Ich schreibe einfach gern:)
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Billy Cobham in Sonic Mirror und was Musik mit Menschen macht!
Wer Musik liebt und um die Wirkung auf den Menschen weiß, in jeder Hinsicht, körperlich aber auch therapeutisch auf das seelische und psychische Gleichgewicht, darf sich diesen Film nicht entgehen lassen.
Sonic Mirror, eine Produktion von Mika Kaurismäki, Bruder von Aki Kaurismäki,dessen Filme ich wegen seines Minimalismus, sehr liebe. Auch Mika bedient sich, wenn auch etwas lebendiger, dieser Gestaltungsform.
Sonnic Mirror ist ein Film sowohl über und mit Billy Cobham, einer der wohl bekanntesten Drummer der Welt. Meine erste Scheibe von ihm "Spectrum" stand lange in meinem Plattenregal und ich weiß nicht, wie oft ich sie gehört habe. Cobham hat mit allen Musikgrößen dieser Welt gespielt, ob mit Carlos Santana, MacLaughlins Mahavishnu Orchestra, George Benson oder Jan Hammer, ich könnte viele mehr aufzählen. Er hat aber auch alle Musikstile dieser Welt in seiner Musik verschmelzen lassen, vielseitig, erprobend, fantasievoll.
Im Film Sonic Mirror wird aber nicht seine Lebensbiographie dargestellt, sondern nur kurz angerissen, wie er zu dem wurde, was er heute ist. Wie ihn damals als kleiner Bub das Wummern der Surden und Drums in seinem Viertel in den USA in seinen Bann zog und er intuitiv die Rhythmen auf dem Blech des Autos seines Vaters, ein bekannter Konzertpianist seiner Zeit, nachspielte. Da hatte es ihn gepackt. Von da an war sein Weg vorgezeichnet.
Nie hatte er eine Antwort darauf, was er mal werden wolle. Später, als Erwachsener, hat er sich seiner Intuition, seinem Können und seinem Charisma übergeben und ist zu dem geworden, was er heute ist, einer der größten Drummer unserer Zeiten.
Das ist aber schon alles aus seinem Werdegang im Film, denn der erzählt mehr von der Möglichkeit und der Beeinflußung von Musik auf den Menschen.
Die einzige Sprache die jeder Mensch auf der Welt versteht, sagt Cobham, ist Musik. Daher ist Musik nicht nur Klang, sondern auch Kommunikation. Das hat mir gefallen. Denn wer hat nicht schon erlebt bei einem Konzert, einer Musikveranstaltung, wie Menschen, erfaßt durch Klang und Rhythmus anfangen zu tanzen, sich bewegen, sich innerlich frei machen, Blockaden aufgelöst werden und somit eine Freude und Lockerheit zu Tage tritt, die es um ein Vielfaches einfacher macht, mit dem anderen ins Gespräch zu kommen. Ich jedenfalls schon tausende von Malen.
Im Film sehen wir Cobham in Finnland auf dem Espoo-Festival mit der Espoo-Bigband spielen, berauschende Drumszenen. Er spielt teilweise mit vier Schlagstöcken an seinen Drums und jeweils unterschiedlichen Rhythmen, einfach nur klasse und genial. Dann wieder sehen wir ihn in Brasilien, wo er mit brasilianischen Straßenkindern drauflostrommelt. Kinder, die ähnlich wie Cobham ihr Leben mit Tanz und Musik verbringen und sich nichts anderes vorstellen können, als dass Musik ihr ganzes Leben begleiten soll.
Dann wieder sehen wir ein Therapiezentrum in der Schweiz, dass sich mit der Pflege und Förderung schwerster Autisten beschäftigt. Ein wenig hab ich beim Anschaun des Films an ein ähnliches Projekt denken müssen, dem "Rhythm is it" , der damals mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Simon Rattle gedreht wurde. Dort ging es darum, schwache, labile Menschen, in diesem Fall Jugendliche, in ein inneres Gleichgewicht zu bringen durch Tanz und Musik, ihnen Selbstbewußtsein und Stabilität zu geben.
So bewegt sich der Film immer zwischen diesen drei Schauplätzen, Finnland, Brasilien und der Schweiz mit Bildern von Menschen, die die Musik zum Leben bringt, sie geradezu heilt, von dem, was sie belastet und psychisch unstabil hält. Auch ganz beeindruckende Aufnahmen, für mich jedenfalls, weil ich an diesem Ort schon einmal war, im Goetheanum in Dornach.
Am Ende des Films ist alles ein einziger Rausch von Klängen, Rhythmen und Bewegung. Die Espoo-Band in Finnland, die Male-Musikgruppe in Brasilien, die übrigens aus vielen tausenden von Mitgliedern besteht und die sich auch durch ihre Musik gesellschaftlich einbringt und auf Mißstände hinweisen will und dem Schweizer Therapiezentrum. Es ist unglaublich bewegend, wie am Ende die Autisten sich von der Musik ergreifen lassen und wie der Drum ihre Seele bewegt und sie anfangen aus dem tiefsten Inneren heraus ihre Körper zu bewegen, wie aus einem Urinstinkt heraus. Denn es stimmt doch, Menschsein heißt in Bewegung sein, in Aktivität mit der Welt und dem Gegenüber zu sein, sei es verbal oder nonverbal. Es gibt beide Kommunikationsmöglichkeiten.
So ist dieser Film keine Biographie Billy Cobhams, sondern ein Dokumentarfilm über die Kraft und Energie von Musik. Ein Erlebnis.