Jeden Morgen begrüßen wir den Tag mit einem "Guten Morgen", ein wenig später wünschen wir uns einen "Guten Tag!"
Meistens denke ich, was wird der Tag bringen und hab schon meine Projektionen, was ich mir wünsche. Zumindetens wünsche ich mir, dass mein Körper durchhält, nicht schlapp macht. Dass er den Anforderungen standhält, die mal wieder auf mich warten. Neben der Arbeit, wobei ich mich in der letzten Zeit immer wieder frage, "lebe ich, um zu arbeiten, oder arbeite ich, um zu leben".
Aber was bedeutet es eigentlich, wenn wir uns "Guten Morgen" sagen? Ich meine, nicht mehr und nicht weniger, als dass wir uns darüber freuen sollten, dass wir leben. Denn das ist nicht selbstverständlich.Wir vergessen es nur manchmal. Wir wissen nicht, wann unser letzter Atemzug ist.
Die Zenmeister sagen:" Hibri kore kojitsu", das bedeutet - jeder Tag ist ein guter Tag -! Das ist für mich immer wieder eine Herausforderung! Denn, wie kann ein Tag gut für mich sein, wenn ich nicht akzeptiere und erkenne, dass jedes Problem, das heute an mich herantreten wird, dazu da ist, weiter an Erkenntnis und Erfahrung zu wachsen?
Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Er denkt, wenn alles nach seinem Plan läuft, sich ihm nichts in den Weg stellt, dann hat er Erfolg. Erfolg hat der, dessen Leben scheinbar ohne Hindernisse verläuft. Gescheitert ist der in den Augen der Erfolgreichen, der nicht die Kraft in sich findet, einen Schritt zu tun. Der morgens schon denkt, wäre schon abends. Der aufgrund der Fülle von Schwierigkeiten in seinem Leben, der Sklaverei der Arbeit, keinen Antrieb mehr hat. "Ausgebrannt" nennt man das dann. Immer mehr Menschen, gerade auch in sozialen Berufen, leiden unter einem Burnout-Syndrom! Die Schnellebigkeit unserer Zeit raubt uns den Atem!
Die körperlichen Energien sind scheinbar verbraucht. Man kann es nicht annehmen. Man will immer agil sein, Stillstand ist nicht zu akzeptieren. Und doch, gerade diese Momente sind es doch, die uns innehalten lassen. Sind wir doch ein Teil der Schöpfung, auch sie hält inne, sammelt Kräfte, in genau dem Moment, wo sie scheinbar tot ist.
Nun denn, ein Guter Morgen und ein Guter Tag ist tatsächlich jeder Tag, auch wenn es Probleme gibt, auch wenn wir schwach sind. Denn, wenn wir schwach sind, sind wir stark! Nur der, der seine Schwachheit annimmt, der nicht kämpfen muß, sondern tut, was er kann, ansonsten geschehen läßt, ist ein Sieger!
Wer jeden Tag seines Lebens als ein neues Geschenk annehmen kann, ohne Projektionen, immer wieder neu mit den Augen eines Kindes auf das Unerwartete sich freuen kann, der nicht immer alles kontrollieren will, für den ist jeder Tag eine Überraschung! Und er schaut, was er aus den Situationen, die ihm entgegenkommen, lernen kann!
In diesem Sinne "Zen" - Jeder Tag ist ein guter Tag