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Ich schreibe einfach gern:)

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Papier waschen!

Ne..ich wär niemals auf den Gedanken gekommen, dass ich eines Tages mal kiloweise Papier waschen müßte. Was heißt müßte? Ich meine, ich habs ja freiwillig gemacht.

Schon kurze Zeit nach dem Einsturz unseres Stadtarchivs in Köln hab ich mich zu den freiwilligen Helfern gemeldet auf der angegebenen Web-Seite. Nur...niemals mehr hab ich was von den Zuständigen gehört. Na dann....dachte ich, wahrscheinlich haben sie genug Helfer. Bin ja auch nicht so qualifiziert. Obwohl, bin ja Buchhändlerin, und hab schon von Natur aus Achtung und Respekt vor dem geschriebenen Wort.  Nun denn..das eine oder andere Mal hörte ich dann auch, man hätte genug Hilfskräfte. O.k. sollte nicht sein, dachte ich mir so.

Nun las ich am Freitag den Hinweis von Userin Miss Tinkerbell, dass man auf Radio Köln einen Aufruf bezüglich nötige Helfer gemacht hatte. Ich war schon erstaunt und dachte, wieso haken die nicht bei denen nach, die sich ohnehin gemeldet hatten? Schlecht organisiert. Aber ich will nicht Vorhaltungen machen. Das ganze scheint eine Lawine von kaum zu bewältigenden Arbeiten zu sein. A bißerl chaotisch ist dass dann, so ist das eben, wie ich dann heute auch feststellen durfte.

Denn, obwohl, blöderweise, immer dann, wenn ich mich auf was freue, will sich bei mir was einnisten, ein Virus oder so was. Jedenfalls gestern war ich schon so schachmatt, dass ich mich nicht mal zu den Kölner Lichtern aufraffen konnte. So was soll vorkommen. Außerdem dachte ich, wenn das jetzt noch machst, biste Morgen nicht fit, Röschen. Und fit wollte ich sein, denn was ich verspreche, das halte ich.

Nun denn...der Morgen war dann auch nicht so doll, kopf- und virusmäßig. Na dann...dopen wir nicht alle ein klein wenig. Ich hab eingeschmissen, was es einzuschmeißen gab, von Homöopathie bis Aspirin C. Kann ja nicht schaden und rauf auf´s Rad. Es regnete Blasen, wie man so schön sagt. Der Volksmund sagt ja, dann hört´s nicht auf. Hat es dann aber doch.

Gegen 9.00 Uhr, wie verabredet traf ich am Stadtarchiv ein. Eine größere Schar von Helfern war anwesend, einige schon des öfteren dabei, andere neu und das erste Mal, wie ich selbst. Muß sagen, ein freundlicher Haufen dort. Ich meine...Gemeinschaftsarbeit für einen guten Zweck schmiedet immer zusammen. Und für´s leibliche Wohl war auch gesorgt. Es gab Frühstück und später auch Mittagessen.

Aber dann ging´s ran. Ich hab mich direktemong freiwillig für´s Spülen gemeldet. Nein.. nicht für´s Geschirrspülen. Für das Waschen von geschriebenen Wörtern und Buchstaben. Ja.. muß man echt so sagen, denn teilweise sind es nur noch einzelne Buchstaben, die man versucht zu retten. Sechs Büttchen, wie man in Kölle so schön sagt, waren dafür vorgesehen, an denen man an einer Vorrichtung die Lehm- und Matschklumpen von Papieren, Karten, Karteikarten, Dokumenten, Klassenbüchern, Zeitungen, Lohn- und Gewerbesteuerkarten, usw.usw. von denselben versuchen mußte, zu befreien. Manoman...

Die Arbeiten gehen Schrittweise, die einen buddeln aus. Zur Zeit werden die Dokumente aus dem Grundwasser geborgen, dann werden sie weitergegeben an die nächste Mannschaft die erstmal schaut, was möglicherweise überhaupt noch verwendbar ist, die wiederum legen die vorgesehenen größeren und kleineren Matschstapel, kaum noch erkenntlich teilweise, auf eine Folie, die wiederum wird von der Waschmannschaft in Empfang genommen und dann geht´s rund.

Muß sagen, ist alles ein bißchen schwierig. Die Abflußrohre der Bütten verstopfen schnell, denn es muß unglaublich viel Sand, Geröll, Steine, Matsch und Lehm von den Dokumenten befreit werden. Manches zerrinnt einem zwischen den Fingern. Zu anfangs hab ich mich kaum getraut, etwas richtig anzufassen, aus Sorge, ich zerstöre noch mehr, wie sowieso schon zerstört wurde. Aber nach einiger Zeit wird man etwas wagemutiger. Was fällt, das fällt eben.

Eine unglaubliche Sysyphus-Arbeit will ich mal sagen. Man steht und steht und wäscht und wäschtt. Wirklich, ich hab alles um mich herum vergessen. Eine wahre Meditation das ganze. Mit aller Zartheit und Respekt vor dem, was ich in den Händen hielt, hab ich Stück für Stück gerettet was zu retten war.

Buchstaben und Wörter retten, genau das ist es. Doch ich hab mich immer wieder gefragt, zwischendurch, wenn ich da so ne Gewerbesteuerkarte oder ein Klassenbuch in der Hand hatte wozu braucht die Welt das in Zukunft eigentlich. Mensch...die Dokumente waren teils 30, 40 Jahre alt. Muß ich mir das erklären können. Wer liest denn Klassenbücher von vor 30 Jahren? Ein Blick von mir, wenn ich das Glück hatte, und mal einige Passagen erkennen konnte genügte um zu denken, driß...jetzt befreist du das Buch von Steinen, die klein und fein aus den Seiten rollten und schon damals hat man dem Betreffenden Steine in den Weg gelegt und jetzt Jahre danach holst du sie aus dem Buch. Ja..ich weiß, ne merkwürdige Assoziation, aber so war´s.

Aus alten Zeitungen traten Schlagzeilen entgegen wie etwa:" Köln sympathisiert mit China!" Oder:" Hier ist kein Ort zum Morden! Na so was...denke ich, was da wohl folgen würde, an Berichterstattung, worum es da damals wohl ging? Aber meistens waren nur noch die fetten Schlagzeilen zu erkennen.

Interessant war auch, zu sehen, wie was überdauert bzw. ausgehalten hat. Dokumente, Zeitungen aus den 50ern und 60ern waren stabiler und resistenter gewesen gegen den Schmutz und Dreck, während neuere Dokumente wie ich oben schrieb, schon beim leichten Anfassen auseinanderfielen. Macht nix, sagte die fachkundige Dame, das kriegen wir alles möglicherweise wieder hin. Mit diesem neuen Computerprogram, wie bei den Stasiakten, da kann man Schritt für Schritt die Dinge wieder zusammensetzen. Na dann...Bloß! Wie gesagt, muß das eigentlich alles sein. Wozu braucht die Zukunftswelt das alles. Ich meine...sind sicher auch Perlen dabei...aber ich hab sie noch nicht gesichtet.

Kurzum...es hat mir Spaß gemacht und ich werde wieder hingehen. Bißchen hab ich dann aber auch gedacht bzw. die anderen haben es auch laut gesagt, eigentlich ist es ein Unding, die KVB hat das verbockt, die müßten jetzt eigentlich dafür sorgen, dass das alles wieder in die Reihe kommt. Aber, mann kan ja nicht warten, bis da mal Geld locker gemacht wird, dann wäre alles verrottet. Also müssen die Bürger ran. Und ich meine, es ist ein gutes Gefühl, was für die Stadt, unsere Stadt, zu tun. Für mich war es jedenfalls so.

Ehrlich gesagt, ich wäre auch brennend daran interessiert, wie es dann weitergeht mit den Dokumenten, also wie das dann funktioniert mit dem Restaurieren. Spannende Arbeit finde ich.

Also, wer noch will und kann, der melde sich beim Stadtarchiv unter der Nummer: o221-221-
 

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