Ganz unerwartet durfte ich gestern Abend an einem schönen Fest teilnehmen! Nach langer Zeit habe ich meine iranische Freundin wiedergetroffen. Schon allein unsere Begegnung ist für mich immer ein Fest. Ich liebe sie einfach! Von ihr geht so viel Herzenswärme aus, dass sie einfach überspringt. So liefen wir am Friesenplatz, unserem Treffpunkt, wie verrückt aufeinander zu und drehten uns minutenlang in einer Umarmung. Das allein war einfach wunderschön. Mit niemandem sonst kann ich eine so wunderbare, körperlich ausgedrückte Freude leben.
Wir gingen ins Cafe "Am Bauturm" und haben Stunden verbracht, um uns unser Leben der vergangenen Monate, zu erzählen. Das braucht nicht viel Zeit, um beim Anderen zu sein!
Gegen 2o.oo Uhr brachen wir auf! Wohin? Nun die Iraner feiern am letzten Dienstag vor ihrem Neujahrsbeginn das traditionelle "zarathustische Feuerfest!" Ich hatte bisher noch nie die Gelegenheit daran teilzunehmen. Gestern war es mir vergönnt. So fuhren wir also mit dem Auto über den Rhein, hörten unterwegs iranische Musik, sangen,lachten,fanden im Chaos sofort einen Parkplatz und liefen zum Rhein hinunter. Dort angekommen, wurden wir sofort von allen begrüßt. Minna, meine Freundin stellte mich vor und es war mal wieder eine unglaublich schöne Erfahrung, von fremden Menschen einfach in den Arm genommen zu werden. Nicht distanziert betrachtet zu werden, sondern eine Freude geschenkt zu bekommen, darüber, dass man Anteil an ihrem Fest nehmen will, sich mit ihnen freuen möchte.
Viele kleine und große Feuer brannten überall verstreut. Am Himmel schien der Mond hinter den Wolken hervor und der Blick auf das Kölner Panorama dazu, es war, als wenn ich plötzlich herausgehoben war, aus meinem Alltag!
Die Iraner feiern dieses Ritual zur Vorbereitung auf ihren neuen Lebensabschnitt. Viele hatten sich zu diesem Tag ein besonderes Festkleid angelegt. Es gab Musik von Disjockeys, knallharter iranischer Hip-Hop und House. Einfach phänomenal, die Rhythmen gingen sofort ins Blut, alle tanzten, jung und alt. Keine Hemmungen, kein "darf ich das?" Zwischendurch bildeten sich lange Schlangen, die sich durch die Menschen bewegten, auf allen Gesichtern Lachen und Strahlen.
Für die Iraner ist es aus ihrer Tradition her einer der wichtigsten Feiertage im Jahr, ein Volksfest!
"Wörtlich übersetzt heißt Nouruz „Neuer Tag“ ! Im Gespräch mit einigen Iranern, erklärte man mir, dass dass für sie ein gans besonderer Ritus sei, über die Feuer zu springen. Als Zeichen dafür, dass man jeden Tag neu den Mut aufbringt, durch die Feuer des Lebens zu gehen. Und natürlich erzählten mir viele von ihren Problemen, die sie bewältigt hatten, in ihrem Leben.
Da war Marci, die mit ihrem Mann in der kommunistischen Bewegung im Iran gearbeitet hatte und fliehen mußte. Sie gingen zuerst nach Rußland, wo aber alle ihre ideologischen Ziele zerstört wurden. Dann erst später, kamen sie nach Deutschland. Ideologien, so sagte sie mir, hätten keinen Sinn, das hat sie erst spät in ihrem Leben begreifen müssen. Was zählt, ist jeden Tag mit reinem Herzen seine Arbeit zu tun und den Menschen respektvoll und ohne Urteil zu begegnen. So ihre Worte! Es sei für sie und ihre Familie nicht schwer gewesen, ihren Platz in Deutschland zu finden. Jedoch leiden sie unter der Distanziertheit der Deutschen an sich, der oft ihnen begegnenden Freudlosigkeit, so wenig Lachen, obwohl so viel Freiheit, so wenig Freude am anderen, obwohl jeder so viel hat! Das hat mich mal wieder nachdenklich gestimmt.
Um so mehr freuten sie sich an meiner Freude und nahmen mich abwechseln in die Arme und schleuderten mich einfach durch die Luft. Was war das für ein Spaß.
Ud dann ging es an die Feuer! Ich hatte das vorher noch nie gemacht, über ein Feuer gesprungen. "Du mußt dir was wünschen, wenn du springst, und dir eine Farbe wünschen", sagte man mir. " Ich stand wie gebannt vor dem ca. 8o cm hoch brennenden Feuer und überlegte, was ich mir wünschen sollte, in keiner Sekunde hatte ich mir Ängste gemacht, dass ich mich verbrennen könnte. ALso gesagt getan, der erste Sprung, ich wünschte mir Liebe, viel, viel Liebe, für mich und all die Menschen, denen ich noch begegnen werde in meinem Leben. Und dann ging es los, ein Anlauf und schwups, war ich drüber. Ein Klatschen und Johlen, auf der andern Seite angekommen, wurde man aufgefangen. Und weiter, zum nächsten Feuer und wieder rüber, so ging das noch mehrere Male und dann ab auf die Tanzfläche.
Gegen 22.3o Uhr dann langsam Abzug. Die Feuer erloschen, ich schaute noch einmal wehmütig zurück und war erfüllt von diesem Abend. EIn bißchen hatte ich das Gefühl, mit Menschen zusammengewesen zu sein, die mir mehr Heimat waren, als dass, was ich sonst mit meinesgleichen erlebe. Das war es, wonach ich mich so oft sehne, dieses zwanglose Beisammensein, sich miteinander zu freuen und zu feiern. Die Iraner haben mir gezeigt, wie es sein kann, wenn Menschen zusammen feiern, ohne Karnevalshymnen zu singen, ohne übermäßigen Alkohol zu konsumieren und irgendwann dann bei der FC-Hymne anzulangen.
Dieser Abend hat meine Sehnsucht noch mehr geweckt, andere Länder zu bereisen, mit den Menschen in Berührung zu kommen, mit ihnen ein Stück Weg zu gehen und zu schauen, wie sie leben, woran sie sich erfreuen, was ihr Lebensziel und Sinn ist.
Jedenfalls schienen sie mir alles ein wenig leichter zu nehmen, trotz ihrer vielen einzelnen persönlichen Schicksale. Die Freude am Leben schienen sie nicht vergessen zu haben und sie leben sie, wo es nur möglich ist.
So nehme ich dieses Ritual mit nach Hause und werde jetzt daran denken, wenn im ALltag mal wieder Probleme und Nöte auftauchen. Dann werde ich mir sagen:"Spring einfach drüber, Röschen, es wird dich nicht verbrennen!"
Und ich hoffe, dass Feuer wird auch in mir noch lange brennen, das Lebensfeuer, das mich antreibt zu suchen und zu finden!
Schön war es! Salom!