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Sansibar oder der letzte Grund - Alfred Andersch -

Das Buch, welches ich wärmstes empfehlen möchte, ist von Alfred Andersch - Sansibar oder der letzte Grund -. War mal Schullektüre. Sollte wieder so sein, gerade jetzt!
 
Der Roman weist autobiografische Züge des Autors auf. Geschrieben wurde er von ihm im Jahre 1957. Die Handlung findet zur Zeit des Nationalsozialismus  im Jahre 1937 statt. 
 
In diesem Roman begegnen wir fünf Personen und der Rettung einer bedeutenden Figur, dem des "lesenden Klosterschülers", der einem Bildnis von Ernst Barlach nachempfunden ist.  Die Personen sind ein fünfzehnjähriger Junge, Sohn eines ertrunkenen Fischers, einem jungen Mann namens Gregor, ein Jungkommunist, dem Mann Knudsen, ein Fischer, ebenfalls Mitglied der kommunistischen Partei, dem Pfarrer Helander, in dessen Kirche sich der lesende Klosterschüler befindet und der jungen Judith, jüdischer Herkunft, deren Mutter ihr angeraten hat, die Stadt zu verlassen und sich an diesen kleinen Ort Rerik zu begeben, um dort mit einem Schiff hinüber nach Schweden das Land zu verlassen. Zuvor hatte sich die Mutter selber das Leben genommen. 
 
Die Geschichte beginnt also in kleinen Stadt namens Rerik an der Ostsee. 
 
Der fünfzehnjährige Junge, der sich seit dem Tod seines Vaters als Lehrlingsgehilfe beim Fischer Knudsen verdingt, möchte nichts lieber als diese kleine Stadt zu verlassen, in der einfach nichts los ist. Vorbild ist sein Romanheld Huckleberry Finn, der seinen Ort, in dem er lebt wegen des herrschenden Rassismuss entfliehen möchte. Kleine Textpassagen im Roman erzählt uns ebenfalls ein wenig von Huckleberry Finn, dem der Junge nacheifern möchte. 
 
Fischer Knudsen will verspätet auf Fischfang gehen und macht sein Schiff fahrtüchtig. Da bekommt er Besuch vom Pfarrer Helander, der möchte, dass Knudsen seine wichtige Figur - den lesenden Klosterschüler - mit auf die Fahrt nimmt und ihn sicher nach Schweden rüber bringt. Er will, dass die Figur vor den Nazis, die sich schon am nächsten Tag angemeldet haben, gerettet wird, obwohl er weiß, dass das für ihn Folter und Tod bedeuten würde. Aber der Pfarrer hat schon Frau und Kind verloren, leidet an einer schweren Verletzung seines Beins und hat den Glauben an Gott schon längst verloren. Er sieht ihn als einen Gott an, der sich entfernt hat von der Not des Menschen.
 
Auch der Jungkommunist wird ebenfalls von Pfarrer Helander mit dieser Rettungsaktion betraut. Er soll Knudsen zur Seite stehen. 
 
Und dann ist da Judith, die in der Stadt herumirrt und auf der Suche nach einem Schiff, dass sie mitnimmt, weg von den Nazis hin nach Schweden. Als ihr erster Fluchtversuch mißlingt begegnet sie dem Jungkommunisten, der ein Herz zeigt und sie nicht ihrem Schicksal überlassen will. Er nimmt sie mit zu Knudsen und beschwört ihn, sie beide und die Figur, die er noch nachts mit Judith aus der Kirche holt, mitzunehmen. 
 
Knudsen, der sich zuerst weigert, eine solche Fahrt zu übernehmen erklärt sich nach langem Verhandeln dann doch bereit, das Risiko auf sich zu nehmen. Doch es kommt ganz anders, als von allen erwartet wird. 
 
Die Geschichte dieser Menschen, die alle aus verschiedenen Gründen sich befreien wollen aus der Macht der Nationalsozialisten oder eben, wie beim fünfzehnjährigen Jungen aus der Langeweile des Lebens, der noch gar nicht erkannt hat, welche Gefahren entstanden sind in politischer Hinsicht,  erzählt uns was Freiheit bedeutet. Wenn diese Freiheit nicht mehr äußerlich gegeben ist, dann hat der Mensch nur eine einzige Aufgabe. Sich seine ganz individuelle Freiheit zu erkämpfen. Was nichts anderes bedeutet Verantwortung zu übernehmen, zu handeln und zu erkennen, dass er freie Entscheidungen treffen kann und muss. 
 
Mich hat vor allen Dingen die Schilderung dieser Menschen, wie sie sich begegnen zutiefst berührt. Antipathie und Sympathie wechseln sich ab. Man will nicht helfen und tut es am Ende doch. So weist der Roman auch daraufhin, wie wichtig das soziale Miteinander ist in einer Zeit, wo das gegenseitige Vertrauen verloren gegangen ist, obwohl Ängste und Zweifel herrschen. Doch das einzige, das wichtigste, in dieser Zeit damals, aber auch heute,  ist Entschlossenheit, das Richtige tun, auch wenn das eigene Leben damit einem Risiko ausgesetzt wird. 
 
Die Geschichte des Nationalsozialismus und die Nachkriegsliteratur hat uns gezeigt, dass es viele dieser Menschen gegeben hat, die sich so durch diese Zeit bewegt haben und füreinander da waren, sich nicht verschlossen und ihr eigenes Leben riskiert haben. 
 
Und man darf nicht vergessen, dass das was geschehen ist in dieser Zeit nicht Vergangenheit ist, sondern ganz aktuell überall auf der Welt weiterhin vorherrscht. Radikale politische Ideologien vereinnahmen immer noch Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen. 
 
Kurz: Ein Buch, dass absolut lesenswert ist, nicht nur für junge Erwachsene, sondern für alle. 
Wir begegnen ganz großer Erzählkunst, die durch die Wendungen in ihrer Geschichte, einen großen Spannungsbogen entfalten. 
 
Alfred Andersch
Sansibar oder der letzte Grund 
978-3-941711-03-7
 
P.S. Dies ist eine gebrauchte Ausgabe, die ich mir bestellt habe als Hardcover. 
 
aktuelle Ausgabe:
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3257236019
Diogenes-Verlag
13,00 Euro 
 
 
 
 
 
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