Es ist Freitagmorgen. Mein Mann verabschiedet sich, der Sohnemann geht auch aus dem Haus und ich denke, wie schön, noch ne halbe Stunde nur für mich allein. Setze mich hin, gieß mir einen Kaffee ein, atme durch! Plötzlich höre ich den Schlüsselbund. Ach ne, das war’s dann! Sollte wohl nicht sein.
Mein Mann kommt hereingestürzt, regennass und wirft mir mit all seiner Empörung das pitschenasse Knöllchen auf den Tisch. Schon wieder, mufft er mich an! Ich geh jetzt bald nur noch für die Knöllchen arbeiten! Hey sag ich, du hast aber mehr wie ich. Ich fahr doch kaum!
Und überhaupt, wieso, frag ich ihn, ich hab doch nicht verboten geparkt! Doch sagt er, du hast nicht den vorgeschriebenen Abstand am Straßenende gelassen. Ich merke, wie sich auch in mir ein Gefühl von Empörung breit macht. Ja, sag mal, sind die denn bekloppt. Ich hab doch nun wirklich keinen gestört an der Ecke. Der Fahrradweg war frei und ich parkte auf der rechten Seite, d.h. der von links kommende Verkehr konnte weiterhin gut eingesehen werden. Aber Gesetze sind halt nun mal Gesetze! Langsam bin ich, sind wir verzweifelt. Wir Nippesser Anwohner laufen bald Amok! Ganz bestimmt. Und das wegen der Parkplatzsituation.
Ich fahre selten Auto und nur, wenn es unbedingt sein muss. Aber niemand kann sich wohl vorstellen, wie es ist, wenn du am Abend, nach 22.oo Uhr, nach Hause kommst und deine einsamen Runden, oft 1o bis 2o Minuten durch Nippes drehst. Das allein wäre wirklich ein Grund wegzuziehen! Seit drei Jahren gibt es Anwohnerparkscheine, für die man im halben Jahr 6o,--? bezahlt. Da die Tochter ihren Zweitwohnsitz zuhause angemeldet hat, zahlt auch sie denselben Betrag im Jahr.
Jetzt frag ich mich, nachdem wir nun in diesem Monat fast 8o,--? an Knöllchen zu zahlen hatten und das ist nicht der einzige Monat und dass auch nur, weil wir oft vor Verzweifelung nicht mehr wissen, wohin mit dem Auto, was denkt sich die Stadt eigentlich dabei. Wohin soll der Bürger denn mit seinem Auto hin, Steuergelder werden kassiert, aber ansonsten kannst du sehen, was du mit deinem Auto machst.
Die Parkanwohnerberechtigung gilt auch nur für besondere Bereiche und bis 21.oo Uhr. Danach darf jeder parken, wo er will. Wenn ich dann nach Hause komme und sehe die Autos mit den Kennzeichen BM, SU, usw, usw., die sich dann hier irgendwo in den Kneipen einquartiert haben, krieg ich jedes Mal einen Anfall.
Zurzeit entsteht in Nippes eine neue Einfamilienhaus-Siedlung im alten Bundesbahngelände, autofrei. Gute Sache an sich! Aber mal ehrlich, wer glaubt denn, dass die vielen Familien, die dort hinziehen werden, wirklich kein Auto haben? Es wird mit ca. 3ooo neuen Nippesser Bürgern gerechnet. Man stelle sich das mal vor! Gut, es soll ein Parkhaus entstehen, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass das nicht reichen wird. Und überhaupt, schließlich kriegen die auch mal Besuch, gerade an Wochenenden.
Wirklich, man kann sich nicht vorstellen, welche Wut manchmal in einem ist, wenn man vor der Situation steht und nicht weiß, wohin mit dem Auto und kurvt und kurvt und kurvt. Garage wäre gut, aber woher die Plätze nehmen. Also wenn da nicht bald was passiert, glaub ich, da werden bald einige noch durchdrehen! Oder man zahlt eben jeden Monat Knöllchengelder. Abkassieren, ohne die Not der Bürger des Viertels zu sehen. Ich finde das unglaublic