Ich schreibe einfach gern:)
Was für ein lustiger Anfang des Tages. Nachdem ich kurz in den Blog geschaut habe, schwinge ich mich mal wieder auf´s Rad und fahre Richtung Zentrale des Glücks. Termin 11.oo Uhr! Die Sonne scheint, sie blendet und versperrt teilweise die Sicht. Aber schön ist es, trotz dass die Luft feucht und kalt ist. Was für ein Tag! Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, jedenfalls, alle sind zuvorkommend, freundlich, geben mir Vorfahrt, auch an Stellen, wo es eigentlich nicht nötig wäre. Ich bin zufrieden. Das ist schön.
Während mein iPod läuft, der Wind mir um die Nase weht, wehen meine Gedanken durch den Kopf. Sie rasen in einer Geschwindigkeit, dass ich sie nicht aufhalten kann. Gedanken um das Thema Säure. Nun, ich will keinen wissenschaftlich-biologischen Vortrag über Säure halten, dazu bin ich jetzt zu faul, da müßte ich ja googlen. Dennoch, wissen wir, Säure kann positiv und negative Auswirkungen haben, je nachdem. Einem Menschen, dem man Säure ins Gesicht oder andere Körperteile spritzt, wird ewig an den Folgen zu leiden haben. Manchmal hilft nur Transplatation. Schlimm. Menschen, die mit Säure arbeiten, helfen sich, tragen zum Schutz, spezielle Kleidung, zur Abwehr, falls...mal was passieren sollte.
Also! Wieso ich auf Säure komme? Nun! Es gibt auch eine andere, nicht sichtbare, fass- und greifbare Säure, die "Moralinsäure!"
Ich kenne sie zu genüge. Ich beobachte sie jeden und jeden Tag. Es passieren Dinge auf der Welt, die wir negieren wollen, die wir lieber nicht sehen wollen. Menschen werden zu Mördern, Betrügern, Dieben, Lügnern....und unsere Gesetze, unser Gewissen und unsere Moral sagt uns genau, was richtig und verkehrt ist. Nun..dennoch spielt die Entwicklung des Menschen, seine Lebensgeschichte, eine Rolle dabei, wie er damit umgeht, ob er sie einhalten kann und warum nicht. Es gibt Geschehenisse, die das begünstigen. Es gibt Momente der Schwäche, der Absichtslosigkeit, des Vergessens und der Uneinsichtigkeit. So ist das. All das führt zu den entsprechenden Taten, die ich aufgezählt habe.
Ist es nicht so, nicht, die unglückliche Tat, die wir begehen, verschlechtert den Zustand der Welt. Denn, jedem könnte es passieren, je nachdem, in welcher Situation er sich befindet. Nein.. was die Welt nicht verändert, ist die Haltung der vermeintlich Guten, die mit dem Zeigefinger ihre Moralinsäure auf die vermeintlich Bösen zeigen. Du bist schlecht.. ich bin der Gute, nur weil ich bisher in meinem Leben einen ähnlichen Fehltritt nicht vorweisen kann. Und? Wer sagt denn, dass es nicht irgendwann, auch einmal den Guten treffen kann. Wer weiß denn, dass er sich immer und in jeder Minute seines Lebens unter Kontrolle haben kann. Und wenn..glücklich der, der es schafft.
Es ist die Moralinsäure, mit der wir täglich auf die anderen spritzen, sie verurteilen uns zum Gott Ihrer Taten machen wollen. Dabei geht es mir nicht darum zu entschuldigen. Natürlich muß es Grenzen, Konsequenzen geben, die wir setzen. Das ist aber auch alles.
Jedenfalls denke ich, wenn ein Mensch einem anderen etwas Böses tut, dann wird es schmerzen. Es kann ein schweres Schicksal verursachen. Dennoch, wenn wir die Gelegenheit haben und einen guten Geist, dann könnten wir auf ihn zugehen, mit ihm reden, ihn fragen und hören, wie er dazu gekommen ist. Das hilft vielleicht dann, sich zu versöhnen, ihm zu vergeben. Die Tag wird damit nicht aufgehoben. Sie wird das Leben beider, des Täters und des Opfers, ein Leben lang begleiten. Aber möglicherweise wird durch das Nichtverspritzen von Moralinsäure der Boden genährt, dass es nicht wieder passiert. Bleiben wir beim Spritzen der Säure auf andere, drängen wir sie immer mehr ins Abseits, in die Außenseiterrolle und sie kommen da niemals heraus, werden nicht die Möglichkeit bekommen, eine ganz andere Sicht der Dinge zu haben.
Ja, das waren all meine Gedanken, die ich während der Fahrt hatte. Gegen 10.55 Uhr komme ich bei der Zentrale an. Ein Mann wartet zur gleichen Zeit. Ich denke noch, oh, zwei zur gleichen Zeit bestellt. Hm, was ist das jetzt. Frag ihn, den Mann, wann er seinen Termin hat. 11.00 Uhr sagt er mir. Aha, stelle ich fest, ich auch. Das kann ja nicht sein! Fragezeichen in Richtung des Sachbearbeiters. Da fällt mir ein, was für ein Datum haben wir heute? Der 15.01.! Na dann...Ein Lächeln, mal wieder:-), über mein Gesicht, so was, nein und jetzt guckt der andere mich verständnislos an, weil ich laut herauslache. So was, ich hab mich im Tag vertan. Ich bin am 16.01. dran:-) Ziehe meinen Mantel wieder an, setze meinen iPod wieder auf die Ohren, schwinge mich auf´s Rad und fahre im Sonnenlicht wieder nach Hause.
Die Sonne wirft meinen Schatten, das ist lustig. Der Schatten ist ständig da, mal rechts, mal links, mal vorne, mal hinten, je nachdem, wie ich die Richtung wechsle. Er bleibt, er ist treu.
Wir haben alle einen Schatten, der uns begleitet. Passen wir also auf ihn auf und suchen nicht nach den Schatten der Anderen.
An einer Ampel bleib ich stehen, ein älterer Herr steht ebenfalls mit dem Rädle neben mir, wir schauen uns an im Sonnenlicht." Ist das nicht ein schöner Tag heute", frag ich ihn. "Aber sicher", meint auch er und fröhlich ziehen wir weiter.
Was für ein Tag, heute! Schön!