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Verantwortung fängt im Kleinen an!

Allgemein wird auf eine bestimmte Klientel geschimpft, die sich der Verantwortung für die Gesellschaft und ihr Umfeld entzieht. Es ist ja auch einfacher, einen bestimmten "Sündenbock" zu suchen und zu finden, auf dem man dann mit dem Zeigefinger zeigen kann.
 
Aber zeigt nicht der ganz normale Alltag oft, wenn wir mit wachen Augen durch das Leben gehen, dass im Grunde sich "jeder", der sich vielleicht sonst hinter denen, die mit dem Zeigefinger auf andere zeigen, verbirgt, dieser Verantwortung entziehen?
 
Nur mal so drei Beispiele, die ich in der letzten Woche, morgens auf dem Weg zur Arbeit erlebt habe.
 
Das erste war Folgender:
 
Ich fahre mit meinem Rad den Weg zur Arbeit, komme da an der St.Marien-Kirche am Baudriplatz vorbei. Rechts ist das Cafe Eichhörnchen, links der kleine Platz vor der Kirche, auf dem die Betreiber des Cafes auch bei schönem Wetter ihre Außengastronomie betreiben. Es ist noch früh am Morgen, wenig Leute auf der Straße, aber da sehe ich sie, ältere Dame mit ihrem Hundchen, keine Ahnung, welche Rasse, sie leint ihn ab und läßt ihn auf dem kleinen Platz laufen, damit er sein Geschäft verrichtet. Das macht er auch sogleich. Ich halte kurz, spreche sie an und sage:" Muß das sein? Mensch, hier sitzen gleich Leute an den Tischen und wollen ihren Kaffee trinken!" Können sie nicht den Weg bis zum Nippesser Tälchen gehen, da gibt es eigens einen dafür vorgesehenen Hundeplatz!" Da flaumt mich die Dame doch an:" Kümmern sie sich um ihren eigenen Dreck, was geht sie das an!"
 
Na ja, ich war schon hin- und hergerissen, hätte ich vielleicht nix sagen sollen?
 
Anderes Beispiel:
 
Wieder derselbe Weg am frühen Morgen. Ein Pärchen geht mir voran, er öffnet gerade seine Zigarettenpackung. Das Papier fällt ihm aus der Hand und zu Boden. Gut, ist nur ein kleines Stück Papier. Aber ich fahre langsam an ihnen vorbei, denke und jetzt? Dachte, vielleicht hebt der das auf! Aber in keinster Weise. Er merkt noch, wie ich ihn anschaue, nein, nicht irgendwie moralistisch oder böse, sondern einfach nur schaue. Aber er bewegt sich keinen Meter. Ich bekomme irgendwie mit, dass er selber Zweifel hat, was er tun soll, aber letztendlich läßt er es liegen und geht weiter. Ein ganz normales Pärchen, nicht irgendwie asozial aussehend.
 
Ein anderes Beispiel:
 
Vor unserem Geschäft sah ich eines Morgens ein Rad umgekippt liegen. Hm, dachte ich, soll ich es aufheben, tue ich sonst immer. Aber an diesem Morgen dachte ich, willste doch mal sehen, was passiert. Ich geh in die Mittagspause, in der Zwischenzeit sind viele Leute dran vorbeigegangen, aber nichts ist passiert. Es liegt noch immer da. Ich komme wieder zurück, mache meine Arbeit, gehe in den Feierabend, inzwischen sind ganze neun Stunden vergangen und ich denke mal, so Hundert Leute sind bestimmt an diesem Fahrrad vorbeigegangen. Aber keiner hat Notiz davon genommen. Nun denn, denke ich bei mir, gehe hin und stelle das Rad wieder ordentlich hin. Na ja, es klappt nicht so richtig, weil es sich verhaspelt hat an seiner Sicherungskette. Am Ende denke ich, werd ich noch blöd angemacht,weil einer denkt, ich will es klauen. So ist das mit der Gleichgültigkeit der Meisten! Alles ganz normale, unbescholtene Bürger. Ist den meisten doch alles egal!
 
So ist das doch mit der Verantwortung des Einzelnen in unserer Gesellschaft. Und die Frage für mich entsteht in diesem Zusammenhang immer:" Welche Verantwortung habe ich, wenn ich so etwas sehe!" Einmischen oder nicht? Letztendlich steht man dann noch als "Moralist" da. Da will auch nicht jeder der Dumme sein, oder?
 
Na ja, ich hab das einemal was gesagt, das andere Mal nicht. Ob es hilft, weiß man es?
 
Der Dreck und die Hundehaufen auf den Straßen Kölns kommen von ganz normalen Bürgern, nicht nur von denen, von denen man meint, gerade die sind es. Es kann mein oder Dein Nachbar sein. So ist das.
 
Das führt mich mal wieder zu der Auffassung, man wird nichts und nie dran ändern können! Man muß es wohl so nehmen, wie es ist und einfach nur schauen, wie man selber handelt!
 
Warum das angeblich in anderen Städten anders ist oder sein soll, bleibt mir ein Rätsel. Vielleicht doch die Anonymität der Großstadt. Jedenfalls voriges Jahr, als ich die kleinen Städtchen in Schleswig-Holstein mit meinem Rad durchfahren habe, ist mir das nicht so extrem aufgefallen! Da scheint es so, dass doch noch jeder auf den anderen achtet und sich daran beteiligt, dass das eigene Umfeld sauber bleibt!
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