Ich schreibe einfach gern:)
Seit einiger Zeit macht unsere Regionalzeitung in ihrer Beilage eine kleine Aktion. Es geht um Komplimente! Ach, wer hört sie nicht gern, diese kleinen Worte, die Wunder wirken und das Leben von dunkel in hell verwandeln können, oder?
Es gibt natürlich Unterschiede und es kommt auch manchmal darauf an, wer die Komplimente ausspricht. Zum einen können es verschleierte Worte sein, will sagen, man bekommt sie berechnend, weil der Aussprecher sich eine Gegenleistung erwartet. Berchnend also! Zum anderen, manchmal ist es doch so, dass das Kompliment eines nahestehenden Menschen einen nicht mehr so erreicht, als wenn ein Fremder einem etwas Schönes sagt. Das Kompliment eines Fremden ist manchmal mehr Wert, weil er ja viel neutraler ist, noch nicht von Vergangenem belastet ist.
So im Alltag wird ja allgemein nicht mit Lob um sich geworfen oder ein Kompliment so einfach mitten am Tag von Irgendjemand ausgesprochen. Gibt es wohl noch selten. Früher, in Zeiten der Romantik, war die Welt voll von Komplimenten, natürlich gerade an die Angebetete. Man erorberte so manches Herz damit. Ich glaub, es ist für den Empfänger eines Komplimentes wirklich wichtig, aus welchem Geist heraus es gesagt wird. Ein ehrliches Wort bewirkt mehr, als tausend schleimspurige Belobhuldigungen.
Nun denn, ich kann natürlich auch auf ein Repertoire von Komplimenten zurückgreifen. Auch ich selber kann ganz unvermittelt einem Menschen ein Kompliment machen, über sein Aussehen, sein Lächeln, seine Menschenfreundlichkeit, das geht mir schon sehr leicht über die Lippen und es ist immer ehrlich gemeint.
Aber ich erinnere mich an eine Zeit in meiner Lebensgeschichte, da war ein solches Kompliment in der Tat lebensrettend für mich. Damals, vor vielen Jahren, als ich perspektivlos in meinem Leben war, ja schon nahe einer Weltuntergangsstimmung, selbst Gedanken an den Tod überfielen mich oft, da suchte ich einmal ein kleines Kloster auf hier in Köln, mitten in der Stadt. Dort zog ich mich für einige Zeit zur inneren Einkehr und Ruhe zurück. Bei dieser Gelegenheit führte ich auch das ein oder andere Gespräch mit der Äbtissin des Klosters. Endlich war einmal Raum da, einfach nur etwas von mir zu erzählen, wie ich mein Leben bis zu diesem Zeitpunkt geführt hatte, welche Gefühle, welche Hoffnungen, wenn überhaupt, welche Gedanken mich so begleiteten. Das erste Mal, das mir wirklich jemand zuhörte und ich an den Fragen erkannte, da ist wirkliches Interesse. Na ja, und unterm Strich kam eigentlich nach all diesen Gesprächen heraus, damals, dass ich eigentlich nicht wirklich an mich selber glaubte, dass ich gut war, so wie ich war. Wie auch, hatte mir bis dahin ja auch nie jemand gesagt. Die Äbtissin damals, hatte das wohl sofort erkannt, mir aber nichts durchblicken lassen.
Als ich dann nach einigen Tagen wieder zuhaus war, schon ein bißchen gestärkt, jedoch immer noch von den tiefen inneren Selbstzweifeln geplagt, da fand ich eines Morgens einen Brief im Kasten. Er war von der besagten Äbtissin. Ich öffnete ihn ungeduldig und fand nur eine Zeile auf einem großen weißen Blatt Papier. Die Worte hab ich bis heute in meinem Herzen behalten und ich sage sie mir und vielen Anderen gebe ich es weiter. Sie lauteten wie folgt:
"Weißt Du eigentlich wie gut es ist, dass es Dich gibt!"
Mehr nicht. Das war alles und eine Unterschrift!
Ich legte den Brief still in meine Schublade, wo er noch heute liegt, manchmal hol ich ihn heraus, wenn es mal wieder einen kleinen Stich des Selbstzweifels gibt, dann halte ich ihn und ein Lächeln fällt auf mein Gesicht. So ist es.
So erinnerte mich die Aktion im KSTA im Beilagenblatt zum Thema Komplimente an diese kleine Geschichte meines Lebens. Komplimente können manchmal Leben retten, manchmal auch nur über einen Tag, aber es gibt ja einen nächsten.
In diesem Sinne, öfters mal ein Kompliment, ist gar nicht so schwer! Komplimente und Lob lassen das Leben in einem ganz anderen Licht erscheinen, sie machen groß, stark und mutig. 