Ich schreibe einfach gern:)
Gut, ich bin eine Kämpferin, das war schon immer so. Das Leben ist Kampf ist meine Devise... Und einfach war es nicht immer. So manchen Sieg hab ich davon getragen, aber auch so manchen Kampf verloren. Aber, wie sagte Obama neulich, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das Risiko gehört dazu.
Jedenfalls, Kampf gut und schön... nur manchmal, da gibt es ja auch Momente, wo man einfach mal Ruhe haben will, einen Cappuccino, ein bißchen Sonne, einen gemütlichen Stuhl irgendwo, in einem Cafe oder auf der Terrasse und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen möchte. Der Sonntag bietet sich ja auch geradezu an, sich zu erholen, vom täglichen Alltagskampf gegen unleidige Kollegen, Nachbarn, das Finanzamt, den Knöllchenjägern und was sich sonst so einem noch in den Weg stellt.
Jedenfalls, dass will ich mal sagen, zum Ruhetag gehört bei mir immer das wöchentliche ausführliche Zeitungslesen. Damit das klar ist, beim Lesen will ich nicht gestört werden und kämpfen schon mal gar nicht.
Aber heute, da ist es mir aufgefallen...Zeitungen lassen einem nicht wirklich Raum, sie in Ruhe zu lesen...sie fordern einen doch tatsächlich heraus.
So sitze ich also in meinem Lieblingsstuhl in der Mittagssonne, die war ja schnell wieder fott, und muß doch tatsächlich mit dieser überdimensionalen Ausgabe meiner Lieblings-Wochenzeitung, der Zeit, kämpfen.
Es ist doch verdammt nicht möglich, sie in der Breite zu halten, ohne dass nicht ständig der Innenteil wegknickt, ich verzweifelt versuche, wieder alles zusammenzubekommen. Hab ich es geschafft, rutsch sie mir runter. Verdammt...wo war ich stehengeblieben beim Lesen....wieder neu anfangen. Puh....ich hab es doch tatsächlich geschafft, einen Artikel zu lesen...
Jetzt kommt das Umblättern. Wieso sind die Seiten so verdammt dünn und fragil....genau in dem Moment, ich halte die gesamte Zeitung, will umblättern, da knickt der gesamte weitere folgende Teil nach unten, direkt auf den vor mir stehenden Sahnekuchen und eine Ecke meiner Lieblingszeitung taucht in meinen duftenden Cappuccino. Ich kämpfe wie eine Weltmeisterin, versuche die Sahne von den Blättern zu wischen, was zur Folge hat, dass ein Teil davon auf meinen Rock fällt. Damit beschäftigt, die Krümel von meinem Rock zu wischen, mit einer Hand die Zeitung haltend, mit einer Hand über den Rock fahrend, fällt mir die Zeitung insgesamt aus der Hand, zerfällt in alle Einzelteile und ich merke, wie mir der Hals schwillt;-) so was....
Auf dem Boden kniend suche ich die Reste meiner Zeitung wieder zusammen und beginne das Procedere von neuem. Ach, ich habs geschafft, endlich, die nächste Seite.... Während ich so sitze und lese, meinen Kopf mal nach oben, mal nach unten senkend, damit ich lesen kann, was ganz oben steht oder ganz unten, bemerke ich nicht, wie mein Nachbar schmunzelnd auf der Terrasse steht und mir zuschaut.... Irgendwann heb ich meinen Blick und schau ihn an.
Was lachst Du so...frag ich ihn.. Ach, sagt er, es ist einfach nett, Dir zuzuschaun beim Zeitungslesen. Sieht aus, als wenn du mit der Zeitung kämpfst. Dösbaddel, sag ich zu ihm.... und versuche die Zeitung ordentlich zusammenzufalten, was ein mittelschwerer Akt ist und lege sie sorgfältig neben dem leeren Teler, auf dem sich vor kurzem noch die Sahnetorte befand und vertiefe mich in ein Gespräch mit ihm über den gerade gelesenen Artikel von Roger Willemsen, der über eine thailändische Pathologin berichtet, die sich im Kampf gegen Korruption und Gewalt in Thailand behaupten muß...
Ich frag mich nun, warum müssen Zeitungen eigentlich so überdimensional groß sein, das Papier so dünn, dass die Seiten wegknicken. Gut... ist sicher ein wirtschaftlicher Aspekt, die Herstellungskosten und so.... Aber ganz klammheimlich frage ich mich, ist es nicht vielleicht auch ein bißchen Psychologie? So nach dem Motto, große Zeitung vermittelt dem Leser, dass er wirklich etwas sehr Wichtiges und Gehaltvolles liest. Ich meine, wegen mir könnte das ganze auch kleiner sein.
Dieser Kampf mit der Zeitung am Sonntag paßt sogar nicht in mein Ruheschema. Wenigstens beim Zeitungslesen will ich mal nicht kämpfen und schon gar nicht mit der Zeitung;-)))
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