Ich schreibe einfach gern:)
Uns Rita (Name geändert) ist ausgezogen. Furchtbar. Ich hab geweint! Weit weg! Sie fehlt mir/uns im Hause. Ach wass soll ich sagen, wir erfreuen uns über eine äußerst angenehme Hausgemeinschaft. Die Meisten wohnen, wie ich, schon seit ca. 20 Jahren im Haus. Wir haben unsere Kinder gemeinsam aufwachsen sehen, haben uns gegenseitig bei der Betreuung geholfen, wo es nötig war, haben uns mit Essen verpflegt, wenn mal einer krank war und so manchen Abend gemeinsam im Hausgarten gesessen, schwadroniert, philosphiert und im Sommer, wenn es mal richtig heiß war, alle gemeinsam auf den Liegestühlen gelegen und geträumt, Scherze gemacht. Ach ne, das ist ein Glück in unserem Haus zu wohnen! Die Krönung ist immer unser Hausfest gewesen, wenn jeder auch die eigenen Freunde eingeladen hat und die Nachbarn von neben an, da wurde durchgemacht, bis in den frühen Morgen. Erst vorgestern, da hab ich den Nachbarn von unten getroffen beim Einkaufen und als er sah, wie ich mich abschleppte, nahm er mir doch glatt die Tasche ab und trug sie für mich nach Hause. Ich liebe ihn!
Ja, die Nachbarn von nebenan! In einem der Nebenhäuser geht das ganz anders. Die wohnen zwar auch schon alle lange miteinander dort,aber jeder macht sein eigen Ding, keiner will vom Anderen was wissen und gemeinsam machen die gar nichts. Dann bekomme ich schon mal von der einen oder anderen erzählt, wie furchtbar traurig das ist und wie schön anzusehen es ist, wenn wir in unserem Haus so viel miteinander machen. Ja, ich kann sagen, mit dem einen oder anderen verbindet mich schon eine tiefe Freundschaft.
So hab ich vor einiger Zeit mal erlebt, als der Paketbote in einem dieser Nachbarhäuser klingelte, um sein Päckchen abzugeben. Der Empfänger war nicht anwesend, bat er eine Nachbarin, ob sie das Paket annehmen könne. Die hat noch nicht mal aufgemacht, sondern durch die Sprechanlage verkündet, dazu wäre sie nicht bereit. Da stand der nun, der arme Mensch, ich weiß, was die für einen Streß haben! Liebe Frau Röschen sagte er zu mir, könnten sie nicht..... "Ja klar, kein Problem, nahm es und wartete auf die Abholung, die auch hocherfreut am Abend erschien.
EIn gutes Nachbarschaftsverhältnis scheint nicht unbedingt normal zu sein. In dem Haus, wo wir vorher wohnten, war das ebenfalls so. Auch da, trotz mancher Problemfälle, die wir aber alle gut in den Griff bekommen und es geschafft hatten, am Ende selbst mit den Miesepetern feiern zu können, gab es ein gutes Miteinander. Noch heute, wenn ich die alten Nachbarn treffe, dann heißt es immer:" Ach Röschen, wie gehts denn so, schade, dass du nicht bei mehr uns bist" und dann höre ich die neusten Botschaften von diesem und jenem, ihre eigenen Erlebnisse, was sich so geändert hat. Nein, wirklich, wir haben immer Glück gehabt.
In der Eifel, wo wir unser Häuschen haben, ist das noch viel stärker, dass mit der Verbundenheit unter den Nachbarn. Baut der eine ein Haus, hilft natürlich der Nachbar. Hat jemand Geburtstag, bringt das ganze Dorf Geschenke oder ist etwa Kinderkommunion, klar, dann helfen die Nachbarsfrauen aus. Ein Traum, wenn auch sicher mit einigen Nachteilen. Wie heißt es nicht so schön" Der liebe Gott sieht alles, der Nachbar noch mehr!"
Das scheint wohl auch ein Grund zu sein, dass sich viele einer engeren Nachbarschaftspflege entziehen. Angst vor dem Verlust der Intimität!
Klar, wenn man so eng beieinander wohnt, bekommt man halt auch mal Dinge mit, die nicht für dritte Ohren bestimmt sind. Wir können da gut mit umgehen, da wir sowieso über alles reden, was uns selber, die Kinder, die Ehe oder das Arbeitsleben betrifft, ist das kein Problem. Gab´s dann mal nen dicken Knall im Untergeschoß, so mit etwas lauterem Gebrüll oder ne Faust auf dem Tisch, ne Tür geknallt und wir treffen am andern Morgen im Flur zusammen dann griemeln wir uns an:" Oh, war aber heftig wat los gestern abend bei Euch!"
In einer Großstadt ist es mit dem Leben in der Nachbarschaft auch viel schwerer. So viele Menschen in einer Straße und da die Anonymität zu überwinden, dazu gehört schon sehr viel Bereitschaft, aus seinem eigenen Schatten zu treten, den anderen wahrzunehmen, ihn einfach mal anzusprechen.
In unserer Straße kenne ich fast jeden. Und wenn wir uns auf der Straße begegnen, grüßen wir uns, reden das eine oder andere miteinander, auch hier, man weiß etwas über das Leben des andern, fühlt mit, bangt mit, sorgt sich. Da wird auch schon mal ein Blumenstrauß gebracht oder ein Sück Kuchen rübergebracht, wenn es was zu feiern gab.
Aber einer unserer Nachbarn, der fällt mir immer wieder auf. 20 Jahre lang schon wohnt der im selben Haus. Klar, wir haben alle respektiert, dass er Abstand will, was aber nicht in unsere Köpfe will, dass er noch nicht mal in der Lage ist, zu grüßen. Will sagen, du kannst ihm Morgens, wenn er aus der Haustüre tritt vor der Nase stehen, er bringt kein Guten Morgen heraus. Kommt er einem entgegen, schaut er an einem vorbei, als wenn er einen noch nie gesehen hat. Immer wieder ist das große Geheimnis um diesen Menschen ein Gesprächsthema bei Zusammenkünften. Nun denn, man weiß es nicht, warum der eine so, der andere so.
Jedenfalls, als ich damals in der internistischen Arztpraxis gearbeitet habe, da hab ich viel Wehklagen von Menschen gehört, gerade von den Alten, wie allein sie doch sind und dass es nicht möglich ist, einfach mal beim Nachbarn zu klingeln, der ihnen möglicherweise mal einen Gang zur Apotheke abnehmen könnte oder einen Einkauf erledigen könnte, wenn sie mal nicht dazu in der Lage waren.
Die einen brauchen wohl Nachbarn, die andern nicht. Ich bin froh, dass es bei uns so schön ist. Ich könnte gar nicht anders leben, ohne ein gutes Miteinander mit meinem Nächsten zu haben.
Und, wenn ich manchmal woanders so davon erzähle dann schauen die nur bewundert, wenn nicht gar ein bißchen neidisch und sagen:" Ihr habt es gut, bei uns kannste dat vergessen!".
Ich denke mit einer guten Nachbarschaft hat man im schon viel erreicht. Was im "Kleinen" wächst und gedeiht, kann sich aufs "Große" ausdehnen und gemeinsam schafft man viel. Natürlich muß man auch die eine oder kleine Macke des Anderen annehmen und so manchen Tratsch und Klatsch verkraften können. Das gehört eben dazu. Man weiß ja selber, was richtig ist.