Ich schreibe einfach gern:)
Die Tochter einer Bekannten geht regelmäßig mit ihrer Tochter shoppen. Ihr Freund regt sich immer wieder darüber auf. „Was willst du mit den ganzen Klamotten? Haben wir nicht vor ein paar Tagen erst zwei Säcke von Dir mit diversen Kleidungsstücken entsorgt?“
Sie antwortet:“ Ja, stimmt schon, aber dann kann ich was mit meiner Mutter zusammen machen!“
Ihr Freund erzählte mir neulich, du kannst es dir nicht vorstellen, die ganze Wohnung ist proppevoll mit irgendwelchem Klimbim! Aber wenn ich mal bei ihr zuhause bin und wir sitzen beim Mittagessen zusammen, kommt kein Gespräch zustande. Alle schweigen sich an und suchen nach Worten. Er fühlt sich dann immer, als würde er ersticken in dieser Atmosphäre. Weiter erzählt er, dass die Eltern besagter Freundin nur darauf aus seien, dass sie, die Tochter, es einmal besser haben solle, wie sie selber. Leistungsdruck hat von Anfang an geherrscht! Die Mutter hat, so der junge Mann, keine Ausbildung gemacht, der Vater arbeitet als kleiner Angestellter in einem Betrieb. Trotz allem haben sie es mit ihrem Geiz, so nannte es der junge Mann, geschafft, sich ein Super-Haus zu kaufen und na ja, meinte er dann noch, sich eine schöne Fassade aufzubauen. Freunde, meinte er, hätten sie keine, nur, was man heute so „Bekannte“ nennt. Einladungen zu diesem und jenem Geburtstag, im Verein ist er, der Vater auch, daher auch diesseits immer Verpflichtungen. Aber was fehlen würde, ist wirkliche Beziehung zu andern Menschen. Die Mutter putze das Haus von morgens bis abends, eine andere Beschäftigung hat sie nicht. Der Vater arbeitet, geht in den Verein und an den Wochenenden gibt’s Streit, aber niemand weiß eigentlich so genau warum, denn das, was eigentlich unter drunter steckt, kommt nicht zur Sprache.
Nun denn, letzte Woche waren sie wieder shoppen, Mutter und Tochter! Wieder etwas mehr für den Kleiderschrank! Er muss wohl noch viel lernen, der junge Mann! Vielleicht kann er ihr helfen, dass sie eines Tages erkennt, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Als er mir das alles so erzählte, gab ich ihm eine kleine Auflistung in die Hand, die er mit ihr zusammen ja einmal lesen und darüber diskutieren könne. Sie lautete wie folgt:
Shopping!
1) Was wir uns mit Geld kaufen können:
2)Was wir uns nicht mit Geld kaufen können:
1)Güter - 2) Güte
1)Dienstleistungen - 2)Dienen
1)Essen 2) - Erfüllung
1 )Bücher - 2) Weisheit
1) Kleidung - 2) Stil
1) Joggingschuhe - 2) Selbstdisziplin
1) Kunst - 2) Geschmack
1) Geschenke - 2) Dankbarkeit
1) Unternehmen - 2) Kooperation
1)Luxus - 2) Anmut
1)Lifting - 2) Jugend
1)Land - 2)Natur
1)Gesundheitsfürsorge - 2) Gesundheit
1)politisches Amt - 2) Charakter
1)Soldaten - 2) Ergebenheit
1)Waffen - 2) Sicherheit
1)Erfahrungen - 2) Erfahrung
1)Zen - 2) Zen
Ein langer Weg wohl, um es für sich selber zu erkennen, aber es lohnt sich, sagte ich ihm noch, sich jeden Tag ein Stücken bewußter darüber zu werden.
Als ich ihn einmal wieder traf, erzählte er mir von seinem Gespräch mit der Freundin. Das ganze Wochenende hätten sie drüber gesprochen und es wäre ein guter Anfang gemacht.