Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Ich schreibe einfach gern:)

Werbung

Kölner Tatort!

Sonntagabend ist für mich immer Krimizeit. Den Kölner Tatort seh ich natürlich am liebsten. Die ersten Bilder des Films hab ich nicht mitbekommen, da ich gerade noch einen Kommentar zum Beitrag von Jess Neonleuchten geschrieben hatte. Aber dann gings schnell weg vom PC. Die ersten Bilder, die ich sah, waren in Chorweiler gedreht worden. Das fand ich schon stark, diese Trostlosigkeit eines Kölner Vorortes zu zeigen. Ehrlich gesagt, wußte ich gar nicht, worum es diesmal im Tatort ging.
 
Aber dann war ich regelrecht geschockt, Mein Mann und ich saßen völlig hypnotisiert vor dem Fernseher und schauten zu, wie dieser Tatort ein Thema aufgriff, das, ja so kann man es wohl sagen, eines der heißesten Themen überhaupt aufgegriffen hatte. Ein Phädophiler, der verurteilt war, einen Jungen mißbraucht und getötet zu haben, war aus der Haft entlassen worden, und wollte zurückkehren in seine Wohnung. Natürlich war er bekannt, denn eine Organisation, die sich gegen Kindesmißbrauch und dem Auffinden von Phädophilen widmete, hatte zusätzlich überall Steckbriefe des vermeintlichen Mörders angeheftet. Sogleich wurde er auch von einem dort lebenden Nachbarn auf einem Spielplatz beim Beobachten von Kindern erwischt und zusammengeschlagen. Am Morgen danach fand man ihn tot in einem Müllcontainer. War es Lynch-Justiz? Schon ein Thema für sich allein!
 
Von den letzten beiden Kölner Tatorten war ich ein bißchen enttäuscht, aber was dieser Krimi diesesmal an Dichte hatte, das raubte mir schon den Atem. Gezeigt wurde die Gefühls- und Lebenswelt aller Beteiligten, die des Hinterbliebenen des ermordeten Jungen, nämlich des Vaters, der Vorsitzende der Organisation für das Auffinden phädophiler Mißbraucher. Sein Leben, seine Ehe war zerstört und seine ganze Lebensernergie hat sich darauf ausgerichtet, mögliche Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Er bediente sich eines jungen Mannes, der selber als Kind Opfer eines Phädophilen geworden war, der die Verhaltensweisen der Täter also genau kannte, der aber auch genau wußte, wie man sich als Opfer fühlt, einem Menschen, dessen Seele als Kind zerstört wurde, der nicht mehr fähig war, zu einem normalen und glücklichen Leben zu finden.
 
Gezeigt wurde aber auch die Familie des angeblichen Mörders des Jungen. Zerstört, geächtet von allen. Der Vater des Mörders erklärte, dass er froh sei, dass sein Sohn beseitigt worden war. Sein Bruder, verliebt in eine junge Frau, die wiederum einen kleinen Jungen hatte, zum Scheitern verurteilt dessen Beziehung, weil diese Frau aus Angst vor ebenfalls möglicher Übergriffe seinerseits nicht mit ihm zusammen leben wollte.
 
Gezeigt wurde die Kaltblütigkeit und Rohheit des Mannes, der sich nach Festnahme, nachdem er dabei erwischt wurde, wie er mit einem Video gehandelt hatte, in dem er ein kleines Mädchen mißbraucht hatte. Das Gespräch zwischen ihm und den Kommissaren, die unglaublich beeindruckend ihre Betroffenheit rübergebracht hatten, ließ einem den Atem stocken. So erzählte dieser, dass es überhaupt nicht schlimm sei, kleine Kinder zu verführen, erst langes Vertrauen zu ihnen aufzubauen und sie dann zu mißbrauchen. Er fühlte sich absolut im Recht. Was denn schon "normal" sei, war seine Ansicht. Wer denn das Recht hätte, zu beurteilen, was richtig oder falsch sei.
Die eindringlichen Ermahnungen, wie ein solcher Mißbrauch die Seele eines Kindes tötet, erreichten ihn nicht. Ich muß sagen, ich war fassungslos, wie alle Seiten, alle menschlichen Abgründe und Empfindungswelten hier geschildert wurden.
 
Ich mußte zwischendurch an einen Bekannten denken, der hier in Köln bei der Kriminalpolizei arbeitet und genau mit solchen Fällen tagtäglich konfrontiert wird. Aus seinen Erzählungen weiß ich, wie schwer der Dienst der Beamten ist, die in diesem Bereich arbeiten, die sich täglich mit diesen Täterns befassen müssen, sich Bilder und Videos anschauen, die sie bis in ihre Träume hinein verfolgen. Einige, so sagt er oft, trinken, weil sie es irgendwann nicht mehr ertragen können. Aber, wenn sie es nicht mehr ertragen können, wer soll dann noch diese Arbeit tun.
 
Die Ohnmacht, in der sich Ballauf und Schenk während der Aufklärung befanden, hat mich nachhaltig beeindruckt.
 
Kaltblütig lächelte der Mißbraucher des kleinen Mädchens sie an und meinte, drei Jahre vielleicht, dann ist er wieder draußen. Dann geht das weiter. Wegsperren, war die Meinung der Beiden.
Aber in Deutschland allein leben ca. 2oo.ooo Phädophile, wo sollen die denn eingesperrt werden, die Antwort des Psychologen, der den Ermordeten betreut hat und ihm sogar ein Zeugnis erteilt hat, dass er angeblich seine Neigung in den Griff bekommen habe. Es warte ja auch therapeutische Nachbehandlung auf sie. Und was ist mit den Opfern, die Frage von Ballauf und Schenk? Ja, die, die werden doch auch psychologisch betreut, ebenfalls die Eltern der Kinder.
 
Am Ende stellte sich heraus, nicht der Ermordete hatte den kleinen Jungen getötet, sondern der, der dem Vater des Jungen in seiner Organisation zur Seite stand, um weitere Phädophile auffindig zu machen. Es klärte sich auf, dass dieser den Jungen getötet habe, als sein Peiniger diesen immer öfters mit nach Hause brachte und ihm seine ganze Zuwendung entgegenbrachte, die ihm dadurch genommen wurde. Er hatte ja niemanden vorher, der ihn geliebt habe und er sah sich dieser Liebe nun genommen. Er, zu einer Zeit, in der er aus dem Alter eines Kindes, das für Phädophile interesdsant ist, herausgewachsen, hat den Jungen aus Neid und Eifersucht ermordet.
 
Ein Ende, dass man nicht erwartet hatte und ich saß am Ende stumm und still vor dem Fernseher, unfähig zu verarbeiten, was ich da gesehen hatte. Ich bin gespannt, wie die Resonanzen auf diesen Krimi morgen in der Presse ausfallen.
 
EIn wirklich mutiger Krimi, zu einem Thema, mit dem man eigentlich nicht gerne konfrontiert werden möchte, dass aber doch so aktuell wie noch nie ist.
 
Für mich unglaublich, dass Menschen, die so etwas tun, nicht in der Lage sind, nachzuvollziehen, dass sie die Seele eines Kindes zerstören, dass es sein Leben lang unter dieser Wunde zu leiden hat, die immer wieder aufbrechen kann.
 
Wir sehen das Ungeheuerliche und wollen es nicht glauben. Und ich frage mich immer wieder, wieso Menschen zu so etwas fähig sind!
Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post