Ich schreibe einfach gern:)
Gut! Ich geb´s zu. Es war der Titel des Buches, der mich sofort angesprochen hat. "Alle sieben Wellen!" Wie kommt man auf so einen Titel, wenn man ein Buch über eine Begegnung mit einem Menschen in der virtuellen Welt schreibt. Naja... und ein bißchen wollte ich jetzt doch auch wissen, wie es weiterggeht, mit den Beiden! Leo und Emmi! Durch ein Mißverständnis haben sich beide im Netz gefunden. Eine falsche emailadresse angegeben, schon kann es passieren, dass man mit einem wildfremden Menschen in einen Dialog kommen kann. Daraus entwickelte sich im ersten Buch Glattauers "Gut gegen Nordwind" eine amüsante virtuelle Liebesgeschichte. Nein...kein Kitsch...absolut nicht. Ich meine, beide Bücher sind keine hochgeistige Literatur, dennoch schön zu lesen und erzählen davon, was zwischen zwei Menschen geschehen kann, die sich niemals wirklich gesehen haben.
Worte haben Macht. Worte an einen Menschen gerichtet, den man gar nicht kennt, völlig neutral und unvorbelastet ist, haben eine unglaubliche Wirkung. Man weiß es ja von Briefen, die man lange mit sich rumträgt, in die man mehr eindringen kann, als in ein mal soeben ausgesprochenes Wort von Angesicht zu Angesicht. Man macht sich mehr Gedanken, als man sich zugesteht.
Jedenfalls bei Emmi und Leo passiert es, dass sie sich gegenseitig entdecken und erforschen in einem amüsant erzählten emailmäßig erzählten Stil. Es ist einfach herrlich zu verfolgen, wie sie sich hin- und her schreiben, Fragen beantworten, sich necken, versuchen, den Anderen aus der Reserve zu locken und so immer tiefer in die jeweilige Seele des Anderen einzudringen und sich immer mehr ein Bild davon machen, wie der andere lebt, was ihm fehlt, wonach er sucht...Und es kommt, wie es kommen muß.... Es ist wohl Liebe....anders kann man es nicht nennen.
Ja..sie wollen sich dann letztendlich auch einmal treffen. Der Versuch scheitert. Das Buch ist aus. Irgendwie hab ich mich geärgert, damals, beim Lesen. Ich meine, dass die Beiden nicht zusammengekommen sind. So geht es einem manchmal bei einer Geschichte. Man möchte sie anders enden lassen. Sie, Emmi hat es irgendwie vermaselt. Tritt dann den Rückzug an..sie ist ja schließlich verheiratet. Leo...ist solo....Das war´s dann also....aus die Maus...
Und dann kommt die Fortsetzung! Alle sieben Wellen! Also, wie gesagt, der Titel allein hatte mich schon angesprochen. Ich hatte vorher noch nie was über die sogenannte "siebte Welle" gehört. Hab dann mal bißchen nachgeforscht im Netz. Gefunden hab ich eine Seite, die den Roman "Papillon" beschreibt, in dem ein ehemaliger Strafgefangener erzählt, wie er von der Teufelsinsel vor der Küste Französisch-Guyanas flieht. Zuvor beobachtet er wochenlang die Wellenbewegungen. Nach langen Beobachtungen entdeckt er, dass in der Tat "jede siebte Welle" höher ist, als die anderen sechs zuvor. Das verhilft ihm dazu, sein Boot in die See hinauszubringen und aufzubrechen.
Weiter wird erklärt, dass sich statistisch gesehen der Begriff der "kennzeichnenden Wellenhöhe" definieren läßt. Die Daten werden aus der Höhe der jeweiligen Wellen errechnet. Aus dem oberen Drittel bildet man ein Mittel - also bei 100 Wellen aus den höchsten 33 Wellen. Statistisch gesehen sind so 13.5% - oder etwa jede siebte Welle - höher als dieser Wert. Eine von 100 Wellen erreicht rein rechnerisch das 1,5 fache der kennzeichnenden Wellenhöhe. Und unter 10000 Wellen findet sich statistisch eine sogenannte "Kaventsmann-Welle". Den Ausdruck kannte ich....den hab ich oft von meiner Mutter gehört, wenn sie irgendetwas Großes beschrieben hat. Man..sagte sie oft, das war ein Kaventzmann....Aber niemals hab ich gewußt, woher dieser Ausdruck stammt. Dieser Kaventsmann kann sich sogar 2,15 fach so hoch auftürmen. Wann jedoch diese Wellen kommen, ist einfach nicht zu berechnen. So die Ausführungen im Netz.
Nun fragt man sich, was hat das jetzt mit diesem Buch und der Geschichte zwischen Emmi und Leo zu tun... Wie man schon erahnt, es geht weiter zwischen den Beiden. Nachdem Emmis Mann hinter derer beiden Geheimnis ihres Schriftverkehrs über E-Mail gekommen ist und natürlich auch gemerkt hat, wie seine Emmi sich verändert hat.. nicht mehr wirklich anwesend war...Stunden im Internet zubrachte, obwohl sie vorher nie etwas damit zu tun hatte... las er irgendwann einmal ihre sämtlichen ausgedruckten E-Mails und schrieb daraufhin Leo an...
Was er ihm schrieb, verrate ich nicht, das erschließt sich in Glattauers neustem Buch. Wieder verfolgt man mit Spannung, Amüsement, Ärger, Trauer austauschende Kommunikation der Beiden. Und ja...natürlich kommt es auch zu einem erneuten Versuch eines Treffens. Dieses mal glückt es....
Wie gesagt, es ist einfach kurzweilig zu lesen, so in einem Rutsch. Und..es spricht an, weil es doch eine Frage aufwirft, die jeden immer mal wieder beschäftigt.
Kann eine Ehe ewig halten? Kann Liebe immer bestehen bleiben? Was ist, wenn man viel zu jung geheiratet hat, wie in diesem Falle Emmi, den fast 15 Jahre älteren Ehemann. Was geschieht, wenn man dann entdeckt...es paßt nicht...es hatte eigentlich noch nie gepaßt....man hatte nur gesucht... keinen Vater gehabt.....Und dann sind da die Kinder...die würden zerbrechen, wenn die Familie auseinanderginge... Und dann ist da plötzlich der...das "Du", nachdem man sich immer gesehnt hat.....
Die Geschichten der Ehen sind immer vo vielschichtig. Jede Ehe erzählt ihre eigene vom Anfang und vom Ende, vom Aushalten, Durchhalten, Durchtragen, Bleiben, Gehen, Wünschen, Sehnsüchten, Erfüllung usw.usw..
Was mir gefallen hat, war die Aussage, dass es sehr, sehr selten ist, dass ein Mensch einem anderen "alles" geben kann. Das ist wohl war. Aber wie geht man dann damit um? Unsere Moral und unsere Gesetze verbieten den Menschen auszuleben, was ihnen dann vielleicht plötzlich geschenkt wird. Der Treue gilt es treu zu bleiben. Nun... sicher ist nicht Jedem gegeben, nicht Jeder wird plötzlich vor die Tatsache gestellt, da ist jemand, da paßt es... da geht die Sehnsucht hin. Aber wenn es denn doch passiert....Wie geht man damit um...
Ich finde es einfach klasse, wie im Buch die Protagonisten mit ihrer Situation umgehen. Wie sie einen Weg finden, zu leben, was sie sich versprochen haben, ohne dem Andern zu nehmen, wonach er auch gesucht hat, was er gefunden hat und was ihn bereichert....ohne Ressentiments gegen den Anderen...frei, ohne Eifersucht, ohne das Gefühl zu haben, es wird einem etwas genommen...im Gegenteil... es wird dem anderen gegönnt...man freut sich mit ihm....
So geschieht das Unfaßbare für uns, etwas, was es sicher so gut wie nie geben wird, weil der Mensch immer Alleinanspruch auf den Partner besitzen will, weil er niemals auszuhalten bereit ist, nein, wohl nicht kann, zu teilen...weil es wohl immer so ist, dass er das mit dem Gefühl "nicht gut genug" zu sein oder einfach, weil er davon überzeugt ist...er sei doch derjenige, der einfach alles geben kann" Aber so ist es nunmal nicht....Und so leben viele Partner in Ehen oft unerfüllt, mit einer Faust in der Tasche....Nun ja... nicht immer, aber oft....Man hat sich arrangiert....was ja auch nicht falsch oder verkehtr ist, solange keiner dabei leidet.
Für die Beiden, Emmi und Leo jedenfalls endet die Geschichte mit einem Satz, den ich hier zitiere:
"Wie es mit uns weitergehen soll, Leo? - Weiter wie bisher. Wohin? - Nirgendwohin. Einfach nur weiter. Du lebst Dein Leben. Ich lebe mein Leben. Und den Rest haben wir gemeinsam"
Schön! Oder? Mir hat es gefallen. Kann man so frei sein? Kann man so schenken, ohne zu erwarten, ohne immer "alles" haben zu wollen? Wohl sehr schwer.
Schönes Buch, lohnt sich. Wie gesagt, man liest es schnell. Gerade vielleicht jetzt über die Ostertage. Morgen ist Samstag! Da lohnt sich der Weg in eine Buchhandlung!
Viel Spaß beim Lesen!
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