Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Ich schreibe einfach gern:)

Werbung

Wunschkind Paul und sein Ende!

Pauls Eltern hatten sich mit dreißig kennen gelernt. Er war Inhaber eines kleinen Juweliergeschäftes. Sie war freiberuflich Headhunter, mit großem Erfolg. Sie reiste dadurch viel und gern. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dachten sie damals. Vielleicht war es doch nur ein Gefühl, dass es Liebe sein sollte. Sie zogen sehr schnell zusammen. Ihre Freunde hatten schon Familien. Sie wollten nicht. Das Leben im Überfluss, Reisen, die Villa im Grünen, das klasse Auto, Partys und gutes Essen war ihnen genug. Sie wollten sich nicht einschränken müssen. Die Jahre gingen dahin, bis sie plötzlich merkte, dass eine Zeitbombe tickte. Sie wurde nämlich 40.
 
Sie lebten nun schon 1o Jahre so miteinander. Plötzlich hatte alles einen faden Geschmack. Die Kinder der Freunde waren schon fast in der Pubertät. Die Familien um sie herum genossen ihr Familienglück. Depression überfiel sie. Er hatte wohl doch eine kleine außereheliche Liäson. Sie war ihm in den letzten Jahren zu depressiv geworden. Vielleicht war es ja doch noch nicht zu spät. Mit dem Kinderwunsch! Ja, sie wollte jetzt! Ein Kind soll kommen. Sie wollte das Gefühl haben Mutter zu werden. Nicht den anderen nachstehen müssen. Dieses Gefühl einer Schwangerschaft auskosten wollen. Sie merkte nicht, dass das nichts damit zu tun hatte, eine Familie zu gründen, sondern, dass das purer Egoismus war.
 
Zwei Jahre warteten die Beiden. Dann kam die Glücksbotschaft. Sie war schwanger. Sie war aus dem Häuschen. Er hatte plötzlich Angst. Wenn das bloß gut geht. Mit 42 Jahren! Die Schwangerschaft verlief komplikationslos! Ihn nervte es, dass sich alles darum drehte. Aber dann war es soweit. Paul erblickte das Licht der Welt. Er war nicht dabei, obwohl er sollte. Er hatte gekniffen! Hatte draußen gewartet. Sie war schon ziemlich enttäuscht! Aber als er den Jungen sah, war alles vergessen. Man sprach nicht mehr drüber.
 
Natürlich war Paul sofort der Held der Familie. Man schloss sofort eine Ausbildungsversicherung für ihn ab, zusätzlich einen Bausparvertrag, schließlich sollte Paul es ja auch mal gut haben. Die Ausbildung sollte gesichert sein. Das Zimmer in der Villa im Grünen hatte alles, was das Herz begehrt. Nur das Feinste.
Er war übrigens auch der erste Enkel von beiden Seiten. Die Großeltern überschütteten das Kind. Jeder legte ein Sparbuch an für Paul. Er sollte es mal richtig gut haben!
 
Paul war ein reines Wunderkind! Er lief früher, wie alle anderen, sprach schneller, wie alle anderen und war auch schneller sauber, wie alle anderen. Paul wurde zu jeder Gelegenheit vorgezeigt. Es hätte so schön sein können. Sie merkte schnell, dass Paul aber allein nicht genügte. Sie hatte sich vom Berufsleben zurückgezogen. Sie war auf ihn fixiert, wenn er abends nach Hause kam. Er musste jetzt allein sehen, wie der Lebensstandard erhalten blieb. Er fühlte sich überfordert. Unverstanden. Sie fühlte sich überfordert. Unverstanden. Da gab?s nur eins. Paul musste in den Kindergarten, so schnell wie möglich. Da Geld keine Rolle spielte, wurde ein Platz gefunden. Jetzt ging der Streit los, wer wann Paul abholte. Es kam zu gegenseitigen Vorwürfen. Paul dazwischen. So ging das bis zum Schuleintritt.
 
Sie ging mittlerweile wieder ihrer Tätigkeit als Headhunter nach. Paul blieb ein Wunderkind. Er lernte schneller lesen wie alle anderen, war im Sport eine Kanone, versprach ein Fußballtalent zu werden und konnte in der Grundschule ein Jahr überspringen. Sie waren stolz. Mittlerweile war er 9 Jahre. Er ist allein geblieben. Er hätte gerne einen Bruder gehabt, ne Schwester wäre auch nicht schlecht gewesen. Dann wäre er abends nicht immer so allein im Dunkeln gewesen. Denn abends im Bett kamen seine Ängste und Traurigkeiten. Er spürte, dass mit den Eltern was nicht stimmte. Sie stritten immer häufiger. Dafür war aber alles da. Paul brauchte nur ein Wort zu sagen und schwupp, stand das neue Fahrrad da. Er hatte als erster einen eigenen Computer in der Klasse. Paul brauchte eine Brille, ein bisschen wurde er gehänselt! Paul hatte eigentlich ein schönes Leben! Er durfte schon früh ins Kino, bekam alle Videos, die er sich wünschte und mit 11 Jahren hatte er sogar einen eigenen Fernseher. Was ihm fehlte? Er konnte kaum Freunde mitbringen. Seine Mutter war immer total entnervt, wenn sie durch den Garten tobten. Vater war sowieso nie da. Paul dachte, seine Eltern liebten ihn nicht. Daher strengte er sich noch mehr an in der Schule. Er war Klassenbester. Im Gymnasium durfte er schon wieder eine Klasse überspringen.Er hatte jetzt ein Laptop. Seine Eltern redeten schon vom Studieren!
 
Dann geriet er durcheinander! Seine Eltern nannten das Pubertät. Er verweigerte sich ihnen jetzt immer mehr. Die Leistungen fielen plötzlich ab. Die Freunde gefielen den Eltern nicht. So stahl sich Paul heimlich davon. In der Schule gab?s ne Clique, die kiffte. Er probierte es auch mal. Eigentlich fand er das nicht gut. Aber die Jungs waren nett. Er fühlte sich irgendwie zuhause bei ihnen. So war es klar, dass Paul auch anderes probierte als nur den Joint. Mittlerweile gefiel es Paul immer besser. Er vergaß die Kälte, die ihm zuhause entgegenkam. Paul merkte aber nicht, dass er immer aggressiver wurde. Er fing an, sein Zuhause zu hassen, all den Glanz, den materiellen Wohlstand. Er stritt sich immer mehr mit seinen Eltern. Es eskalierte und er haute ab. Das Abi schmiss er. Seine Eltern waren verzweifelt. Was hatten sie falsch gemacht? Sie hatten keinen Zugang mehr zu ihm. Mit Hilfe eines Psychologen kam Paul wieder auf die Beine. Abi wollte er trotzdem nicht mehr. Er spürte, dass seine Eltern enttäuscht waren. Es war ihm egal. Er machte eine Lehre als Kfz-Mechaniker. Es machte ihm Spaß! Er lernte ein Mädchen kennen. Sie waren ein Jahr zusammen, als sie schwanger wurde. Die Eltern des Mädchens waren gegen ihn. Er hätte keine Perspektive. Sie studierte Medizin. Sie sollte Ärztin werden. Ihre Eltern nahmen das Kind. Sie überließ sich dem Einfluss ihrer Eltern und verließ Paul. Er war wieder allein.
 
Paul schlug sich durchs Leben. Brachte seine Lehre zu ende. Arbeitete als Kfz-Mechaniker. Traf sich an Wochenenden mit Kumpels. Schaffte sich ein Motorrad an und fuhr durch die Welt. Aber es fehlte ihm etwas. Nach wiederholten Beziehungen, die scheiterten, entdeckte er, dass er beziehungsunfähig war. Paul wurde depressiv.
Er nahm Medikamente, aber es wurde nicht besser. Niemand merkte etwas. Paul wurde älter. Paul wurde 40 und hatte nichts erreicht. Keine Frau, keine Familie. Seine Freunde, Kumpels von damals hatten sich verstreut. Paul arbeitete weiter. Wußte aber nicht mehr, warum! Eines Morgens stand Paul am Bahnhof und wartete auf den Zug. Es war nur so ein Moment! Der Zug fuhr ein. Paul dachte, das lohnt doch sowieso alles nicht! Es war nur ein Moment! Eigentlich wollte er nicht. Eigentlich hatte er Angst. Und dann sprang er doch! Er war sofort tot. Paul wäre zwei Wochen später 41 Jahre alt geworden. Paul war ein Wunschkind!
 
Das ist eine wahre Geschichte!
Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post