Fragt Ihr Euch auch, nach vollendetem Tagewerk, am Abend dann, wenn Ihr zur Ruhe kommt: Was war eigentlich der schönste Moment meines Tages?
Ich schreibe bewusst nicht *der glücklichste Moment* Ich hab es meistens nicht so mit den Superlativen, obwohl es da natürlich einige zu erzählen gäbe. Ich weiß ja, dass Glück im Leben des Menschen ist reduziert, sei es für eine längere Zeitspanne oder gar für einen Moment. Ich bin ganz zufrieden, wenn keine Abstürze, körperlich oder seelisch, in das Wohlbefinden herein brechen oder gar irgendetwas von außen mich verunsichert.
Daher bin ich sehr zufrieden am Abend in der Reflexion auf das Gewesene des Tages mich am *schönsten Moment* festzuhalten, ihn zu erinnern und obwohl er vorbei ist, ihm noch mal tief in mir nachzuspüren.
Manchmal ist es auch so, bei mir jedenfalls, dass, wenn etwas geschieht, ich schon weiß, das ist der schönste Moment des Tages, obwohl er noch gar nicht vorbei ist. Das ist einfach so. So wie heute.
Nach einer Pflichterfüllung, dem Absolvieren meines Sportprogramms fuhr ich auf dem Rad Richtung nach Hause. Die Luft war herrlich frisch, die Sonne gar nicht so erbarmungslos heiß und mir kam spontan der Gedanke, ach was, was soll ich zuhause, da kennt mich ja Jeder. Fährst in den Park Roeschen, an deine Lieblingsstelle auf die Bank und vertiefst dich noch in dein angefangenes Büchlein.
Denn wisst ihr was? Es gibt außer dem wohligen Platz daheim auf dem Sofa oder dem Balkon noch einen weiteren *schönsten Platz* zum Lesen, und das ist die Parkbank an meiner Lieblingsstelle in meinem nahe gelegenen Stadtpark. Da sitze ich öfter. Nicht immer zum Lesen, manchmal auch nur zum Muße üben, gucken, staunen, auf mich wirken lassen, den Gedanken Raum und Zeit geben. All das eben, wozu ich früher nicht unbedingt immer die Zeit hatte.
Ein so herrlich friedlicher Ort, dieser Stadtpark. Gerade heute habe ich das wieder stark empfunden. Sitz ich da im Schatten, der leichte Wind lässt die Blätter von den Bäumen schwanken, fast schon eine vorherbstliche Stimmung. Ich weiß natürlich, dass es noch nicht so weit ist, mit dem Herbst. Es ist die lang anhaltende Trockenheit, die die Blätter schon verfrüht von den Bäumen sinken lässt. Aber das ist eben so. Daran können wir ja nichts ändern.
Das schöne Büchlein, in dem ich gerade lese, hat zum Thema den selbstbestimmten Tod dreier alter Männer, die sich von der Gesellschaft verabschiedet haben und sich in einem Wald drei Hütten gebaut haben. Aber vom Buch will ich gar nicht erzählen. Vielleicht, wenn ich es zu Ende gelesen habe.
Dennoch kann ich natürlich nicht verhehlen, dass, wenn ich das Büchlein für eine kurze Zeit vor mir sinken ließ, mir eigene Gedanken um meine Vergänglichkeit, dem Älterwerden und dem sich Abfinden damit, dass ich auf den Tod zuschreite, durch den Kopf gehen. Das machte mir heute keine Angst. überhaupt nicht. Es gibt natürlich schon Momente im Leben, Alltag, Tagesverlauf, wo mich der Gedanke noch ein wenig schreckt. Ich bin noch nicht soweit wohl, für immer keine Angst zu haben vor dem Unausweichlichen. Aber wie alle Entwicklungs- und Erkenntnisprozesse, geht es Schritt für Schritt und eh man sich versieht, oft unbemerkt, ist man soweit.
Entspannend ist es auch, so einfach dem Treiben um mich herum, dass heute recht spärlich daher kam, zuzusehen. Den Radlern die an mir vorbei fuhren, wohin auch immer, zur Arbeit, nach Hause, einfach so in der Gegend herum oder zu anderen Terminen. Die anderen Menschen wahrzunehmen, die ebenfalls über das Glück verfügten, so wie ich, zu diesem Zeitpunkt auf einer Parkbank sitzen zu dürfen oder denen, die mit ihren Hunden oder ihren Kindern, seien es welche, die noch nicht lange auf ihren eigenen Beinen durch die Welt spazieren oder im Kinderwagen gefahren werden.
Ich finde das so schön, so friedlich, diesen Menschen dann zuzusehen, wie sie ohne Hetze da herumwandeln.
Als ich mich gerade wieder für einige Seiten in mein Büchlein vertieft hatte, die Umwelt fast ganz vergessen, hörte ich schon wie sich Schritte auf meine Parkbank zu näherten. Ich blickte hoch und sah ein junges Ehepaar mit einem Kinderwagen. Das Kind war gar nicht mehr so klein oder so jung. Ich kann mich natürlich auch täuschen. Vielleicht war es einfach nur schon so groß für sein Alter. Es sah auf jeden Fall sehr fröhlich aus. Das Kind. Da in seinem Kinderwagen. Wie es da so thronte und von ihrem Vater geschoben wurde. Die Eltern, sahen auch ganz fröhlich aus, fast schon glücklich. Also, das ist auf jeden Fall eine glückliche Zeit, denke ich, wenn mit seinem Kind um diese Zeit durch einen friedlichen Park spazieren gegangen werden kann, keine Sorgen und Nöte irgendwas das kleine Familienglück belasten und sich ganz dem Moment des Miteinanders hingegeben werden kann.
Der Vater ulkte und spaßte mit dem kleinen Mädchen, ja es war ein Mädchen, dass es nur so gluckste vor Freude. So schön. Er redete jedoch in einer Sprache, die ich nicht verstand. Ich machte mir auch nicht weiter Gedanken über ihre Nationalität oder ihrem Kulturkreis, in dem sie beheimatet waren. Das ist nicht wichtig für mich. Vielmehr erfreute ich mich an ihrer Art wie sie miteinander umgingen und wie dem kleinen Mädchen sichtbar alle Liebe ihrer Eltern zuteil wurde. Als sie auf meiner Höhe waren, fing der Papa gar an zu singen. Laut und deutlich. Ohne Scheu, sang er seiner kleinen Tochter ein Lied vor. Das Lied kannte ich sogar. Aus früheren Zeiten. Aus einem Film mit Doris Day. Ich konnt gar nix mehr denken in dem Moment. Doch, doch den einen Gedanken hatte ich, so junge Leuts und kennen dieses Lied. Vielleicht ist es jedoch gar nicht so ungewöhnlich, weil es ein Lied ist, dass zeitlos ist und dass jeder irgendwann in seinem Leben einmal zu hören bekommt, wo auch immer.
Es handelte sich um den hübschen Song* Que sera sera. Es war so schön, so unbeschreiblich schön, wie der Vater seinem kleinen Töchterlein dieses Lied vorsang. Ich hatte regelrecht eine kleine Gänsehaut vom Mitfreuen und ich sags ehrlich, auch wenn das der ein oder andere jetzt überhaupt nicht versteht oder gar denkt, hm..bisserl übertrieben, aber es war so, mir wurde so was von warm ums Herz. Es war ein absolut schöner Moment, diese Begebenheit, die ich da miterleben durfte. Und die Freude der Eltern sprang auch auf mich über, durchdrang mich und ich lachte stillvergnügt vor mich hin, den Dreien noch noch mitsummend nachblickend.
Wahrscheinlich ist dem Vater dieser Song eingefallen, weil das Töchterlein ihn vorher mit Fragen die mit "wann wird das sein und was kommt dann* bombardiert hatte. Ich kenne das ja von meinen Kindern, als sie in dem Alter waren. Und schwups fiel dem Vater das Lied ein. Das kenne ich auch. Wenn irgendwo, irgendwas gesagt wird, erinnert mich das manchmal auch an einen Song, der genau das Thema zum Inhalt hat, worüber geredet oder wonach gefragt wurde. Ich bin son Typ.
Und worum geht es in dem Song? Da erinnert sich eine Frau daran, wie sie als kleines Mädchen ihre Mutter nach der Zukunft fragte, die sie einmal haben wird und was die Mutter darauf antwortet. Aber hört selbst:
Alle fragen nach der Zukunft. Große und kleine Menschen. Sei es bezüglich ihres eigenen kleinen Lebens oder dem großen gesellschaftlichen und politischen Werdegang in der Welt. Jedenfalls ab und an gehen die Gedanken durch den Kopf. Am Ende ist es wirklich besser zu der Erkenntnis zu gelangen, die in dem Lied auch aufgezeigt wird. Wir wissen es nicht. Es kann nur ein *Heute* geben. Und jeder Tag ist ein neues *Heute* Und Tag für Tag entwickelt sich alles, man selber, das Leben, das man lebt und die große weite Welt. So ist es. Mehr nicht.
Lassen wir uns also nicht unterkriegen von Unheilsprophezeiungen. Tun wir, was wir tun können und leben unser Leben, unseren kleinen Alltag, mit dem was uns wichtig und lieb ist.
Ach, es war richtig schade, dass die Drei so langsam entschwanden. Ich hätte dem Vater noch gern ein wenig zugehört. Nun hab ich jedoch den Ohrwurm behalten und das Geschenk des *schönsten Moment* meines Tages. Das war er und ist er auch geblieben. Den hab ich meinen geneigten Leser jetzt erzählt. Und vor dem Einschlafen heute Abend werd ich bestimmt ganz still vor mich hin singen.