Der Nürburgring. Eine Legende! Was waren das noch Zeiten damals, als die Rennen auf dem gesamten Ring stattfanden. Jeder, der damals schon einen Führerschein hatte, wurde an geheuert und dann ging?s es ab am Wochenende. Egal, ob Autorennen oder Motorradrennen. Auf der Fahrt dorthin waren wir alle kleine Laudas, damals! Da wurde so manche Kurve haarscharf genommen. Angekommen, der Schlafsack ausgepackt, das Zelt unter Arm, der Kasten Bier und dann die Stelle gesucht, wo man noch irgendwo ein Loch im Zaun fand. Dann durch. Mensch fanden wir uns toll damals! Ohne Eintritt! Dann einen Platz im Wald gesucht. Holz gesucht. Lagerfeuer an. Manche Verwarnung vom Förster eingesteckt und trotzdem weiter gemacht. Ganze Nächte durch.
Morgens dann verschlafen, ungewaschen, den Weg zur Tribüne und den Toilettenanlagen gesucht, um wenigstens mal die Zähne zu putzen. Wir fanden uns klasse damals. Jeder wollte doch gerne selber mal über den Ring fahren.
Ich hätte immer gern den Motorrradführerschein gemacht. Hat leider nicht gereicht.Auch ich wollte immer gerne mal selber über den Ring fahren. Hab es auch leider nie geschafft. Ich liebe die Extreme. Bin selber ein recht forscher Fahrer und teste mich gern aus. Wenn ich jetzt in der Eifel bin, höre ich von unserem Dorf aus, je nachdem, wie der Wind steht, manchmal das Dröhnen der Motoren. Alte Erinnerungen flammen dann wieder auf. So war auch der Wunsch wieder in mir hochgekommen, einmal über den Ring zu fahren. Aber mit unserem Familienauto! Nö, das war?s doch nicht.
Nun hat ein Freund einen BMW Z 3, mit offenem Verdeck. Es reizte mich schon lange, mal den Wagen zu fahren. Ich mein, ich wollte den nicht haben, für immer. Aber einmal so einen kleinen Geschwindigkeitsrausch selber zu erfahren, das war schon eine Versuchung.
Gedacht, gewollt, getan! "Mattes leihst Du mir deinen Wagen mal", die Frage an ihn. Er sagte erst nach langem hin- und her zu Mensch, war ich aufgeregt. Also holte ich mir den Wagen ab. Alleine! Ich zog meine Trenchcoat-Jacke an. Zog sie bis zum Hals zu. Den Schal umgebunden, locker, so wie man das im Film von den mondänen Frauen immer sieht. Die Ray-Ban-Brille auf, Verdeck runter und ab gehts von Rodenkirchen aus. Schon allein das Gefühl, in dem offenen Wagen zu sitzen, verursachte in mir ein wunderbares Gefühl der Freiheit. Der Fahrtwind strich mir über den Kopf. Ich legte die CD ein. Die Musik von Nirwana tat ein Übriges. Dann ging es los. Die Autobahn Richtung Bonn, von dort, Richtung Ahrweiler, Adenau und dann Nürburgring. Ich genoss die Blicke, die ich mit dem Wagen auf mich lenkte. Ich fühlte mich einfach großartig!
Dann endlich. Schlange stehen. Tag des Idiotenrennens. Vatis, sogar mit ihren Kindern, Busse mit Rentnern, Motorradfahrer, Kleinwagen, Großwagen, Motorräder mit Beiwagen, alles was man sich vorstellen kann, stehen und warten auf dieses einmalige Erlebnis. Endlich bin ich dran. 19,--? gezahlt und ab durch die Einfahrt.
Mir zittern die Knie. Im Bewusstsein, dass bei diesen Rennen auch unendlich viele Unfälle passieren, starte ich durch. Noch etwas verhalten. Aber nach einiger Zeit werde ich wagemutiger. Der Tacho steigt auf 15okm/h auf der Geraden. 20,8 km sind zurückzulegen. Das erste Mal erfahre ich, wie die gesamte Strecke sich anfühlt im Fahrverhalten. Die erste Kurve jagt mir einen Schrecken ein. Zu plötzlich kommt sie auf mich zu. Ich brems ab. Mir zittern doch ein bisschen die Knie. Aber in meinem inneren kämpfe ich. Ich will es herausfordern. Will wissen, wie weit ich gehen kann. Der Geschwindigkeitsrausch steigt mir zu Kopf. Plötzlich eine starke Neigung. Der Fahrbahnbelag wechselt. Der Wagen gerät etwas ins Schlingern. Ich denke an all die glorreichen Helden! Mein Hand immer auf der Schaltung. Ich fühle mich cool. Hinter der nächsten Kurve fahr ich an einem stehen gebliebenen Ford-Ka-Cabriot vorbei. Eine junge Frau steht daneben. Ob sie die Angst nun doch übermannt hat? Ich bin wieder auf einer Geraden. Der Tacho steht auf 200km/h. Ich halte das Lenkrad fest. Mein Blick ist starr und konzentriert nach vorne gerichtet. Welch ein Rausch. Es ist wie das Gefühl, wenn ich mich im Kreis drehe, immer weiter, immer schneller. Ich entferne mich und bin ganz bei mir selber. Nichts von außen dringt mehr an mich heran. Nur der Blick nach vorne, das Beherrschen des Autos. Ich berechne schon die nächste Kurve, wie ich ich sie anfahren muss, um sie möglichst schnell zu bekommen. Selbstsicher nehme ich sie und freue mich, sie geschafft zu haben.
Nach knapp 20 Minuten erreiche ich das Ziel. Ich strahle über das ganze Gesicht. Ich fühl mich stark. Ich hab mir einen Wunsch erfüllt. Ich hab es geschafft. Ich bin stolz auf mich! Ich fahre rechts ran, lasse das Verdeck wieder runter, setze mich wieder ans Steuer und fahre ganz cool und beschwingt wieder Richtung Köln. Ich habe meinen Alltag mit all den Problemen für einen Tag vergessen. Das Lächeln steht mir noch im Gesicht, als ich den Wagen wieder beim Freund abliefere.
Ich steige wieder in den Ford-Ka meiner Tochter, lege die Kassette mit Mozart-Melodien ein und fahre ganz ruhig und besonnen wieder nach Hause. Mein Mann nimmt mich in den Arm und sagt:“Na, du kleine Rennfahrerin“! Ich lächele ihn an. "Hab ich doch gesagt, ich kann?s", sag ich ihm.
Ach, einmal mit Jutta Kleinschmidt ne Rally fahren mit allem drum und dran! Nun ja, nicht alle Träume können in Erfüllung gehen!
Es war ein wunderschönes Erlebnis!