Ich schreibe einfach gern:)
Ich bin Bratwoosch-Fan. Ehrlich. Obwohl..ansonsten ess ich gar nicht so gern Fleisch. Bin jetzt aber auch nicht gleich ein Vegetarier, Veganer, Makrobiotiker oder sonst was in der Richtung. Ich höre beim Essen immer darauf, was mein Körper verlangt. Merkwürdigerweise bei Bratwoosch macht er nie Zicken, mein Körper,-)
Für eine gute Bratwoosch geh ich meilenweilt. Ehrlich. Normalerweise. Da zwing ich mich selbst nach Frühschichten und wenig Schlaf dazu. Gestern saß ich nach der Frühschicht gemütlich auf einer Bank am Main, war müde bis zum Umfallen, die Beine schmerzten, der Blutdruck stieg (wegen der Rhythmusstörung des Nachtschlafes) und war kurz davor in einen komatösen Schlaf zu fallen.
Sämtliche Vorträge vom Freund meines Vertrauens schwebten an mir vorbei wie die kleinen Wolken am Himmel, die versuchten, die Menschen vor der Sonne zu schützen, nein, vielleicht wollten sie sie ihr gar nicht gönnen;-), wo sie jetzt nach dem langen Winter doch so drauf gewartet haben.
Jedenfalls...nach allen Vorträgen kam die Frage auf: Was essen wir heute?
Eine Frage die wohl die gesamte Menschheit Tag für Tag bewegt. Weil...ständig wollen wir heute Abwechslung. Einfachheit auch beim Essen ist nicht so im Mainstream gewollt. Immer ausgefallener müssen Speisen, deren Zubereitung und Servierung sein. Bäh..nicht mein Ding.
Bei Essensfragen nach Frühschichten bekomme ich meistens sofort Heißhunger. Weil...nach durchwachten und durchgearbeiteten Nächten verlangt der Körper einfach nach Essen, will sich dadurch Energie verschaffen will, die das nächtliche Arbeiten und der Schlafentzug dem Körper geraubt hat. Jedenfalls interpretiere ich das so.
Jedenfalls, Freund meines Vertrauens, auch Bratwoosch-Fan,-), schlug vor, Roeslein, Roeslein, sollen wir uns nicht vom Supermarkt unseres Vertrauens heute mal wieder eine Bratwoosch jönne, mit Salätchen, ist leicht, nicht teuer und schnell gemacht.
Ich murmelte müde und schläfrig vor mich hin, och nö, einen Abstecher jetzt auch noch, nach dem harten Morgen, das schaff ich nicht mehr. Ein Vorschlag seinerseits, mich irgendwo zwischen Römer und Main auf einer Bank zu parken, während er sich auf den Weg machen würde, um uns die allerköstlichste Bratwooscht, die Frankfurt zu bieten hat, zu besorgen, nahm ich zuerst wohlwollend auf und dachte bei mir, gut, da kannste dich in Ruhe und im Sonnenschein noch ein wenig erholen.
Aber, so geht das manchmal bei mir, gerade noch zum Umfallen todmüde, überfielen mich wieder die Lebensgeister und ich dachte, och wat, dat machen wir gemeinsam. Schließlich vier Augen sehen mehr. Und bei Bratwoosch bin ich eigen, weil...das Augen ißt ja bekanntlich mit.
Gut muß sie nämlich aussehen, die Bratwoosch. Wenn sie ausschaut wie Bratwoosch, so sagte der Freund meines Vertrauens, dann ist bei ihm schon mal alles im Lot, dann stellt sich der Heißhungher von alleine ein. Und im übrigen, er weiß Bescheid, schließlich kauft er die Bratwoosch schon seit Jahren beim selben Supermarkt seines und jetzt auch meines Vertrauens ein. Aber wirklich nur die Bratwoosch. Alles andere ist da viel zu teuer. Merkwürdigerweise gibt´s die Bratwoosch dort immer preiswert. Hm...keine Ahnung warum gerade die Bratwoosch da billiger ist und dazu auch normalerweise schmeckt wie eine echte Gourmetbratwoosch,-), obwohl ich gar nicht weiß, was so ein Gourmet für Kritierien bei einer Bratwoosch anführen würde.
Jedenfalls, gesagt, getan, wir machten uns auf den Weg, übrigens ein kleiner Umweg, ähnlich wie der Camelmann auf seiner Wanderung nur für seine Camel,-)
Angekommen, direkt zum Fleischkühlfach lagen sie da, die Bratwöösche, verlockend anzusehen, wenn auch ein wenig anders als wie sonst. Dem Freund meines Vertrauens ist das sofort aufgefallen. Aber gut, manchmal täuscht das Auge ja auch. Ich hatte sowieso meine Brille net zur Hand und vertraute insoweit erstmal dem Freund meines Vertrauens und der Bratwoosch, die ja in der Vergangenheit immer das versprochen hatte, was sie verheißen hat und womit wir auch nie schlechte Erfahrungen gemacht hatten.
Daheim angekommen, erstmal ein Nachholschläfchen. Der Freund meines Vertrauens nimmt mir nach solchen Plagereien der Frühschichten gerne mal den Dienst des Kochens ab, sowieso kann er Bratwöösche viel besser brutzeln als wie ich,-). Ich brauchte mich also nur an den Tisch zu setzen und mir das vorbereitete Bratwoosch-Dinner schmecken lassen. Die Käz war auch an, der Salat angerichtet und die Bratwoosch auf dem Teller sah aus, wie eine gute Bratwoosch eben auszusehen hat.
Ich hatte Hunger, Heißhunger, Riesenhunger und legte gleich los. Aber schon nach dem ersten Bissen rollte ich ein wenig mit den Augen, schaute de Freund meines Vertrauens ganz heimlich zu, wie er in seine Bratwoosch biß, sie sich auf der Zunge zergehen ließ und wartete ab, ob jetzt nicht ähnlich wie es mir erging, ein enttäuschtes Gefühl sich auf der Zunge breit machte, weil...sie schmeckte nicht. Nä. Aber er ließ sich nichts anmerken, schnitt, aß und kaute wie gewohnt. Bei Bratwoosch hat er einen langen Geduldsfaden. Beim Essen sowieso. Ich wollte jetzt ja auch nicht rummeckern, weil, erstens, ist er der bessere Kenner von Bratwööschen, zweitens kennt er die besagten Bratwöösche aus dem Supermarkt unseres Vertrauens schon lange bevor ich ihn kannte und drittens ist er bei Essensfragen sehr sensibel.
Ich ging also in mich, demütig vor mich hinkauend, jetzt bloß nicht die Bratwoosch niedermachen, dachte ich, aber ich konnte einfach nicht anders. Nach zwei Drittel der verspeisten Bratwoosch mußte ich die Anmerkung loslassen:" Die schmeckt wie Stöpp,-). Irgendwas stimmt nicht mit der Bratwoosch! Ob die wohl beim Herstellen irgend ein Bindungsmittel zuviel reingeschüttet hatten? Ehrlich gesagt, erst jetzt fiel mir auf, dass ich gar nicht so genau wußte, was in so eine gute Bratwoosch eigentlich alles reinkommt.
Jedenfalls, ich weiß zumindestens wie eine gute Bratwoosch schmecken muß. Sie muß leicht sein, saftig und dezent gewürzt. Auch ohne Senf muß sie schmackhaft sein. Das Würzen der Bratwoosch ist sicher für den Hersteller sein eigenes Geheimnis. Der Zubereiter muß meines Erachtens noch einen reinen Geschmack haben, net versaut durch Geschmacksverstärker, Zucker und den ganzen Kram. Aber wer hat heute schon noch einen reinen Geschmack? Die Eltern vom ollen Gerhard Polt wußten sicher genau, warum sie ihren kleinen Knirps, gerade mal fünfjährig, ihre hergestellte Bratwoosch haben abschmecken lassen. Ein Kind verfügt noch über einen reinen, unverfälschten Geschmackssinn. Meine ich auf jeden Fall.
Also, was soll ich sagen, natürlich hab ich mir auch noch die zweite für mich bestimmte Bratwoosch reingezogen, ich hatte ja schließlich Hunger. Aber nicht ohne dass ich bei jedem Bissen eine Bemerkung von wegen Stöpp und geschmacklos loslassen konnte. Und außerdem gab´s ja auch noch Salätchen. Der war lecker, frisch und köstlich und genau richtig gewürzt.
Wir haben dann das Thema Bratwoosch schnell fallen gelassen, weil ich wollte ihn, den Freund meines Vertrauens wegen der Bratwoosch nicht verstimmen. Schließlich konnte er ja auch nix dafür, dass die uns im Supermarkt unseres Vertrauens bezüglich Bratwooscht dieses Mal betrogen hatten.
Aber ich bin so´n Typ, heute Morgen, nachdem wir aufgewacht sind, konnte ich nicht anders. Nachdem wir einige Themen besprochen hatten, kam es aus meinem Mund wie aus einer Pistole geschossen:" Die Bratwoosch war driß";-) Sprach, stand auf und freute mich auf´s Frühstück,-)
Und während der Freund meines Vertrauens das Frühstück zauberte, entschied ich mich, diesen kleinen Blog über unser Bratwoosch-Erlebnis zu schreiben. Wann hatte und habe ich denn schon mal Zeit und Muße einer meiner früheren Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen und einen Blog zu schreiben. Alles hat seine Zeit. Diese kommt ganz sicher auch wieder.
Und..ich will mal was sagen. Ich fordere was! Jawoll! Nämlich das Reinheitsgebot der deutschen Bratwoosch. So! Damit ich nicht wieder so enttäuscht werde nach einem langen frühen Arbeitstag,-)