Gestern war ich im Theater. Genauer gesagt, im Theater *Der Keller* Ich liebe dieses kleine Theater und habe es schmerzlich vermißt in meinen Jahren in Frankfurt. Daher war ich an diesem Tage so voller Freude, mir das angekündigte Stück von Max Frisch *Biografie...Ein Spiel* anschauen zu können. Ich hatte mir die Karte vorbestellt. Besser ist besser. Obwohl ich dachte, das Wetter ist sommerlich, viel Besucher wird es nicht haben. Um so besser mein Gedanke, ich mag es, wenn es nicht all zu voll ist.
Am Vormittag hatte ich noch eine Tour mit dem Rad gemacht, bin dann aber in der prallen Mittagssonne nach Hause und habe eine schöne Siesta zelebriert. Es war viel zu heiß zum Weiterradeln und der Weg am Abend zum Theater umfaßte ja auch noch einmal fast 30 km mit dem Rad hin- und zurück. Das sollte mir genügen an Bewegung.
Max Frisch, ich liebe ihn und seine Bücher. Noch vor einiger Zeit habe ich mir seine Tagebücher zu Gemüte geführt und bin in sein Leben eingetaucht. Gut, alles kann sich ja gar nicht gemerkt sein. Ich kann auch nicht immer so aus dem Effeff alles gleich runter erzählen, manchmal bedarf es eine Erinnerung und dann fällt mir so dies und das ein. Ich bin und bleib halt ein kleiner Montaigne, der musste ja auch immer alles nachlesen, hat sich alles angestrichen, sein Gedächtnis war nicht so gut, alles immer ad hoc abzurufen. So gehts mir auch oft.
Auf dem Radelweg zum Theater, es war noch herrlicher Sonnenschein, die Menschen am Rhein flanierten oder saßen in den Biergärten, ging mir natürlich schon Einiges durch den Kopf. Jösses, in der Erinnerung an das Leben der eigenen Biografie als Spiel eine andere Wendung geben. Hab ich das je gemacht, so fragte ich mich unterwegs. War da mal irgendwann ein Gedanke in mir, der herausbrach in dem Sinne, hättest du doch an dieser oder jener Stelle deines Lebens anders gehandelt Roeschen. Eher vielleicht, wie wäre mein Leben verlaufen, wenn die Dinge, die von Außen auf mich zukamen, nicht geschehen wären, wie mein Unfall inm jungen Jahren oder gar, wenn ich in ein ganz anderes Elternhaus hineingeboren wäre.
Ich musste zu dem Ergebnis kommen, was zumindest die eigene Entscheidung- und Handlungstätigkeit bnbetraf, bisher ist das nicht geschehen, aber wer weiß was am Ende des Lebens mit uns passiert, kurz vor Angesicht des Todes. Ob da wohl so etwas aus einem hervorbricht. Ich werds ja dann sehen. Ich hoffe es natürlich nicht. Denn, ich glaube, ein solcher Gedanke läßt den Menschen nicht in Ruhe sterben oder gar in Zufriedenheit weiterleben. Davon bin ich überzeugt.
Ich war mal wieder viel zu früh, wie immer. Aber das macht mir ja nix aus. Das Theater "Der Keller"liegt ruhig an einer baumbewachsenen Straße und hat einen schönen Vorhof mit einer langen Sitzbank, auf der sich gemütlich niedergelassen werden kann. Am Abend sogar im Schatten, ein lauschiges Plätzchen an dem verweilt und sich die Welt ein wenig beguckt werden kann. Oder einfach, weil die Leidenschaft zum Schach einen nicht losläßt, nochmal schnell via smarthphone in die laufenden Partien geschaut, um einen Zug zu machen. Ist ja nicht schlimm, oder? Ein paar weitere Besucher kommen, es wird nicht voll, aber auch nicht zu wenige derer, das wäre ja auch schade für die Schauspieler, die sicherlich an diesem schönen Sommertag auch etwas anderes lieber getan hätten.
Es ist ja klar, dass das Theater seinen Namen daher trägt, weil es sich tatsächlich in einem Keller befindet. Daher war es fein, in die kühlen Räumlichkeiten einzutreten. Ich suchte mir einen Platz genau in der ersten Reihe vor der Bühne in dem kleinen Aufführungsraum. Ich saß da alleine. Sie haben aber Mut, sagte die junge Frau hinter mir, mit der ich vorher schon ein paar Worte gewechselt hatte, die aus Berlin kam und erst seit drei Monaten in Köln lebte und sich hier sichtlich wohl fühlte. Das würde sie sich nicht trauen, meinte sie, es könnte ja sein, dass man plötzlich mit einbezogen werden würde, hätte sie alles schon erlebt. Och, antwortete ich ihr, es gibt ja ein *nein* Jaja, sie wiederum, das müsse man aber erst mal können. Nun, entgegenete ich ihr, das hab ich gelernt, mittlerweile, hat lang gedauert, aber es funktioniert jetzt. Da lachte sie. Irgendwie, das beobachte ich oft, haben die Leuts immer Probleme, wo sie wohl ihren Platz einnehmen wollen, egal, ob im Theater, der Oper oder sonstigen Veranstaltungen. Die wuseln da immer rum, unfaßbar. Hierhin, nein dorthin oder vielleicht besser doch nach da. Ich versteh so was nicht. Ich bin da so was von zielgerichtet, ich glaub es selber manchmal nicht. Sagte ich nicht schon, was ich will, das will ich und das zieh ich auch durch. Und so wartete ich ungeduldig auf den Beginn der Vorstellung, Füße hoch auf den Rand der Bühne, es war erlaubt, und machte es mir gemütlich.
Wie wird dieses doch sehr komplexe Stück von Frisch wohl umgesetzt worden sein, so die Erwartung meinerseits. Frisch selber hatte ja die erste Aufführung damals selber boykottiert bzw. hatte sie abgeblasen, weil es zu Differenzen gekommen ist und seine Vorstellungen nicht umgesetzt wurden. Er hatte kurzerhand die Bühnenrequisiten zum Verkauf angeboten und ist aufs Land gezogen. Konsequent war er ja, der Frisch, das muss man ihm lassen. Authentisch und aufrichtig zu sich selbst, jedenfalls, sofern ihm von seinen inneren Motiven und Antrieben bewußt war, hat er gelebt, was er wollte. Das bewunderte ich an ihm.