Wieder Krimizeit am Sonntagabend. Wieder mal hervorragend ein Thema hinterleuchtet und gezeigt, wie es passieren kann. Das Unvorstellbare, das Grausame.
Lesen wir es nicht täglich in den Zeitungen! Familienvater erschlug Familie. Mutter brachte ihre Kinder um!
Genau dieses Thema behandelte der Tatort an diesem Sonntag.
Ein Familienvater, hochverschuldet, keinen Ausweg mehr sehend, telefoniert mit den Banken! EIn Hilfeschrei! Er wird abgewiesen. Er ist verzweifelt. Hat Angst, weiß nicht mehr wie es weitergehen soll! Er kommt mit den Ansprüchen, die seine Familie an ihn stellt, nicht mehr zurecht, kann die Erwartungen nicht mehr erfüllen.
Sie haben eine Tochter, die auf ein Internat geht, in denen Töchter von Höchstverdienern untergebracht sind. Entsprechend sind die Ansprüche, Skiurlaub, Pferd, usw.usw. Die Tochter soll es besser haben, vermittelt die Frau ihrem Mann. Sie soll nicht darunter leiden, dass sie, die Eltern, es zu nichts gebracht haben!
Er, der Vater sitzt auf einer Bombe von Aggressionen. Er arbeitet als Kaufhausdedektiv. Eines Tages erwischt er eine junge Frau bei einem Diebstahl. Er will sie überführen, diese hat aber das Diebesgut vorher in einer Toilette in einem Luftschacht versteckt. Ergo ist bei der Taschenkontrolle nichts zu finden. Er muß sie gehen lassen.
In der nächsten Szene sieht man das Mädchen im Lagerhof des Kaufhauses von außen an dem Schacht, um die Beute sicherzustellen. Er, der Dedektiv ahnt es, erwischt sie dabei und führt sie ab. Sie gibt ihm zu verstehen, was er für eine kleine Niete, ein Versager ist. Sie ist die Tochter des Kaufhausinhabers. Er läßt sich nicht beeindrucken, führt sie einen Gang entlang. Sie fängt an zu schreien, fügt sich selber Schläge zu und schreit. Sie will einen sexuellen Mißbrauch vortäuschen. Er, dreht durch, will sie zum Schweigen bringen. Er hat nicht vor, sie umzubringen. Es geschieht einfach. Plötzlich ist sie tot.
Was passiert jetzt. Er versucht die Ruhe zu bewahren, geht strategisch vor. Wartet die Dunkelheit ab, holt die Leiche, steckt sie in einen Autokoffer und fährt mit ihr ins Moor.
Unterwegs, die Polizei ist schon eingeschaltet und auf der Suche nach dem Mädchen, trifft er den Kommissar, der mit seinem Auto im Moornebel stehengeblieben ist, weil er anscheinend einen Wolf oder Hund überfahren hat. Der Kommissar bittet ihn um Mitnahme. So fahren beide, Ermittler und Mörder, die Leiche im Kofferraum ins Internat, wo der Kommissar seinen Untersuchungen nachgehen will, und er, der Vater, seine Tochter besuchen will.
Jetzt beginnt eine wirkliche spannende Ermittlungsgeschichte, die mal wieder zeigt, wie wichtig es ist, als Ermittler, mehr als nur nach Fakten zu suchen, sondern dass es auf eine ganz besondere Beobachtungsgabe der menschlichen Reaktionen, Mimiken, Verhaltensweisen ankommt. Man kann bei einem Menschen am Gesicht so viel ablesen, wenn man wirklich beobachtet. Mann kann dem Menschen bis auf den Grund seiner Seele schauen, wenn man das Einfühlungsvermögen hat. Man sieht einem Gesicht an, welche Zeichnung es trägt, ob es geprägt von Gier, Zynismus, Verbitterung etc.etc. ist.
Diese sensible Beobachtungsgabe hatte der Ermittler und es ist faszinierend, wie er dem Täter intuitiv auf die Spur kommt.
Das Ende ist schockierend, mehr als schockierend. Ich sitze wie gebannt auf dem Sofa und denke, ja, genauso passieren die Dinge. Die schrecklichsten Dinge passieren ungewollt, unkontrollierbar und nicht mehr rückgängig zu machen.
Die Bilder am Ende des Films sind grausam. Der Vater erschlägt seine Frau mit einer Axt in einem Anfall von Wahn und Aggression, ist nicht mehr bei sich, er bedroht seine Tochter und wird, schlußendlich überführt. Das Mädchen wird gefunden und am Ende bleibt seine fürs Leben gezeichnete Tochter, die dieses Trauma wohl nie überwinden wird im Bild, wie sie von der Psychologin in ein Auto gesetzt wird.
Ein Film nur, ein Krimi und doch mal wieder ein Geschehen, wie es jeden Tag passiert, überall auf dieser Welt. Und man kann sich nicht erwehren, Mitleid zu haben, mit den Opfern, aber auch mit dem Täter.
Die schrecklichsten Dinge passieren, aber sie haben eine Geschichte, die dazu geführt hat und wir tun verdammt gut daran, nicht zu verurteilen, nicht zu denken, so was kann einem nicht passieren. Jeder könnte in so eine Situation kommen, wir wollen es nicht glauben, wir denken, wir nicht, aber wer weiß das schon.
Aber der Film hat gerade auch aufgezeigt, wie sehr Menschen von ihren Ansprüchen versklavt sein können, wie sie sie zu Marionetten ihrer Handlungen macht. Wozu die Sucht nach Anerkennung in einem bestimmten sozialen Millieu führen kann. Wie sehr man unter Druck geraten kann, um mit anderen mithalten zu können.
Ich bin mal wieder nachhaltig beeindruckt von dem Gesehenen, es gibt doch noch Qualität im Fernsehen, ich jedenfalls hab es so empfunden!