Ich schreibe einfach gern:)
Erinnern wir uns nicht alle an unsere Kinderzeit. Hier und da ein kleiner Fehltritt, eine Übermütigkeit, Überschätzung der eigenen Kräfte und plumps, ab geht es. Knie aufgeschlagen, Loch im Kopf, Ellbogen angestoßen, viele kleinere Verletzungen hat man sich zugezogen. Manche Narben sind noch heute sichtbar. Was haben wir gemacht in solchen Fällen, klar, erstmal losgeheult, gewartet, ob vielleicht jemand kommt, der einen aufhebt, in die Arme nimmt und tröstet. Manchmal hat man es gerade darauf abgesehen, ist so lange liegengeblieben, hat geschaut, ob es auch jemand sieht und dann gewartet, dass derjenige kommt, um einen aufzuheben. Wenn man Pech hatte, so wie ich, kam halt niemand. Was also war zu tun? Ganz einfach, aufstehen und weitermachen, genau da, wo man aufgehört hat. Kinder lassen sich doch nicht abschrecken, sie fallen, verarbeiten den Schmerz, lassen sich die Wunde verbinden und dann geht es zur Tagesordnung über. Gut so, meine ich. Es nutzt nichts, sich mit Selbstmitleid zu ummanteln und stehen zu bleiben. Man kommt ja nicht weiter, macht keine neue Erfahrungen. Als Kind will man wissen, was man kann, dass man auch das Unmögliche erreichen kann, dass man sich selber überwinden kann.
Ich erinnere mich auch noch an viele solcher kleinen und größeren Unfälle. Damals, ich war gerade acht Jahre alt, hatte einen neuen Roller bekommen. Ich war schon immer ein Irrwisch, ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Beine über den Fahrradlenker, später oder einfach mal auf den Sattel gestellt. Mensch, wieviele Stürze hab ich dabei hingelegt. Die Narben sind heute noch sichtbar. Aber mit dem Roller, damals, da hab ich mich erstmal eingeübt, für später mit dem Rad. Wir hatten so einen kleinen Schuttberg, der mich geradezu herausforderte, ihn mit meinem Roller herunterzurasen. Jede Warnung ausschließend, ich wollte eine kleine Heldin sein, denn niemand der anderen Kinder wagte es sich, es mir gleich zu tun. Also rauf auf den Berg mit dem Roller und ab die Post. Nun denn, es kam, wie es kommen mußte, Absturz, aber Hallo! Da lag ich dann, Kies im Mund, Blut lief mir aus dem Mund. Niemand war da, außer die anderen Kinder, die ratlos und erschrocken um mich herumstanden, schauten mich an. Was sollte ich machen, aufstehen, meinen Roller schnappen und ab nach Hause erstmal. Kleine Untersuchung ergab, ein Loch in der Zunge. Ab zum Arzt, der dann nähte. Der Schmerz hielt noch einige Stunden an, aber schon am nächsten Tag stand ich wieder mit meinem Roller auf dem Schuttberg und man glaubt es nicht, ich hab es nach weiteren mehrmaligen Anläufen auch geschafft. Ich fühlte mich großartig.
Nun denn, das sind so kleine Kindheitsabenteuer. Später im Leben sind die Stürze, abgesehen von den körperlichen, anderer Art gewesen. Falsche Arbeit gewählt, falsche Freunde gehabt, falsche Orientierungen in Richtung ideologischer Gemeinschaften. Es folgte immer ein innerlicher Absturz, Enttäuschungen, die hart an der Grenze der Lähmung waren. Ratlosigkeit, wie sollte es weitergehn.
Gott sei Dank hab ich mich nie beirren lassen, bin einfach aufgestanden, hab verarbeitet, mich versöhnt und nach neuen Wegen gesucht. Glückes Geschick, es ist mir immer gelungen, bis jetzt.
So macht es auch wohl unsere Britney, die Spears. Was haben wir nicht alles über sie in der Boulevardpresse mitbekommen. Kleine und größere Halbwahrheiten, aber die Sensationslust der Menschen, das Interesse an Personen, die im öffentlichen Leben stehen, gerade wenn sie in so jungen Jahren von Erfolg gekrönt sind, wobei man geteilter Meinung sein kann, ob der Erfolg gerechtfertigt ist, ist eben schon immer groß gewesen. Wie geht so ein Mensch mit seinem Erfolg um? Nun, wir wissen alle, so die Presse uns ihre Wahrheiten über sie verkauft hat, sie ist gescheitert, gefallen, nicht einmal, sondern mehrmals. Hat sich zu jung in eine Ehe gestürzt, Kinder bekommen, um die sie sich nicht gekümmert haben soll, so dass die Behörden einschreiten mußten. Man hat sie ihr weggenommen, sie hat sich in Alkohol-Drogen- und Partyekzesse fallen lassen, hat nach Menschen gesucht, die ihr wirklich Freunde waren und ist noch tiefer gefallen. Kein Mensch fragte mehr nach Britney. Ihre Songs, die sie zur Millionärin gemacht haben, verschlungen von der Jugend, weiblich wie männlich, waren in Vergessenheit geraten, neue scheiterten, wohl auch wegen ihrer privaten Abtürze. Welche Jugendlicher träumte damals nicht von Britney. Die Mädchen wollten aussehen wie sie, die Jungen dachten an nichts anderes, wie einmal mit einem Mädchen wie Britney, naja, sie wissen schon.
So sind die Jahre vergangen und niemand glaubte wohl mehr an ein Comeback der jungen Dame. Und nun? Heute Abend werden wir also miterleben dürfen, wie die junge Frau, gestürzt, gefallen und wieder aufgestanden, tatsächlich auferstanden ist und ihrem Bild der Popikone wieder gerecht wird. Denn heute Abend wird ihr der älteste Medienpreis Deutschlands verliehen, der Bambi. Und! Jetzt kommt das Unglaubliche! Für ihr neues Album, in dem sie in ihren Songs alle Skandale, alle Abrutscher ins Bodenlose, alle Versäumnisse, Erkenntnisse und Wiedergutmachungen verarbeitet.
Man kann jetzt darüber ebenfalls geteilter Meinung sein, ob es grenzüberschreitend oder würdelos ist. Aber, und ich sag das jetzt mal vorweg, mich hat Britney eigentlich herzlich wenig interessiert, ihre Musik sowieso, sie ist doch nur ein Beispiel dafür, dass es nach Absturz eigentlich nur ein Aufstehen geben kann. Dass man die Kraft haben muß, einzugestehen und es neu zu versuchen. Sicher, sie hat es leichter gehabt, als so mancher, ihr Name, den sie sich in der Vergangenheit gemacht hatte, half ihr dabei. Aber sie ist wieder da, wo sie aufgehört hat.
Ich hab das Album nicht gehört, aber es soll erfrischend hübsch sein, wie der Artikelschreiber im KSTA heute Morgen berichtete, wohlverdient, wie er meint.
Nun, ob verdient oder nicht verdient, aufgrund ihrer musikalischen Kreativität, jedoch eins hat sie bewiesen, dass es weitergeht, wenn man aufsteht.
So schließe ich diesen Beitrag mit einem Spruch von Friederich Hebel:
Was hat man nach einem Fall zu tun? Was die Kinder auch tun! Aufstehn!
Mehr nicht!
