dann endlich die Vorgruppe. Charlie Winston! Hab ich noch nie was von gehört. Aber sind mächtig gestylt, Charlie kommt mit einem Riesenmegaphon auf die Bühne, die seine Stimme verzerrt. Das ärgert mich ein bisschen, denn das hat er gekupfert. Das macht ja Wayne Coyne von „Flaming Lips“ auch immer. Na ja, das Publikum ist günstig eingestellt. Sie versuchen ein bisschen Stimmung zu machen, aber man findet sich nicht in ihrem Stil! Zu unruhig! Ach Mensch, alle warten doch auf Peter!
 
Und dann endlich 21.10 Uhr die Band betritt die Bühne. Ein Brausen geht durch das Publikum. Peter mit seiner Tochter Melanie, eine wunderschöne junge Frau mit feinen sensiblen Stimme, Tony Levin, der Bassist, David Rhodes, Gitarrist, Ged Lynch, Schlagzeuger, Richard Adams Gitarrist und Bassist und Angie Pollock an den Keyboards. Alle Musiker insgesamt eine unglaublich charismatische Ausstrahlung. Die Stammleute sind schon lange mit Peter zusammen. Man spürt das gute Einvernehmen!
 
In den 2 Stunden, die jetzt folgen, bin ich einfach nur die Musik und Peters Stimme geht mir bis in die Zehenspitzen. Der Altersdurchschnitt der Zuhörer liegt so ca. bei 35 Jahren bis 55 Jahren! Alles eingeschworene Gabriel-Fans. Und so ist auch die Stimmung, schon fast familiär. Peter macht sämtliche Ansprachen in Deutsch. Ich bin überrascht. Gut, er liest sie teilweise vom Zettel, aber ich finde dass eine sehr schöne Geste von ihm. Dann das erste Stück „Rhythm of the Heat! Der Sound ist einfach klasse! Wie auf CD! Ich bin zwischendurch mal nach oben gegangen, um zu hören, wie es dort ist, aber von überall einfach super ausgesteuert! Peter hatte bewusst auf allen Schnickschnack und Showeffekte verzichtet. An diesem Abend zählt die Musik! Und es braucht auch nichts Weiteres.
 
Das Stück „I hav the Touch“ leitet er ein, mit einer Studie, die gemacht worden ist. Es geht um Körperkontakt. Er erzählt, dass z.B. die Menschen in Puerto Rico am Tag ca. 170 mal direkten Körperkontakt miteinander haben, hingegen in Deutschland nur 2 mal! Guten Tag und Auf Wiedersehen! Alle schmunzeln. Ja so sind´s halt die Deutschen. Ich fühle mich nicht angesprochen, hatte ich nicht grade den Hans mal liebevoll auf die Schulter geklopft, weil ich mich geographisch etwas vertan hatte.
 
Peter hatte im Vorfeld die Besucher via Internet dazu aufgefordert, ihre Lieblingstitel zu benennen, die 20 Tops hat er dann an diesem Abend gespielt. Auch das fand ich sehr berührend. Das ganze Konzert war wirklich ein Geschenk für seine Fans! Nur das schien für ihn wichtig zu sein. Das spürte man bei jedem Stück!
 
Hinter jedem Musiker gab es riesige Leuchten und schmale Projektionsflächen, auf denen sich bei jedem Song die Lichteffekte abwechselten. Peter überwiegend hinter seinem Keyboard auf der linken Bühnenseite, von wo aus er seine Band im Auge hatte und Anweisungen geben konnte. Bei wenigen Stücken kam er an den Bühnenrand. La-Ola-Wellen immer wieder zwischendurch. Jeder sang fast alle Texte mit.
 
Nach ca. 90 Minuten war das Konzert erstmal beendet. Natürlich ließen sie nicht lange auf sich warten mit der Zugabe. Es folgten „Solsburry Hill, gut den kann ich nicht mehr wirklich so gut hören, für mich eher eine schwache Nummer, dann Sledgehammer und dann, ach und dann:“In blue Eyes“!
 
Ein letztes Mal drehe ich mich im Kreis, versinke in Peters Stimme, in die wunderbare Musik und bin einfach glücklich, dass es Peter gibt, der mich schon in so vielen Situationen meines Lebens mit seiner Musik getragen hat. Seine Texte, in denen ich mich oft wieder gefunden habe und natürlich all die vielen Konzerte, die ich auch schon in seiner Besetzung mit Genesis gesehen habe.
 
Der Abend endet! Das Publikum macht sich auf den Nachhauseweg. Es geht alles ziemlich reibungslos vonstatten. Ich finde die Freunde wieder. Draußen sind fliegende Händler und ja, ich kaufe mir ein T-Shirt für einen Zehner. Muss sein. Eine kleine Erinnerung!
 
Wir steigen ins Auto und ab gehts wieder nach Köln. Ich hoffe, er kommt bald wieder!

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