Heute Morgen bei der Lektüre eines Artikels im KSTA kam mir die Idee. Vielleicht... Ja, vielleicht sollten Medien des öfteren davon berichten, was Kirche eigentlich zu leisten im Stande ist, wo ihre Schwerpunkte sind und wo die Mission der einfachen Gläubigen liegt, die sie aus ihrer Überzeugung und aus ihrem Glauben nähren.
Ja, vielleicht... Denn... natürlich es ist unbestreitbar, Kirche, also Menschen die zu den Repräsentanten der Kirche gehörten und gehören, haben vieles aus dem Ruder laufen lassen. Vieles ist anklagbar immer noch, auch aus der Geschichte heraus, manches hat sich nicht geändert. Vieles kommt aber auch fälschlich rüber. Was bleibt sind dann Urteile beim Leser, ohne wirklich über den Hintergrund bescheid zu wissen. Aber selbst wenn man mehr weiß, man muß nicht für Kirche sein, aber man muß auch nicht gegen Kirche sein.
Wie alle religiösen, ideoligoschen und politischen Parteien, Organisationen und Vereinigungen haben alle ihre Vor- und Nachzüge. Und gerade Kirche "von unten", also will sagen, gemacht von Menschen, die sich doch ebenfalls innerhalb ihrer Kirche auflehnen gegen die Oberen, gegen Stillstand der Entwicklung innerhalb der Kirche, gegen Dummheit und Ignoranz, zeigen doch um so mehr, was Kirche und Glauben für sie eigentlich bedeutet.
Das sieht man sehr deutlich an der seit Jahren bestehenden Gemeinschaft der "Emmaus-Brüder!" Dierses Jahr ist die Gemeinschaft der "Emmaus-Brüder" 5o Jahre alt geworden. Grund genug zu einer kleinen Feier, die sie imDomforum abhielten. Es ist ein paar Tage her, als ich den Hinweis auf die Feierlichkeiten im KSTA las. Willi Does beschrieb in einem Gespräch Anliegen und soziales Engagement ihrer Gemeinschaft. Menschen helfen, die einen "Lebensunfall" erlitten haben.
Dieses Wort hat mich heute Morgen regelrecht angesprungen. "Lebensunfall"...so kann man das sehen, wenn man will, ohne Urteile, Verurteilungen und Vorurteilen. Die Emmaus-Gemeinschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, für Menschen da zu sein, ihnen zu helfen, deren leben aus dem Ruder gelaufen ist. Das kann viele Ursachen haben. Es geht schnell, das Sinken eines Schiffes, wenn es denn dann einmal attackiert wurde. Konkurs, Arbeitslosigkeit, Tod eines Partners, schlechte soziale Absicherung aufgrund schlechter Lebensgeschichte und Erkenntnis. Wen interessiert das heute noch in unserer Gesellschaft. Der der fällt, wird liegen gelassen, zumeist noch auf ihm rumgetrampelt und irgendwann ergibt man sich.
Die Emmaus-Gemeinschaft finanziert sich zum Teil aus Spenden, aus staatlichen Zuschüssen und aus dem Verkauf ihres Kleider-und Möbellagers. Schon 1959 starteten kathloische Jugendliche in Ehrenfeld eine Sammelaktion von Mobiliar und Kleidungsstücken, die für einige nichts mehr Wert schienen und unterstützten aus dem Erlös andere Existenzen, deren Leben sie damit rechneten.
So verfährt die Emmaus-Gemeinschaft auch noch heute. Hier bei uns in Nippes gibt es einen kleinen Laden, eine Niederlassung sozusagen, dieser Emmaus-Gemeinschaft. Ich kenne einige der Aktiven dort. Schon seit zig Jahren geben sie ihre ganze Freizeit und Kraft in diese Gemeinschaft, halten Suppenküchen für die Obdachlosen am Appellhofplatz ab, unterstüzen Not da, wo sie ihnen bekannt wird.
Und daher kam mir der Gedanke, vielleicht... ja, vielleicht sollten Medien einmal öfters über soziales und menschliches Engagement von Menschen, die die Kraft für ihre Arbeit aus ihrem Glauben und ihrer kirchlichen Zugehörigkeit beziehen, berichten, damit der geneigte leser auch einmal ander Dinge erfährt, als das, was sonst so auf Ablehnung gegenüber Kirche und den menschen, die sich ihr zugehörig fühlen, so durch den Äther schwingt. Nur so eine Idee.:-)
Die Emmaus-Brüder haben 5o-järhiges gefeiert. Zu recht dürfen sie sich freuen und auch ein wenig Stolz sein. Gefeiert haben sie im Domforum. Auf die Anfrage eines Reporters, welche Politiker denn zu dieser Feier eingeladen wären, antwortete Does damals im Artikel des KSTA:" Welchen Politiker denn? Angesichts der politischen Lage wüßte er nicht, welchen Politiker er einladen sollte!"
Das nenne ich konsequent und hat mich beeindruckt. Gesprochen hat auch Pfarrer Franz Meurer, bekannt ebenfalls wegen seines sozialen Engagements in Vingst-Höhenberg vor rd. 8o Zuhörern im Domforum, so heute Morgen im KSTA zu lesen. Die feier ist vorbei. Was aber noch zu sehen ist, sind Bilder eines Projekts der Emmaus-Gemeinschaft . Bilder von Menschen, die gescheitert sind und denen man geholfen hat. "Wir leben nicht mehr in einer Zeit, wo es nicht mehr selbstverständlich ist, dass der, der Arbeit sucht, auch welche findet"; so Meurer.
So auch hier schimmert der Ansatz der Emmaus-Gemeinschaft und der Menschen, die sich in ihr engagieren durch, genau diesen und anderen Lebensgestrandeten zu helfen und ihnen dennoch bei all dem leid und Unglück, dass sie, wie auch immer erlitten, haben, ihre Würde zurückzugeben.
Ich finde die Arbeit der Emmaus-Gemeinschaft und ihrer Menschen bewunderswert. Respekt!