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Warum hast Du uns verlassen!

"Sehr geehrter Herr Koch,
 
ich hoffe, dass Sie sich wenigstens schämen.
 
Mit freundlichen Grüßen aus dem katholischen Köln
 
Navid Kermani"

 
Diese kleine Mitteilung schrieb Kermani an Herrn Koch, nachdem er ihm angeboten hatte, doch noch an einer Podiumsdiskussion im Anschluß an die Preisverleihung des Hessischen Kulturpreises 2009 teilzunehmen:
 
Kermani war für diesen Preis vorgeschlagen worden, nachdem es Probleme mit einem der vorgesehenen Preisträgern gab. Der in Frankfurt lehrende Wissenschaftler Sezgin Roland Koch erteilte den Juroren des Preises eine Absage. Er sähe sich außerstande den Preis gemeinsam mit dem Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Korn, anzunehmen, da dieser den Konflikt zwischen Israel und den Palistinensern öffentlich in einer Weise kommentiert hat, die er nicht akzeptieren könne.
 
Die Jury hat sich daraufhin für  Navid Kermani, in Köln lebender Autor mit iranischen Wurzeln, entschieden.
 
Um es vorweg zu sagen, ich hege außerordentliche Sympathien für Navid Kermani als Autor und Mensch. Gut...ich kenne ihn nicht näher, habe ihn nur einmal bei einer Lesung hier in Nippes persönlich wahrgenommen. Aber ich liebe seine Bücher. Auf ihn aufmerksam geworden bin ich durch sein Buch "Das Buch der von Neil Young Getöteten" Eine wunderbare Homage an den alten Neil Young für alle Fans. Herrlich zu lesen.
 
Gelesen habe ich weiter seine "Kurzmiteilungen" und "40 Leben". Beide Bücher haben mir außerordentlich gefallen. Sie sind dicht und menschlich, beschäftigen sich mit dem, was zwischen den Zeilen, im Hintergrund, geschieht, wenn wie z.B. in "Kurzmitteilungen" man plötzlich vor dem Tod eines Menschen steht, den man gar nicht kennt, der einen aber dennoch aus der Bahn werfen kann.
 
Nun denn...Jedenfalls man hat Kermani den Preis nicht zugestehen wollen, weil man sich auf einen Artikel in der Neuen Züricher Zeitung bezog, den die Printausgabe des KSTA heute z.T. als Auszug abgedruckt hat Warum hast Du uns verlassen
 
In diesem Artikel beschreibt Kermani seine zurückhaltende und kritische persönliche Einstellung zum Thema Glauben im Katholizismus und im Allgemeinen seine Sichtweise auf das "Kreuz", das Symbol des christlichen Glaubens schlecht hin.
 
Ich muß sagen...ich kenne ja nun schon einige seiner Haltungen und Einstellungen. Gestern noch schrieb mir jemand...Röschen...ich dachte du seist katholisch. Ja.. bin ich auch und doch wieder nicht... Ich meine...es gibt sehr vieles, womit ich nicht einverstanden bin, was ich so nicht annehmen kann. Naja.. und dann kommen die persönlichen Erfahrungen hinzu. 15 Jahre Hardcore-Weg Neokatechumenat, das prägt, dennoch ich verschweige nicht, auch Gutes erfahren zu haben, Dinge, die mich weitergebracht haben. Ich meine.. ich schmeiße nichts in Schubladen...ich sortiere....das brauche ich noch, das kann weg. So bin ich eben.
 
Jedenfalls, um auf Kermani zurückzukommen, ich teile seine Haltung zum Kreuz absolut. Ich verstehe ihn sehr. Denn.. gerade der Blick auf´s Kreuz ist eine Angelegenheit, vor dessen Anblick die Menschen lieber das Gesicht verhüllen würden. Daran ist aber grundsätzlich nicht nur die Kirche schuld, sondern natürlich auch vieler der Künstler und Erschaffer sämtlicher Skultpuren, Bilder und anderweitige Darstellungen. Diese haben nur das geschaffen, was sie selber gedacht und empfunden haben.
 
Und die Einstellung zum Kreuz kann nunmal vielfältig sein. Man kann das Kreuz als lästiges Übel, als drohendes Unheil und körper- und lebensfeindliches Symbol ansehen. So jedenfalls...hat es Kermani in seinem Leben empfunden. Nicht zu Unrecht.
 
Ehrlich gesagt...als ich jung war, muß ich ganz klar sagen, hat mir der Anblick auf das Kreuz einen Halt gegeben, ja..ich  wage zu behaupten, es hat mein Leben gerettet.. und doch hatte ich große Angst davor.
 
Die Vorstellung, dass das Leben nur Schmerz, Enttäuschung und Verlassenheit für mich vorbereitet hat, das machte mir einfach unangenehme Gefühle, auch Angst.
 
Und manche der Kirchenmänner, sei es in der kirchlichen Geschichte der Vergangenheit noch in unserem heutigen Zeitalter, tuen alles daran, um diese Vorstellungen zu füllen. Schwermütig, drohend und angstmachend immer noch oft die Botschaften, die in den Predigten ausgedrückt werden, wenig bis gar nicht, wird ein Verständnis des Kreuzes vermittelt, das lebensbejahend, das wirklich auf eine Auferstehung hinweist, das eine "frohe Botschaft" verkündet.
 
Kermani hat nichts anderes getan, als "seine persönliche" Haltung, dennoch mit Achtung und Respekt der katholischen Kirche und den Kreuzen an sich gegenüber dargestellt. Das ist zu akzeptieren und zu respektieren.
 
Wer den Link anschaut und den Artikel liest, wird aber nun auch das kleine Wunder sehen. Kermani hat nach Jahren seiner bisherigen Sichtweise auf das Kreuz  eine andere Erfahrung gemacht.
 
Dieses Wunder ist ihm passiert bei seinem Anblick auf ein Gemälde bzw. Altarbild Guido Renis in der Kirche St. Lorenzo in Lucina. Das war der Moment, wo er dachte, tatsächlich man könnte an das Kreuz glauben! *wow* Ehrlich gesagt, ich bin wirklich beeindruckt gewesen, als ich diese Zeilen las.
 
Also zum einen, weil es mich schon immer fasziniert hat, wenn Menschen plötzlich eine andere Perspektive bekommen, eine Kehrtwendung machen, es sich eingestehen können, dass sie gewisse Dinge so noch nicht gesehen haben.
 
Und die Sache mit dem Kreuz ist nunmal etwas, an dem man grundsätzlich nicht vorbeikommt. Aufgerichtet stehen sie überall in dieser Welt, als Symbol..aber letztendlich auch in den sichtbaren Geschehnissen auf dieser Welt.
 
Aber dennoch ist das Kreuz nicht das, was uns die Kirche überwiegend seit Jahrhunderten versucht einzuimpfen, dunkel, schwarz, bedrohend, einsam, verlassen und etwas, was man verpflichtet ist zu tragen, ob man will oder nicht.
 
Nein!! und nochmal nein!! Das Kreuz hat nach meiner Erfahrung eine ganz andere Botschaft und das kommt in diesem von Kermani gesehenen Bild auch sehr schön zum Ausdruck. Man sieht keinen blutüberströmten, mit Wunden verunstalteten Jesus, sondern man sieht einen unversehrten Leib, stark und kräftig, die Hände ausgebreitet, den Blick himmelwärts gerichtet. Es ist eine Jesusdarstellung die vom Tod des Menschen an sich spricht, nicht nur eines Menschen, der unter Folterungen und Gewalt leiden mußte.
 
Der Mensch steht zwischen Himmel und Erde. Das dazwischen ist sein Leben. Und der Mensch hat die Verantwortung für sein Leben. Er hat die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob er seinen Blick verfinstern lassen will, ob er gebeugt, sich unterwerfend den Dingen, die ihm entgegentreten, ohnmächtig und mit der Gewißheit leben will, letztendlich bin ich doch allein. Oder, ob er aufrechtstehend, gehend, den Blick nach oben gerichtet, dem Leben etwas entgegensetzt, auch wenn es schwer wird, auch wenn er aushalten muß, auch wenn er unschuldig ist, niemals die Hoffnung verliert und wenn er dazu in der Lage ist, die Verantwortung nicht abzuwälen..so nach dem Motto...da oben wird mann´s schon richten.
 
Nein!!! Ich glaube an die Kraft und die Stärke eines Geistes, der einem beistehen kann, das ja...aber ich glaube in erster Linie an mich selber und ich will nicht Marionette irgendeines Gottes sein, dessen Bild mir von Kirchenmännern vermittelt wird, sondern an einen Gott der mir das Leben geschenkt hat und gesagt hat..."mach was draus", egal was passiert.
 
Ich glaube ehrlich gesagt, und das sind auch meine Erfahrungen, wenn ich auf meine Lebensgeschichte zurückblicke, an ein verherrlichtes Kreuz", wenn ihr versteht was ich damit meine.
 
Verherrlicht in dem Sinne... es geschieht viel, woran wir unschuldig sind, woran wir nicht ändern können, was wir aushalten müssen, man könnte es als Kreuz bezeichnen, als Bild, als Symbol...aber dieses Kreuz bringt mich nicht um. Es macht mich nur stärker, das ist die Auferstehung, von dem das Bild des Kreuzes spricht. Das ist seine Botschaft.
 
Schlingensief hat in seinem neusten Buch "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein" sogar gewagt zu behaupten, niemals hätte Jesus diese Worte gesagt." Warum hast du mich verlassen"
 
Der Mensch will nicht verlassen sein. Er will nicht allein aushalten. Er braucht eine Hand, die ihn hält, und wenn es am Ende seines Lebens ist. Das ist richtig. Aber dennoch, den Weg des Leidens, des Sterbens, egal ob physisch oder psychisch, muß er aufrecht allein beschreiten. Und das Kreuz zeigt nichts anders, als dass es möglich ist. Das es eine Auferstehung gibt aus allen Problemen, aus allen Übeln.
 
Kermani hat nichts anderes gesagt, als seine kritische persönliche Haltung zum Kreuz niedergeschrieben, aber er hat auch von einer anderen Perspektive geschrieben, die er bekommen hat. Das verdient mehr als Achtung.
 
Und nun sich von Kirchenpräsident Steinacker vorhalten lassen zu müssen, dass sei Gotteslästerung und unterbinde jeden religiösen Dialog, halte ich schlicht und ergreifend für eines dieser Dinge, mit denen ich mich gar nicht einverstanden fühle... nein... nicht einverstanden bin...
 
Gerade Menschen wie Kermani, die sich kritisch, ernsthaft und nachvollziehbar mit Glauben, Gott und Religion auseinandersetzen, haben es nicht verdient, ausgegrenzt zu werden.
 
Ach.. ich rege mich auf...wenn einer diesen Preis verdient hätte, dann wäre es Kermani gewesen.
 
Und ihm jetzt einen Brosamen zuwerfen zu wollen, von wegen Podiumsdiskussion...ehrlich...ich hätte auch darauf verzichtet. Ein sehr schlechtes Bild für Kirche und Glaubensweitergabe, wie ich finde.
 
Und Kermani kann man nur sagen...weiter so... lassen sie sich nicht unterkriegen...

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G
Guten Morgen Röschen!<br /> Ich hoffe, bei Dir/Euch ist soweit alles okay? Hoffentlich kannst Du das Wochenende genießen - mit viel Entspannung und schönem Wetter!? Lieben Gruß, Claudia
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G
Hallo Röschen!<br /> Sorry - aber ich schaffe es momentan nicht, mir längere Artikel durchzulesen (mir geht es nicht sonderlich gut = kann mich daher kaum konzentrieren) ... nicht böse sein!<br /> <br /> Ich bin froh, dass ich nach langer Zeit mal wieder meine Blog-Runde drehen kann. Bin nun auch ENDLICH mal mit meinem neuen Blog sesshaft geworden - wenn Du magst, findest Du mich ab jetzt hier: http://www.gefangener-engel.de/<br /> <br /> Ich wünsche Dir einen guten Start in eine hoffentlich angenehme Woche! Lieben Gruß, Claudia
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