Ich schreibe einfach gern:)
Ich sitze mit Thomas im Auto. Wir wollen nach der Fortbildung noch in die Stadt, um gemeinsam einen schönen Geschenkkorb für unseren Teacher zusammenzustellen, natürlich im London-Shop am Neumarkt. Das Wetter ist warm, wir haben die Fenster geöffnet, hören Musik, unterhalten uns, schön ist das......
Der Verkehr zieht zähflüssig an uns vorbei, wir mittendrin.....Ich hab keine Eile, keine Hektik, alles easy:-)
Im Shop angelangt, wühlen wir uns durch das Angebot, greifen hier und da zu....was es nicht alles gibt. Unser Budget ist schnell erreicht, es geht gerade noch eine englische Garten-Illustrierte, denn unser Teacher liebt seinen Garten... Gezahlt, eingepackt und ab geht die Post.....endlich nach Hause.
Freust du Dich auf die Bewerbung morgen, fragt mich Thomas? Hm....natürlich, sag ich ihm, was sonst....Naja, meint er, so selbstverständlich ist es nicht. Schließlich eine größere Firma, bei der du dich da bewirbst. Das wird, wenn du überhaupt eine Chance hast und die Anstellung bekommst, eine andere Situation sein, wie in deinen kleinen Buchhandlungen zuvor. Viel Personal, andere Arbeitsbedingungen etc. etc. Und ja....hast Du keine Angst vor dem Leistungsdruck, dem Streß, möglicherweise Mobbingattacken... Man hört es doch immer wieder...so wie es zugeht, in den Firmen. Er selbst habe es, bevor er arbeitslos wurde, so erlebt....
Daran hab ich gar nicht gedacht, antworte ich ihm. Ich hab mir überhaupt gar keine Gedanken gemacht, wie es sein könnte, wenn.....Aber nach seinen Worten beschleicht mich doch ein mulmiges Gefühl. Ich war jetzt lange draußen.....aus der Arbeitswelt......Werd ich mich wieder behaupten können....werde ich dem Druck standhalten...ach was....erst mal abwarten und Tee trinken......noch hab ich die Stelle ja gar nicht... sind viele Mitbewerber....es ist ja schon eine Vorauswahl getroffen worden... und im Grunde weiß ich eigentlich immer noch nicht, was denn überhaupt mein Arbeitsgebiet umfaßt.....merkwürdig war das schon beim ersten Gespräch....dass sie so wenig darüber preisgegeben haben. Es war lediglich ein kurzes Beschnuppern, wie man so schön sagt.... Na dann... ich bin jetzt einfach mal gespannt.....
Ich fahre Thomas nach Hause, er wohnt unweit von mir.... Das halten wir immer so, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.. An einer Ampel auf der Niehler Straße steht ein großes Reklameschild, darauf springt mir der Satz entgegen:"Was ist DIR wichtig!".
Hast Du das gesehen, frag ich ihn. Was war das? Wofür werben die? Er weiß es nicht und ich war viel zu schnell, die Ampel sprang auf grün und was blieb, war dieser Satz:" Was ist Dir wichtig?"
Hast Du dir die Frage schon mal gestellt, frag ich Thomas. Ach herjeh, sagt er mir, weißt du, wie oft schon.....Und Du, fragt er zurück?
Ja mensch, sag ich......so aus dem Lameng......Was ist mir wirklich wichtig....Vielleicht sollte ich jetzt antworten, das Bewerbungsgespräch morgen, oder das die finanzielle Lage wieder etwas freier wird, nicht immer das Jonglieren von rechts nach links.....
Aber diese Gedanken kommen mir gar nicht......ich hab nur einen Gedanken....es ist genau dieser Moment....diese kleine Begebenheit, hier im Auto zu sitzen, zu fahren, die Luft am geöffneten Fenster zu spüren....unser Gespräch und ja, ich fühl mich wohl und gesund, allenfalls ein wenig müde......
Und genau das antworte ich ihm auch....ich glaub, ich würde morgen wieder die gleiche Antwort geben....Was mir wirklich wichtig ist.....dass ich gesund bin und lebe. Einfach leben. Egal, unter welchen Umständen, ob große oder kleine Wohnung, ob viel oder wenig Geld.....ob viel Zuwendung oder wenig.....viel Freunde oder keine......Urlaub oder keinen.....Auto oder keins......
Ich will einfach leben.....da sein.....mich freuen, egal, was kommt.....in guten und in schlechten Zeiten.....den Moment genießen.....Was ist denn sonst noch wichtig? Eigentlich nichts, oder?
Was ist wirklich wichtig?
So ein kleiner Spruch, irgendwo, an einer Ecke, auf einer Reklametafel, kann einen schon berühren, wachrütteln, einmal drüber nachzudenken......
Aber wer denkt heut noch wirklich drüber nach! Meistens sind die Menschen Sklaven ihrer Bedürfnisse, mancher Bedürfnisse, die sie eigentlich nicht wirklich brauchen....und nur meinen, sie wären wichtig.....erst wenn man mal an die Schwelle des Todes gelangt, Unfall, Krankheit, dann merkt man, das ist alles nicht so wichtig.....
Und jetzt, wo ich es so schreibe, da fällt mir doch noch ein, was mir noch wichtig ist.....Meine Kinder....das es ihnen gut geht...dass sie ebenfalls, einfach das Leben genießen ohne Anspruch auf Erfüllung all ihrer möglichen Wünsche....dass sie aus jeder Situation das zu machen vermögen, dass es ihnen gelingt, glückliche Menschen zu bleiben....
Mehr nicht....Sonst ist mir gar nichts wichtig.....bin ich jetzt verkehrt?