Wie ein Buchhändler-Arbeitstag ausschaut hab ich ja einmal in einem Beitrag geschrieben. Natürlich gibt?s, wie in jedem anderen Beruf auch, so Tage, da geht alles ganz normal, man hat nette Kunden, die sich bedanken, wenn alles gut geklappt hat, man hält ein Schwätzchen über Gott und die Welt, aber irgendwie ist das oft, wenn auch eine schöne, Routine. Dann gibt es so Tage, wie heute z.B., da passieren Dinge, über die ich noch lange lachen kann.
Komme heute also in den Laden angeflogen, die Kollegin ist gerade mit einem Herrn beschäftigt, der ein Buch kaufen bzw., bestellen will, von dem er nicht weiß, wie es heißt und vom wem es ist. Er meint zu ihr, er hätte es in einer Innenstadtbuchhandlung auf dem Tisch ausliegen gesehen. Es sei ein Thriller, der Buchumschlag wäre weiß und er meinte, sich daran erinnern zu können, das chinesische Schriftzeichen drauf gestanden hätten. Der Verlag sei, seiner Erinnerung nach Piper gewesen. Ein Taschenbuch. Die Kollegen schaut ihn konsterniert an und meint zu ihm, ja, wie soll ich das denn finden? Er sagt, der Autor würde, wenn er sich recht erinnere, mit "Br" oder "Pr" anfangen und ungefähr Prwewski, oder so ähnlich heißen. Die Kollegin gibt sich wirklich Mühe, ehrlich, aber irgendwann wirft sie das Handtuch und sagt ihm, also so geht das nicht, mit diesen Angaben kann ich das Buch nicht finden. Er ist nicht böse, aber irgendwie enttäuscht. Ich sehe das und ruf ihm noch etwas zu, frag ihn, ob es vielleicht auch ein anderer Verlag gewesen sein könnte. Die Kollegin schaut mich böse an. O.k. denke ich, da mußte jetzt durch. Dann kommt er zurück und ich schaue noch einmal mit ihm in den Computer. Ehrlich, ich muss irgendwie innerlich schmunzeln, aber er stellt sich mir als Herausforderung dar. Er wiederholt alle merkwürdigen Angaben, und ich recherchiere, gebe Thriller ein in Verbindung mit Piper, wir gehen alles durch, aber er findet das von ihm gesuchte Buch nicht. Ich gebe wieder Thriller ein und Autor mit „Prz*“und Piper. Dann meint er plötzlich, ne, vielleicht war es doch Goldmann und vielleicht fing der Name doch mit „Brs“ an! Juchhu denke ich, und sage ihm:“ Na, sie sind mir ja ein Kunde“? Ich suche und suche und dann sagt er plötzlich zu mir:“ Ja, stimmt ich bin ein Kunde, der herausfordert, ich bin schon immer gegen den Strom geschwommen! Ich merke, wie sich in mir ein inneres Grinsen breit macht! Ach ja? sag ich zu ihm. Ja, er wäre schon immer ein Weltverbesserer gewesen, hat immer ne andere Meinung vertreten, als sein gegenüber! Ach so, sag ich zu ihm, Ja, ja, hm, und nicke immer noch innerlich grinsend ihm zu und denke, das kann wohl jetzt nicht wahr sein. Wie kommt der denn jetzt darauf, was von „gegen den Strom schwimmen“ zu erzählen in Verbindung mit seinen merkwürdigen und difusen Angaben auf der Suche nach einem Buch, dass er nicht benennen kann. Ich suche noch ne Weile weiter, er bequatscht mich weiter, aber dann gebe auch ich mich geschlagen, nachdem ich ca. 5oo Buchtitel durchwühlt habe. Tja, freudig und siegesssicher geht er und ich sag ihm noch, gehen Sie doch noch mal in die Buchhandlung, schauen sich das Buch genau an, schreiben sich alles auf. Dann gebe ich ihm ein Kärtchen von uns und sag ihm, er könnte es ja trotzdem dann bei uns bestellen. Er zieht ab, ist zufrieden, geht die Tür raus und meine Kollegin und ich brechen in schallendes Gelächter aus. Nicht, dass das jetzt falsch verstanden wird, ausgelacht haben wir ihn nicht wirklich, nur gewundert haben wir uns.
Das war schon ein Highlight des Tages. Kunden gibt es. Ich will aufstehen, jetzt endlich zu meinen Botengängen übergehen, da klingelt das Telefon. Lass mal, sag ich der Kollegin, ich geh schon ran. Am Telefon meldet sich ein Herr mit einer Aussprache wie Herr Ranicki persönlich. Ich sage meinen Spruch auf, Buchhandlung?.sowieso, Röschen am Apparat, was kann ich denn für Sie tun? Daraufhin fragt er mich doch allen Ernstes, ob ich konsequent und kompetent genug wäre, ein Buch zu verkaufen, Ach du lieber Himmel, denke ich, schon wieder so einer! Na klar, sag ich lächelnd, nein, fast schon lachend ins Telefon,klar ich bin kompetent und konsequent. Ja dann, sagt er, darf ich ihnen mein Buch anbieten! Ich denk, ich hör nicht recht. Er erzählt mir, er sei schon 83 Jahre alt und hat jetzt seine Biographie geschrieben. Ist ja interessant sag ich! Und jetzt, sagt er wieder zu mir, würde er gerne das Buch eine halbe Millionen Mal verkaufen! Ich lächele weiter ins Telefon. Ja, das kann ich verstehen , antworte ich ihm. Er meint, er wüsste ja nicht, wie viel Zeit ihm noch bliebe, dieses Ziel zu erreichen, Ne, ja, antworte ich ihm, das wissen wir doch alle nicht, oder? Daraufhin ist er ganz verzückt und meint, ich hätte eine weise Antwort gegeben. Ich lächele weiter. Daraufhin fragt er mich doch:“Glauben Sie an Gott“? Ich bin so verdattert und denke, ach du jemineh, das auch noch! Das ist jetzt aber eine sehr persönliche Frage, antworte ich ihm, aber gut, ich sag mal kurz und bündig ja! Aber mehr will ich dazu nicht sagen, das würde jetzt wohl den Zeitrahmen überschreiten und ich müsse ja auch weiter arbeiten. Er ist weiterhin unbeirrt, erzählt mir seine halbe Lebensgeschichte und am Ende kam dann die Frage, ob ich denn bereit wäre, sein Buch in unserem Laden zu verkaufen, Ich frage ihn, in welchem Verlag er es denn hat drucken lassen. Daraufhin erzählt er was von einem Verlag in Wien. Ach du liebe Güte, denke ich. Ich bleib ihm freundlich zugeneigt und bitte ihn, mir doch ein Lese-Exemplar zu schicken, gebe ihm unsere Adresse und er bedankt sich.
Ich lege den Hörer auf und schmunzele weiter vor mich hin. Sag mal, sag ich zu meiner Kollegin, haben die heute irgendwo ne Türe aufgelassen. Was ist dass denn für ein Tag. Auf jeden Fall unser Arbeitstag war gerettet. Wir haben jetzt ein Phrasenschwein aufgestellt und immer wenn es Probleme gibt, sagen wir lächelnd:“ Ich bin schon immer gegen den Strom geschwommen“! Passt auf jeden Deckel, oder nicht
Ja, das sind so die Highlights im Buchhändleralltag, die einem doch das Arbeiten an sich versüßen. Dann gibt es noch die Geschichte von „Zwiesel dem Zwerg“, aber die erzähl ich ein ander Mal!