Ich schreibe einfach gern:)
Gestern wurde ich unfreiwillig Zeuge eines heftigen Streites zweier Menschen. Streit ist ja an sich keine schlimme Sache, er kann reinigenden Charakter haben und wenn die Versöhnung stimmt, ist die Luft wieder rein und man kann neu beginnen, vergeben, vergessen. So einfach ist das.
Aber....gestern...das war anders...heftiger....endgültiger.....weil folgender Satz fiel, der mein Blut hat stocken lassen, hört sich jetzt vielleicht merkwürdig an, aber es war so, es hat mir einen richtigen Stich ins Herz versetzt:"Mit Dir bin ich fertig!" Oha!
Was heißt dass denn jetzt eigentlich, hab ich mich gefragt. Nie mehr....miteinander reden....sich ansehen....sich neu bemühen....Schublade auf, rein und zu....basta aus, ende die Maus.... Die Wege haben sich getrennt....
Ich konnte natürlich nicht beurteilen, was den Menschen zu diesem Satz getrieben hat, welche Vorgeschichte sich da vielleicht über Jahre abgespielt hat....der Stich in meinem Herzen sagte:" Schade!" Ich meine....es kann ja sein, dass man nicht mehr kann, zusammen oder so. Aber nie mehr...miteinander kommunizieren nie mehr schauen, ob der andere sich verändert, oder aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit das noch Bindende pflegen?
Keine Ahnung.... Ich dachte, wieviel Enttäuschung und Erwartung muß hinter dem Menschen gestanden haben, der diesen Satz ausgesprochen hat. Oder vielleicht das festgelegte Bild von dem Anderen, dass er hatte, alt geworden, von gestern, die Spuren verwischt, die Farben ausgeblichen oder vielleicht anders rum, die Farben kräftiger geworden, die Spuren sichtbarer? Weiß mann´s? Und nun? Der Andere ist nicht mehr so, wie man ihn sich gedacht hat. Das kann schnell gehen. Innere und äußere Geschehnisse können dazu beitragen, dass der Mensch sich verändert. Veränderung ist doch erstmal positiv festzustellen. Stillstand wäre schlimmer, auch in der persönlichen Entwicklung!
Ein Veränderung in der Sichtweise des eigenen Lebens, ein Gedankenblitz, ein Licht, das einem plötzlich aufgeht oder vielleicht auch eine andere, körperliche Katasthrophe. Eine Krankheit z.B.. Eine Krankheit, wie wir alle wissen, kann einen Menschen um 180 Grad drehen. Und dann! Galt die Liebe oder die Zuneigung, die Nähe, das Wohlwollen dem Bild des Menschen? Wahrscheinlich!
Ich bin fertig mit Dir....
Dahinter steckt ja auch die Frage, die nicht mehr gestellt wird:" Wer bist Du?" Oder:" Wer bist Du jetzt?", nachdem du dich verändert hast.
Die Frage:"Wer bist DU?" wurde mir merkwürdigerweise in den letzten Tage auch dreimal gestellt. Im Netz! Ich war ehrlich gesagt überrascht! Menschen aus weiter Ferne stellen plötzlich eine solche Frage an einen selber. In meiner Musikcommunity bei Lastfm. wurde sie mir gestellt. Wie kommt man auf so was? Auf meine Anfrage, wieso, weshalb, warum, wurde mir erklärt, ja deine Musik, sie ist so vielfältig, so unberechenbar, scheinbar, alles, was es gibt, hast du da angesammelt, daher die Frage, wer bist Du? Kann man das auf Dein Leben beziehen
Ich muß sagen, ich konnte diese Frage nicht beantworten. Ich meine...ich hab schon Schwierigkeiten, wenn man gefragt wird, was zeichnet dich aus oder sage überhaupt etwas über dich selber. Da weiß ich oft gar nichts zu sagen.
Wer kann denn schon sagen, wer er ist? Ich meine....vielleicht kann ich heute ein Statement geben....Aber werde ich Morgen noch derselbe sein? Ich bin heute doch schon nicht mehr, der ich Gestern war und Morgen vielleicht nicht mehr der, der ich Heute bin.
So ist der Mensch doch eigentlich, wenn er ständig in Bewegung bleibt, immer wieder neu, oder? Es wäre doch viel besser, sich für sich selber niemals festzulegen und somit das Gegenüber auch nicht. Beziehungen zu anderen Menschen würden dadurch viel leichter und respektvoller werden, annehmender und offener. Ja... und man hat immer wieder etwas Neues zu entdecken.
Wie langweilig der Mensch, der sich festgelegt hat...so und so bin ich...das und das denke ich....so und so lebe ich... Du kannst heute ein Liberaler sein und morgen vielleicht ein Linker, heute Christ und morgen Antichrist, heute treu und morgen untreu, heute zuverlässig und morgen unzuverlässig... Kommt doch immer alles drauf an, in welcher Gefühls- und Gedankenwelt du dich gerade befindest. Nein... ich will jetzt nicht damit zum Ausdruck bringen, Werte seien alle nichtig....sich auf seine eigenen zu besinnen, sich darin zu üben, nicht jedem Impuls nachzugeben, dass halte ich schon für wichtig...aber es kann doch passieren, dass aufgrund einer innerlichen Erschütterung oder eines nicht mehr Aushaltens einer Situation, plötzlich geschieht, was man vorher nicht für möglich gehalten hat? Weiß mann´s.
Und da sitzt man dann in seiner Ecke und schaut auf die Anderen, die man ebenfalls in andere Ecken gesetzt hat. Niemand geht mehr auf den Anderen zu, kommt aus seinen Ecken nicht heraus. Aber die Welt ist nicht eckig... meine ich zumindestens. Die Welt ist rund. Und wenn man das so sieht, kann man sich eigentlich nirgendwo stoßen.
Wer so offen sein kann, für sich selber, wird wohl diesen Satz niemals einem anderen Menschen sagen:" Mit Dir bin ich fertig!". Ich jedenfalls möchte mit keinem Menschen "fertig" sein! Ich möchte immer offen bleiben, Neuanfänge suchen oder Beziehungen dann anders leben, wenn sie nicht mehr das Fundament haben, auf die sie einmal gegründet waren.
Schade...dass sich Menschen so verbarrikadieren hinter ihrem Gerüst der eigenen Bilder, dass sie sich vom Anderen gemacht haben. Kommt mir vor, wenn ich so an diesen Streit gestern denke, wie eine Knechtschaft, in der man sich selber gefangen hat.
Leben bedeutet doch auch einen Weg nicht gehen und trotzdem gehen! Hab ich gestern bei Meister Eckhart gehört. Hat mich sehr angesprochen. Weil es genau meine Lebensdivise mittlerweile geworden ist. Ich meine...dass wäre die Freiheit, die es anzustreben gilt. EInfach losgehen, sich nicht unbedingt auf ein bestimmtes Ziel ausrichten, sondern offen bleiben, für all die Möglichkeiten, die sich bieten, wenn man geht.
Aber ist wahrscheinlich schwer, so zu leben. Wahrscheinlich braucht der Mensch an sich Ecken, in denen er sich setzen kann und von denen er aus die Welt anschaun kann. Vielleicht braucht man Zugehörigkeit zu diesem oder jenem, um sich selber identifizieren zu können. Vielleicht würde es Angst machen, wenn man nirgendwo hingehört, was die Gesellschaft einem zuwirft an Möglichkeiten. Klar, es gibt ja einige.
Ich jedenfalls.....möchte frei sein....möchte einfach losgehen, ohne zu wissen, wo ich ankomme, möchte noch überrascht werden....von mir selber und vom Gegenüber....und von den Endstationen....
Wer bist Du? Ich kann keine Antwort darauf geben. Alles und Nichts.... So...wie Meister Eckhart von Gott sagt:"Gott ist alles und Nichts!" Du mußt leer werden, um dich täglich neu zu füllen...ein Übender der Schritte, die du gehst, tagtäglich.... ohne Ziel.....einfach los.... ohne sich festzulegen....Eigentlich ist doch jeder Mensch alles...Himmel und Hölle, Friede und Steit, Begehren und Askese, Gier und Genügsamkeit...kommt nur darauf an, in welcher momentanen Entwicklung er sich gerade befindet und wie weit er mit seinem Übungsweg, wenn er denn dann überhaupt an sich arbeitet, gekommen ist. Aber auch Rückfälle gibt es....
Schade....Für die Beiden....Ich bin fertig, heißt nichts anderes... als dass ich nicht mehr wissen will, wer der Andere ist... ihn mit ihm gemeinsam entdecken...zu erforschen...sich überraschen lassen....und vielleicht kann man diese Frage sowieso erst am Ende seines Lebens beantworten, in dem man zurückblickt und sagt:"Ich war das alles!" Aber dazwischen gibt es nur Entwicklung, Veränderung oder eben Stillstand.
Naja...das waren so meine kleine philosophischen Betrachtungen bei meinem heutigen Lauf über die Brücken von Köln.