Ich schreibe einfach gern:)
Ja...was ist denn eigentlich das schönste am Sommer! Eigentlich eine einfache Frage, oder?
Schon Morgens wird man mit einem Sonnenstrahl geweckt, meistens jedenfalls. Die Nacht über hat man angenehme Temperaturen, braucht das Fenster nicht zu schließen. Eigentlich sind die Nächte ja auch kurz. Wer geht schon im Sommer früh zu Bett. Man möchte eigentlich immer durchwachen. Ich jedenfalls. Die Zeit vergeht so schnell.
Ich mag sogar die Sommergewitter, wenn sie keinen allzu großen Schaden anrichten. Der Moment, diese Stimmung, wenn der Himmel sich langsam verdunkelt, von Ferne das Grollen des Donners zu hören ist, die Luft immer schwerer wird, aber dennoch warm und sanft bleibt. Die Menschen angesteckt werden von dieser Stimmung, der Körper sich schwer fühlend, am liebsten sitzen oder liegen bleiben möchte. Am schönsten auf einer Wiese mit viel Ausblick, den Himmel beobachtend, wie die Wolkenbilder sich verändern, spüren, wie mit dem heranziehenden Gewitter langsam eine frische Brise weht. Das ist für mich Sommer.
Und dann, der Moment, wo es losprasselt, warmer, klarer, erfrischender Regen. Ich jedenfalls liebe das, hab ich als Kind schon gemocht, Sommerregen. Wollte nie ins Haus. Warum auch. Man kann nicht krank werden vom Sommerregen. Ich liebe es heute noch genauso, lasse mich gern durchnässen, die Tropfen über mein Gesicht rinnen, die Hände ausbereitend, mich freifühlend. Es ist wie eine Taufe, man fühlt sich wie neu danach. Und dann ist es vorbei...und alles kann wieder neu beginnen.
Ich liebe den Sommer, weil das Leben sich mehr draußen abspielt. Gott sei Dank auch in unseren Gefilden. Die Menschen haben doch alle Sehnsucht danach, sich nicht in ihre Wohnungen zu verkriechen, sondern eisessend, Kaffee schlürfend, in den Cafes zu sitzen und es allgemein langsamer angehen zu lassen, wie gewohnt, wenn es ihnen möglich ist. Ich kann ganze Nachmittage in meinem Lieblingscafe an einem Tisch sitzend verbringen, lesend, schauend oder einfach nur den Gesprächen um mich herum lauschend. Man wird Zeuge von so vielem. Wie gestern....ein Telefonat eines jungen Mannes am Nebentisch. Der sollte Vater werden. Die Diagnose war felsenfest sicher. Und Fragen entstanden, vor allen Dingen, will man es? Oder sollte man? Es sei noch früh, jetzt könnte man noch. Gewissensbisse, Abwägungen, Freude oder Schock abwechselnd. Man wird Zeuge von so vielen menschlichen Schicksalen, ungewollt. Aber jedem scheint es egal zu sein. Man sieht sich ja nicht wieder, meistens jedenfalls.
Und ja....nicht viel anziehen. Einfach nur kurz einen Rock überstreifen, noch frisch aus der Dusche kommend, ein paar Sandalen an den Füßen, ein luftiges Shirt, aus, mehr braucht es nicht. Ich hasse es im Winter so eingepackt, verpackt sein zu müssen. Zig Lagen übereinander, wie Zwiebelschalen.
Und wie schön sind diese lauen Sommernächte. Diese Nächte bräuchten nie aufzuhören. Da möchte ich nie ins Bett gehen. Manchmal sitze ich in unserem Hinterhof-Garten, ganz allein, bei einem Glaserl Wein, sitze einfach nur so da, wenn ich Glück habe, sehe ich sogar bei anbrechender Dunkelheit ein paar Stadt-Fledermäuse, die nach Mücken jagen. Und eine Grundstille liegt in der Luft, nur ab und zu hört man Geschirrklappern aus einem der anliegenden Häuser, ein Lachen, Musik, manchmal ein Weinen von nicht einschlafen könnenden Kindern.
Irgendwann gehe ich dann aber doch, nach oben, ins Bett, aber schlafen, schlafen kann ich nicht. Diese lauen Sommernächte.....Liebende die noch durch die Straßen gehen, auf einer Bank sitzen, händchenhaltend oder Pläne schmiedend für die Zukunft. Schwüre werden geschlossen in lauen Sommernächten, Eheversprechen, Kinderwünsche ausgesprochen. All die Kinder, die dann neun Monate später geboren werden. Es wird viel geliebt in lauen Sommernächten.
Ich kann nie einschlafen..in diesen lauen Sommernächten, weil mir so viel durch den Kopf geht. Nein... keine Sorgen, kein Grübeln, eher ein sanftes Vorbeihuschen allerlei Bilder von Erlebtem, Gelebtem des Tages, Worte, die ich vernommen oder selber gesprochen habe. Sommernächte haben etwas von Ewigkeit an sich, finde ich. Sie lassen einen dahingleiten, gleich einem Schweben durch die Lüfte. In den lauen Sommernächten scheint man Abstand zu gewinnen, von allem, was einem sonst das Leben schwer macht. Alles scheint leichter zu sein.
Mit einem Lächeln auf den Lippen einschlafen, das ist Sommer für mich. Den Gedanken verdrängend, erstmal, dass das Schwere ganz von allein wiederkommt. Es kann kein ewiges Glück geben, daran glaube ich nicht. Immer wieder wird man herausgefordert im Leben durch äußerliche oder innerliche Abstürze. Es ist ein Auf- und Ab. Aber gerade das sind doch die Herausforderungen. Es wäre doch langweilig, wenn alles immer glatt verlaufen würde. Was einen nicht umbringt, macht einen nur stark, sagt der Volksmund. Recht hat er... Jede bestandene Probe läßt einen selbstbewußter, standfester werden.
Man sol dem Leiden mit einem Lächeln zuwinken las ich neulich, hat der Nietzsche gesagt, wenn ich mich nicht irre. Wie ein Akrobat, der nach vollbrachter Extremleistung seinem Zuschauer gegenüber huldvoll mit einer Handbewegung und einer Verbeugung Auf Wiedersehen sagt, wenn er hinter den Kulissen verschwindet. Genauso...soll man mit dem Schweren umgehen. Darauf balancieren, wie auf einem Drahtseil zwischen Himmel und Erde, sich beweisen,dass man es schafft und dann lächeln und verschwinden, weitergehen, sich schon wieder, obwohl es gerade vorbei ist, überstanden, auf den nächsten Akt vorbereiten.
Gedanken, die mir in lauen Sommernächten kommen und dann mit einem Lächeln einschlafen, mich geborgen fühlen, liegend, das Gefühl, eine große Hand umschließt mich, in der ich mich sicher fühle. Was kann schon geschehen? Wenn diese Hand immer da ist, die mich hält!
Ja..das ist das schönste am Sommer für mich. Die lauen Sommernächte. Ich wünsche mir noch sehr sehr viele solcher Nächte, in denen ich die Nacht durchwandern kann, gedanklich oder wirklich, durch die Straßen schlendern oder auch mit lieben Menschen im Gespräch vertief irgendwo herumsitzen kann oder nur für mich allein, still und lauschend.
Ist das jetzt merkwürdig? Ich meine, dass es keine großartigen Dinge sind. Sommernächte, draußen sein, Sommerregen, Gewitter, Leichtigkeit, Fröhlichkeit, Unbeschwertheit? Dass gar nichts Besonders geschehen muß? Es muß nur Sommer sein! Mehr nicht!
Und ja....nicht zu vergessen...Musik.....Musik hörend in lauen Sommernächten, ganz allein, den Tönen lauschend, der Botschaft... am liebsten von Liebe, Zuneigung, Freude, Zärtlichkeit. Das mag ich. Das gehört dazu. Sommernächte können so melancholisch sein. Aber diese Melancholie liebe ich!
Ich hör mal auf jetzt! Laßt uns den Sommer leben und genießen. Schnell ist er vorbei.
