Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Ich schreibe einfach gern:)

Werbung

Der Reisende - Ulrich Alexander Boschwitz

Das Buch, dass ich gerne ampfehlen möchte ist eine Wiederentdeckung des Autors Ulrich Alexander Boschwitz, fast 80 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung. 30 Jahre lang kämpfte seine Nichte für die Neuveröffentlichung seines Buches.

Boschwitz schrieb seinen Roman 1938 innerhalb von vier Wochen unter dem Eindruck des Unglücks, das die Juden in Deutschland traf. Sein Roman *Der Reisende* spiegelt auch zum großen Teil seine eigene perasönliche Geschichte seiner Flucht vor den Nazischergen wieder.
Boschwitz war Sohn eines jüdischen Vaters und einer protestantischen Mutter, in Berlin geboren.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten flüchtete er ebenso wie sein Protagonist *Otto Silbermann* um sein Leben zu retten. Auf vielen Umwegen kam er zuerst nach Schweden, später nach England. Aber auch dort wurde er als feindlicher Ausländer behandelt, verhaftet und nach Australien gebracht. 1942 auf seiner Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert und sank. Er ertrank, wie Hunderte andere Mitreisende. Boschwitz wurde 27 Jahre alt. Noch auf dieser Reise hatte er seinen Roman "Der Reisende* noch einmal überarbeitet. Das Manuskript ging jedoch verloren. Das nun wiederentdeckte Buch beruht auf seinem ersten Manuskript und auf der Überarbeitung des Lektors Peter Graf, Leiter des Verlages *Das kulturelle Gedächtnis nach Absprache seiner Familienangehörigen.

1938 wurde in Paris ein Attentat auf einen deutschen Botschafter verübt. Dies nahmen die Nationalsozialisten zum Anlaß den Volkszorn gegen die in Deutschland lebenden Juden, der aber nicht neu war, zu inszenieren. Obwohl die Entrechtung der deutschen Juden schon 1933 begann, lebten zu diesem Zeitpunkt noch Hunderttausende Juden in Deutschland.

Otto Silbermann also, Protagonist des Romans *Der Reisende* entkommt nur knapp der Verhaftung. Er ist Deutscher, hat im ersten Weltkrieg gedient, ist ein wohlhabender Kaufmann und findet sich plötzlich auf der Seite der Geächteten, obwohl unbescholten und zum deutschen Bürgertum gehörend.

Was ihm bleibt, ist sein nacktes Leben. Mit dem letzten Geld, das er retten kann beginnt seine Flucht und seine Hoffnung, aus Deutschland, viel zu spät wie er feststellen muss, ausreisen zu können.

In Angst und Schrecken reist er mit dem Zug quer durch Deutschland in der Hoffnung einen Weg zu finden. Sein Sohn, der in Paris lebt soll ihm ein Visum besorgen, was sich aber als schwierig erweist und Silbermann nach anderen Auswegen suchen muß.

Der Roman übt einen Sog aus, der Leser befindet sich an der Seite von Otto Silbermann auf seinen unentwegten Hin- und Herfahrten durch Deutschland, er schaut zu, wie Otto Silbermann mit seinen Gedanken und auch mit den Menschen, die er auf seiner Flucht im Zug begegnet, hadert, hin- und hergerissen ist. Wer sitzt ihm da gegenüber? Feind oder noch Mensch mit Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Es ist nicht so, dass man ihn, Otto Silbermann, als sympathischen Menschen einstufen könnte, denn er ist in allem widersprüchlich, egoistisch, der nur ein Ziel vor Augen hat: überleben! Selbst in einer großen Schwäche hat er Gedanken von jüdischem Selbsthass.

So kommt ihm einmal der Gedanke "Es sind zuviele Juden im Zug. Dadurch kommen wir alle in Gefahr. Wenn ihr nicht wärt, könnte ich in Frieden leben. Weil ihr aber seid, falle ich in Eure Unglücksgemeinschaft. Ja, wenn ihr nicht wärt, würde man mich nicht verfolgen. Weil ihr existiert, werde ich mit ausgerottet:"

Einmal begegnet er einem Mann mit Parteiabzeichen auf seiner Zugfahrt, der ihn zu einer Schachpartie einlädt. Sein Gegner verliert, aber will da nicht drauf sitzen bleiben und fordert ihn immer wieder erneut heraus. Aus Angst vor dem Mann will er dann ein Spiel verlieren, aber es gelingt ihm nicht. Nach hartem Kampf setzt er ihn wieder matt.

Nach den Spielen sagt ihm sein Gegner, sie sind ein scharfer Spieler!. Und Silbermann log und antwortete: Ich bin ein schlechter Spieler, obwohl er genau weiß, dass diese Aussage eine weitere Erniedrigung des Unterlegenen darstellt.

Als sie am Ende ihrer Fahrt sind, denkt Silbermann: Ich habe einen Mensch getroffen, trotz seines Parteiabzeichens. Vielleicht ist alles gar nicht so schlimm. Menschen, mit denen man Schach spielen kann, die verlieren können. ohne beleidigt zu sein oder frech zu werden, sind schwerlicht Räuber und Totschläger.

Das Leben ist uns verboten denkt er irgendwann nach allen mühseligen Auf- und Abs seiner Reise, seines Hin- und Herfahrens.

Wie es endet, lest es selber!

Es ist ein Roman der den Atem nimmt, weil man neben dem Protagonisten sitzt und alles mit ihm erlebt und sich auch in seinen Gedanken wiederfindet, in Ungläubigkeit ob des Geschehens, in Zweifeln, in Ängsten, Sorge und Hoffnung! Silbermann nimmt uns mit auf seiner Flucht°

Ulrich Alexander Boschwitz
Der Reisende
Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98154-4

12,00 Euro

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post