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Ich schreibe einfach gern:)

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Visitenkarte! Ich bin - oder was?

Heute Nachmittag hab ich meinen Schreibtisch aufgeräumt. Ich hab da einen Kasten, da sammele ich so dies und das, was ich manchmal so in die Hand gedrückt bekomme! Flyer, Einladungen, Programme von Kinofilmen, Ausstellungen etc.etc, und natürlich "Visitenkarten!" Nach einigem Hin- und Hersortieren fand ich sage und schreibe 2o Visitenkarten von den letzten Wochen. Ich hab sie mir alle nacheinander mal angeschaut, so in Ruhe.
 
Da war z.B. Dr. Irene Müller - Atemtherapeutin -
darunter ein kleines Wölkchen!
 
Oder
 
Peter Lustig - Musiker und Chorleiter -
darunter viele, viele, kleine Noten!
 
Oder
 
Hans Schmitz - Yogalehrer und Flötist -
darunter ein "Om-Zeichen und eine Flöte"
 
Irgendwann, teils wußte ich es schon gar nicht mehr, wann und wieso überhaupt, ich zu diesen Kärtchen gekommen bin, müssen sie mir die Inhaber ja wohl in die Hand gedrückt haben.
 
ALso es ging jedenfalls nicht um eine Therapiestunde meinerseits bei einem der Visitenkarteninhaber. Höchstens um einen Adressenaustausch, Telefonnummer, weil irgendein Kontakt zustande kommen sollte. Man hatte sich kennengelernt, war in ein Gespräch verwickelt und wollte dies bei einem Kaffee fortführen. Aber dem wäre doch auch schlicht mit der Übergabe einer Telefonnummer Genüge getan gewesen!
 
Wenn ich im Laden Kundenbestellungen aufnehme und nach Namen und Telefonnummern frage, bekomme ich ebenfalls sehr oft eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Auch dort haben wir ein Kästchen, wo sich mittlerweile viele, viele kleine Kärtchen befinden!
 
Nun denn, nach langem hin- und her, tippte ich die Telefonnummern der Menschen in mein Handy, ihre Namen dazu, mit denen ich mich in Verbindung setzen will und warf die Kärtchen in den Mülleimer. Zuviel Papierkram ist nicht gut, dachte ich bei mir. Was soll ich mit dem ganzen Kram!
 
Das Austauschen von Visitenkarten scheint überhand genommen zu haben. Jeder Jeck hat mittlerweile eine, nur ich nicht! Aber was sollte ich da auch drauf schreiben? Röschen Sowieso - Buchhändlerin - Hmmh, und? Wozu soll das gut sein? Ich meine, wieso muß jeder, den ich kennenlerne und mit dem ich mich verabreden will, gleich wissen, was ich von Beruf bin, was ich für Hobbys habe und sonst noch so tue? Ich meine, reicht, wenn schon Visitenkarte, denn nicht der bloße Name!
 
Es scheint so, dass man mit der Visitenkarte dem anderen wohl zu verstehen geben will, was man doch für ein "besonderer" Mensch sei. Wozu man fähig ist! Hat man möglicherweise in seinem Studium promoviert, kommen natürlich noch die vielen Dr.Dr.sowieso dazu. Aha, damit ich da auch Bescheid weiß, nicht irgendein Mensch, sondern ein Dr.Dr.
 
Vor ein paar Tagen las ich zufällig, dass das japanische Wort für Visitenkarte - meishi - was wörtlich bedeutet - der Stich von Name und Ruhm -
 
Aha, mit anderen Worten: Die Karte soll einen"stechenden", starken Eindruck auf den Empfänger machen! Hm, das leuchtet mir ein, denn warum sonst, läßt sich jeder Jeck seine Visitenkarten sonst mit allen Fähigkeiten, die er besitzt und ausübt, drucken!
 
Ruhm und Ehre! Nun ja, das öffnet einem ja auch oft so manche Tür! Kennen wir doch noch aus den guten alten Zeiten die teilweise immer noch vorhandene Ehrfurcht gegenüber allen Menschen,die einen Dr.-Titel an ihrem Namen anfügten.
Der kleine Mann ist da direkt schüchterner. Ein bißchen hat sich das ja heute Gott sei Dank geändert. Aber als ich z.B. damals in der internistischen Praxis gearbeitet habe, bekam ich diese Ehrfurcht, ja manchmal sogar Angst mit und die hatte nicht unbedingt was mit der Angst vor dem Arzt an sich zu tun.
 
Nun, ich meditierre ja nicht nur, ich beschäftige mich auch mit Zen.
 
Zen gibt gar nichts auf Ruhm, gerade dann, wenn es auf Zugehörigkeit beruht. Wenn man also die Insignien wegläßt, wen haben wir dann noch vor uns? Ganz einfach, einen Menschen, der eines Tages sterben wird, genau wie jeder andere, ob mit Dr. oder ohne, ob Yogalehrer oder Sprachtherapeut. Das gefällt mir an Zen. Im Zen zählt nicht der Status, sondern der Mensch und seine spirituelle Entwicklung.
 
So fiel mir eine kleine Geschichte in die Hand, die ich gerne aufschreiben möchte:
 
Der Gouverneur von Kyoto suchte einmal den Zen-Meister Keichu auf. Der Gouverneur übergab seinen "meishi", auf dem stand:"Kitagaki, Gouverneur von Kyoto."
 
"Ich habe mit so einem Burschen nichts zu schaffen". sagte Keichu. Er gab seinem Diener Order, den Gouverneur abzuweisen.
 
Der Diener brachte diesem die Karte zurück und endschuldigte sich. Der Gouverneur sagte:" Nein, das war mein Fehler." Dann strich er die Worte "Gouverneur von Kyoto" durch und bat den Diener, es erneut zu versuchen.
 
"Oh, es ist Kitagaki", sagte Keichu. "Diesen Burschen will ich sehen."
 
So ist es wohl. Wer für sich entscheidet, keinen Wert auf Ehr und Titel zu legen, entscheidet sich gleichwohl für eine Bescheidenheit, die ohne Status auskommt. Er sieht den andern als "Weggefährten", "Mitreisenden" auf dem Entdeckungsweg des Lebens an sich an, er ist ganz einfach nur ein "Mensch".
 
So war mir mal wieder klar - wie unwichtig Status, in diesem Falle Insignien auf Visitenkarten sind! Es geht doch nicht darum, den Anderen zu beeindrucken, sondern es geht um eine Begegnung von Mensch zu Mensch.
 
Und es geht um eine ganz andere Arbeit, im Zen zumindestens, nämlich die, unseren Geist zu erleuchten. Wenn wir diese Arbeit ernsthaft und strebsam verfolgen, wird wohl irgendwann unser Geist unsere Visitenkarte sein.
 
Und wenn wir dann am Ende sagen "Freut mich, Sie kennen zu lernen, dann meinen wir nicht den "Dr.", sondern den Menschen!
 
In diesem Sinne "Zen" eine gute Übung, die im Alltag helfen kann, weder den anderen beeindrucken zu wollen, noch sich von Gegenüber einnehmen zulassen.
 
Gut, dass ich die Visitenkarten entsorgt habe, jetzt hab ich nur noch Namen und Telefonnummern der Menschen, die ich vielleicht, wenn es die Zeit erlaubt, in der nächsten Zeit einmal näher kennenlernen möchte!
 
Ehr und Ruhm, das zählt für mich jedenfalls nich
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