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Ich schreibe einfach gern:)

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Wo ist der Schlüssel!

Jedes Ding hat seinen Platz“ heißt es in einem alten Sprichwort. Das fällt mir meistens ein, wenn Dinge, die ich unbedingt brauche, sich nicht an diesem befinden.
 
Das wäre z.B. die Brille! „Jeden Morgen, nachdem wir, mein Göttergatte und ich, uns von unserem gemütlichen Morgenfrühstück verabschieden und jeder seiner Wege gehen will, kommt die Frage:“ Hast DU meine Brille gesehen?“ „Nö“, antworte ich ihm und schon sehe ich die Panik in seinen Augen, denn ohne Brille geht bei ihm nichts mehr. Also rasen wir wie verrückt, denn ich lass ihn nie allein mit seiner Not, laufen durch die Wohnung, bis wir sie endlich unter einer seiner Zeitschriften, die er am Vorabend gelesen hat, finden. „Gott sei Dank“, denke ich.
 
Dann geht er und ich sinke, froh, noch ein paar Minuten allein für mich zu haben, noch mal an den Frühstückstisch zurück, um einfach so dazusitzen und aus dem Fenster zu schauen.
 
Heute Morgen war es wieder mal soweit! Ich sitze gerade, atme tief durch und da klingelt es! „Ich rase zur Tür, denke, vielleicht der Postbote, aber da steht er wieder, der Göttergatte!
 
Panik in seinen Augen fragt er mich:“ Hast Du meinen Schlüssel gesehen?“ Jetzt verdrehe ich die Augen:“ Nö“, sag ich ihm, fahre ich Auto oder Du?“
 
Wieder beginnt das Suchen. Welche Jacke hattest Du gestern an, frag ich ihn dann. Schau doch da mal nach! Wir durchwühlen alle seine Jacken, die sich an der Garderobe befinden. Nix! Auf der Kommode auch nicht! Hm, jetzt wird es schwierig. Küchenanrichte? Auch nichts! „Überleg doch mal“, sag ich ihm genervt. „Tue ich doch die ganze Zeit“, antwortet er.
 
„Ja, irgendwo musst DU ihn doch hingelegt haben?“ Wir laufen aneinander vorbei. Ich sag ja immer, Männer können auch nix finden. Die haben einfach einen Tunnelblick! Das ist wie mit der Butter im Kühlschrank. Er: „Wo ist die Butter?“ Ich:“ Wo sie hingehört, im Kühlschrank!“ „Wo“ sein Hilferuf!“ Ich stehe hinter ihm, sehe über seine Schulter hinweg die Butter in der kleinen blauen Butterdose vor mir und er sieht nix, einfach nix. Wie kann das sein, frage ich mich immer! „Mann, mach doch einfach mal die Augen auf, das gibt es doch nicht!“. Dann müssen wir meistens lachen!
 
So war es dann auch mal wieder mit dem Schlüssel. Dreimal hat er auf der Kommod nachgeschaut, dreimal hat er ihn nicht gesehen. Konnte er auch nicht! Warum? Weil er unter einem Handschuh verborgen lag.“ Einfach mal den Handschuh hochnehmen, wäre nicht schlecht gewesen, sag ich ihm, und halte ihm triumphierend den Schlüssel entgegen. „Du bist ein Schatz!“ sagt er und verschwindend. Ich schaue ihm hinterher und denke, wenn er mich nicht hätte!
 
Aber jetzt mal ehrlich, dieses Problem scheinen wir nicht allein zu haben. Das halbe Leben ist der Mensch damit beschäftigt, Dinge zu suchen, die er braucht, ohne die es nicht geht. Brille, Geldbörse, Haustürschlüssel, Autoschlüssel.
 
Vor ein paar Tagen suchte er, der Göttergatte, gar sein Auto. Wusste einfach nicht mehr, wo er es am Abend abgestellt hatte. Panisch lief er die Straße rauf und runter, in die Nebenstraße, die nächste, bis es ihm dann endlich wieder einfiel.
 
NA ja, manchmal kenne ich das auch. Ich selber bin eher ein Chaot in diesen Dingen. Ich komme dem auch nicht nach, immer alles auf einen ganz bestimmten Platz zu legen. Mal liegt der Schlüssel da, mal dort, mal befindet er sich in einer meiner Taschen, die ich ständig wechsle, oder in einer der Manteltaschen! Aber mir macht das nichts aus, denn ich bin beweglich, ich brauche nur kurz in mich zu gehen, dann fällt mir sofort ein, wo ich dieses oder jenes am Vorabend hingelegt habe.
 
„Wie machst DU das bloß immer“, sagt er, mein Göttergatte, dann zu mir. Bei Deinem Chaos findest Du immer alles!
 
„Hör mal“, sag ich ihm dann immer, “ Du kannst die Dinge hinlegen wo du willst, das ist doch gleichgültig, du musst nur ganz aufmerksam sein, in diesem einen Moment. Du darfst die Dinge nicht unkonzentriert tun, sondern für einen Moment Dir ganz bewusst machen, was du tust!“
 
Er antwortet dann meistens lachend:“ Du mit Deinem Zen!“
 
„Lach Du nur“, antworte ich ihm dann, immerhin wirkt es und lächle ihn triumphierend an. Jedenfalls erspart es mir eine Menge Zeit im Leben.
 
In diesem Zusammenhang gibt es eine schöne Zen-Geschichte, die ich erzählen möchte, sie handelt von einem Mönch namens Tenno, der gerade seine Ausbildung zum Zen-Lehrer abgeschlossen hatte. An einem regnerischen Tag suchte er seinen Meister Nan-in auf. Wie es in Japan üblich ist, zog Tenno seine Schuhe aus im Vorraum des Hauses des Meisters.
Nan-in hieß ihn willkommen, und sie setzten sich. Nachdem sie sich egrüßt hatten, sagte der Meister:“ Ich fragte mich gerade, ob du deinen Schirm links oder rechts neben deinen Schuhen abgelegt hast?“
Der Mönch konnte die Frage nicht beantworten. Vielleicht dachte er bei seiner Ankunft darüber nach, was er seinem Lehrer sagen wollte, oder er war nervös wegen der Begegnung. Vielleicht malte er sich aus, wie sein Lehrer ihm zu seinem Abschluss gratulieren würde. Jedenfalls hatte Tenno nicht darauf geachtet, wo er seinen Schirm abgelegt hatte. Als er erkannte, dass ihm noch immer das Zen-Bewusstsein fehlte, verschob er das Lehren und nahm seine Ausbildung wieder auf.
 
So ist es wohl mit allem, was wir tun, ob wir gehen oder ob wir stehen. Wir müssen in jedem Moment unsere ganze Achtsamkeit darauf richten. Aber meistens sind wir mit unseren Gedanken ganz woanders und merken dabei oft gar nicht, was wir tun! Ob das im Straßenverkehr ist oder beim Schnippeln von Gemüse in der Küche oder beim Ablegen unseres Schlüssels, wenn wir nach Hause kommen. Selbst, wenn wir mit jemandem reden, sind wir nicht bei dem, was das Gegenüber uns sagt, sondern schon längst mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt.
 
Nun denn, zurück zum Schlüssel. Die beste Möglichkeit, uns daran zu erinnern, wo wir ihn hingelegt haben, besteht doch genau darin, dass wir einen festen Platz für ihn haben – getreu nach dem Sprichwort „Jedes Ding hat seinen Platz!“ Das erleichtert uns die kleinen Dinge des Lebens ungeheuer. Und wenn wir das nicht schaffen, dann zumindest unsere ganze „Aufmerksamkeit“ darauf zu richten, wo wir ihn hinlegen.
 
Das ist der „Schlüssel“ zum Glück am Morgen, wenn wir mal wieder nicht suchen wollen!
 
Und wo haben Sie Ihren Schlüssel gestern Abend hingelegt?
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