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Zeiten der Aufruhr

Vielleicht handeln die Geschichten, die sich um die Personen von Richard Yates drehen vom Scheitern, weil er selbst im Leben gescheitert ist. Jedenfalls sind seine Romane wenig beachtet worden zu seinen Lebzeiten. Erst nach seinem Tode ist er zu der Anerkennung gekommen, die seinen Werken gebührt.

Nun ist der Roman "Zeiten der Aufruhr" verfilmt worden. Ich hab ihn gesehen.  Und ich bin immer noch ergriffen. Vom Inhalt und von den herausragenden schauspielerischen Leistung der Kathe Winslet und Leonardo diCaprio. Als ich gestern mit Zabione aus dem Kino kam, konnte ich nichts mehr sagen. Das geht mir immer so bei Filmen, die mich noch lange danach  beschäftigen. Ich verstumme.

Kathe Winslet hat für diesen FIlm einen Golden Globe bekommen, natürlich zu Recht, endlich mal. Die Beiden, Winslet und diCaprio hat man eigentlich immer nur mit der Titanic-Verfilmung in Verbindung gebracht. Und irgendwo hab ich gelesen, wahrscheinlich wäre es mit den beiden Liebenden aus der Titanic-Verfilmung soweit gekommen, wie im Film "Zeiten der Aufruhr" dargestellten Lebenssituation.

Nun denn....Der Film.....Er erzählt die Geschichte zweier junger Liebenden, die sich zu einem Zeitpunkt kennenlernen, an dem sie voller Träume und Ideale sind. Niemals ein Leben führen, wie es ihnen ihre Eltern vorgelebt haben und wie es die damalige, in den 50er-Jahren gefällige Gesellschaftskonventionen ihnen vorschreiben wollte.

Sie heiraten. Mitten in der Szene fällt mir der Satz auf:" Und dann sitzt man in der Falle!"....Ungeheuerlich, dieser Satz. Eine Ehe, die geschlossen wird, mit einer Falle zu vergleichen. Aber so, wie sich das Leben der Beiden entwickelt, ist es tatsächlich so. Winslet schwanger, Pille war ja noch nicht angesagt zu der damaligen Zeit, sind beide gewzungen, ein Haus zu kaufen, das sie in einer typischen amerikanischen Vorstadt-Siedlung finden. Alles fein, adrett, bürgerlich...von außen gesehen erstmal nett.....

Sie versuchen, dort ihr gemeinsames Leben zu finden. Auf das erste Kind, folgt das zweite. Aber sie bleiben unglücklich. Sie, die sich anderes erträumte, als in einer Vorstadt-Idylle Hausfrau und Mutter zu sein. Sie erträgt das tägliche Einerlei nicht...sie hat mehr Erwartungen an das Leben... Er, in die Fußstapfen seines Vaters getreten, in der selben Firma arbeitend, hat keine Freude an seiner Tätigkeit.... Die Schauspieler zeigen in für mich großartiger Weise die Gefühlswelten, in denen sie verstrickt sind. Es braucht nicht viel, um die Widersprüche in ihrem tiefsten Inneren zu erkennen. Sie kämpfen um ihre Liebe.. um ihr Leben...Beide wissen nicht wie sie das, was ihnen verloren gegangen ist, wiederfinden sollen...Bis Winslet vorschlägt, dass ihr Mann seinen Traum leben soll. Sie schlägt ihm vor, nach Paris auszuwandern, dort endlich das Leben zu führen, dass sie immer gewollt haben. Scheinbar die Wende. Doch dann kommt alles anders..

Der Film spricht für mich in einzigartiger Weise die Verstrickungen einer Ehe an, zu denen es kommen kann, wenn ein Zwang besteht, ein Leben zu führen, von dem jeder eine andere Vorstellung hat. Er zeigt, wie schwer es war, damals sich abzusetzen von den gesellschaftlichen Konventionen, Erwartungen, die das Umfeld einem aufzwingt. Unglaublich diese Bilder der Ehen, die gezeigt werden, die Gleichgültigkeit, die sich irgendwann dann einstellt, das Nebenherleben, das Ignorieren der Wünsche des anderen und das Aufrechterhalten einer Fassade nach außen, die sogar stimmig ist. Jeder glaubt, man sei glücklich. Aber hinter den Fassaden sind die Seelen gestorben. Der Eine findet sich ab...der andere revoltiert...Manch einer kann sich retten...der andere stirbt, wenn auch nicht körperlich, so doch geistig und seelisch. Es scheint auf die Kraft anzukommen, durchzuhalten, aufrecht zu erhalten, was man einmal begonnen hat.

Man sitzt in einer Falle! Wie wahr! Mir hat sich die Frage gestellt, sitzt man nicht immer in irgendwelchen Fallen im Leben. Und wie kann man sich daraus befreien? Und welche Folgen zieht die Befreiung nach sich. Für mich beeindruckend die Rolle des psychisch erkrankten Mannes, der von den Whelers, so die Beiden, Winslet und di Caprio, immer wieder eingeladen wird, auf Wunsch seiner Eltern, die dem Sohn Kommunikation und Freunde vermitteln wollen. Unglaubliche Szenen, wenn alle am Tisch versammelt sind und der vermeintlich psychisch Kranke die Wahrheiten einfach ausspricht, hinter denen sich alle anderen verstecken, sie nur denken und fühlen, aber niemals zugeben würden. Man bekommt eine andere Wahrnehmung psychisch Kranker. Denn eigentlich stellt dieser Mensch nur dar, dass er mit dieser Verlogenheit in der Welt nicht zurecht kommt. Und es entsteht, beim Reflektieren des Films der Eindruck, als sei nicht er der Kranke, sondern der ganze Rest der Menschen, die sich um ihn versammeln. Und wahrlich, so ist es. Es sind Menschen, die nah bei sich selber sind, die leben wollen, was ihnen nicht gestatet wird und so enden sie irgendwann, weil sie es nicht aushalten, diese Welt, diese Verlogenheit, dieses Vorbeileben an sich selber, in der Irrenanstalt.

Aber wie kann man sich befreien, auch heute noch, aus diesen den Menschen aufgedrückten Versklavungen der Gesellschaft, aus ihren gemachten Gesetzen von ewiger Treue, Angepaßtheit und Sicherheiten, wenn man nicht als Außenseiter scheitern will. Denn in den Augen der Welt scheint doch jeder ein Gescheiteter zu sein, der das alles nicht mit macht. Heirat, Kinder, Familie, Arbeit um der Sicherung des ganzen wegen, aus der man keinen Weg heraussieht, oder gar mit seiner Familie ganz andere Wege geht, in Kauf nimmt, das eben nicht alles in einem Trott endet, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, um glücklich zu werden.

Ich kann diesen Film nur unbedingt empfehlen. Die Schlußszene ist für mich bezeichnend und mehr als alles andere aussagekräftig, was geschieht, mit den Ehen, wo man sich arrangiert hat, nach Jahren,,,,sich angepaßt hat, dem Willen des anderen unterworfen hat.....Will man so leben?..Mit hat der Film ein wenig die Kehle zugeschnürt, zum einen über das, was passiert mit den Beiden..aber auch, was ich am Ende bei dem älteren Ehepaar wahrgenommen habe.

Und es geht nicht nur um damals...es geht um heute... um unser Leben, immer noch.. um die Ehen, die man täglich sieht.....und wo auch mir manchmal der Atem wegbleibt.

Eine Ehe muß keine Falle sein....aber sie ist es oft....dafür zu kämpfen, sich daraus zu befreien... ist heute sicherlich einfacher, aber auch nicht leichter. Und auch das ganze Leben muß keine einzige große Falle sein....man kann sich Schritt um Schritt daraus befreien... Das zumindstens war für mich die Botschaft dieses Film, niemals aufzugeben....

Schaut ihn Euch an!

"Zeiten der Aufruhr" - Richard Yates - Ein großer Mann, obwohl gescheitert, ein großer Film - eine große schauspielerische Leistung!

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G
Guten Morgen, Erika! Ich gehöre zweifelsohne zu den psychisch Kranken = und ich BRAUCHE die Wahrheit, um "leben" zu können ... all die Lügen um mich herum, haben mit dazu beigetragen, dass ich krank geworden bin!!! Ich WEISS, dass ich als Kind DIE Wahrheit gesagt habe - diese hat man versucht, mir mit Lügen zu NEHMEN!!!<br /> <br /> Ich sage immer: wer mit meiner Ehrlichkeit nicht umgehen kann, wird auch NIEMALS ehrlich zu mir sein!!! Und das wahre Gesicht zeigen die Meisten erst im Streit!<br /> <br /> Ich wünsche Dir ganz viel ehrliche Menschen!!! Lieben Gruß, Claudia
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M
Hallo Erika, Deine Beschreibung liest sich wirklich interessant. Klar gibt es diese Zwänge heute immer noch, ich glaube sogar das es schlimmer geworden ist, jedenfalls mit dem Schein nach aussen und dem streben nach Anerkennung und materiellen Werten.Erika, wenn Du auf meinem Blog einen Kommentar abgeben möchtest, gibst Du den Text ein, unter dem Textfeld, kannst Du da wo Mondblume als Autor steht, klicken und unter NAME/URL kannst Du Deinen Namen und wenn Du möchtest die Adresse Deines Blogs angeben, dann klickst Du auf Kommentar erstellen und weg ist er, ich hab mich aber über alle Kommentare gefreut...Lieber Gruß Regina
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