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Schenken und Beschenken

Also meine Mutter wollte nicht kommen! Zu meinem Geburtstag! Nach langem Hin und Her kam mal wieder heraus, sie hatte kein Geld, um mir was zu schenken! Ich war wie jedes Mal schockiert. Bin ich Dir nix wert, war meine Frage an Sie! Mir reicht es, wenn Du kommst, war meine Antwort! Trotzdem tat sie mir leid, dass sie ein schlechtes Gefühl hatte. Meine Mutter hat eine kleine Rente. Manchmal muss ich sie unterstützen! Dann ärgert es mich ehrlich gesagt, wenn Sie dann das Geld für Pralinen oder andere Dinge ausgibt, die ich gar nicht haben will! Sie ist so weit von meinem Leben weg, dass sie sonst gar nichts weiß, was mir Freude machen würde! Aber manchmal sagt mein Mann, ist doch egal, wenn deine Mutter dann ein gutes Gefühl hat. Auch den erwachsenen Kindern bringt sie immer noch Pralinen mit. Mir wäre es lieber, sie hätte sich mal für sie interessiert! Die Kinder sind echt nett, sagen immer, das ist aber lieb, Oma! Die haben Feingefühl!
 
Ich versuche schon seit Jahren eine klarere Linie in die ganze Geschichte mit der Schenkerei zu bringen. Sein wir doch mal ehrlich. Was braucht man wirklich noch? Ich höre immer die Geschichten von den „Alten“ die erzählen, wie es war, als Schokolade noch ne irre Freude war. Oder ein paar neue Strümpfe, die wirklich gebraucht wurden. Von Schuhen gar nicht die Rede. Muss das eine Zeit gewesen sein, als man wirklich noch richtige Wünsche hatte!
 
Wie jedes Jahr wurde ich auch diesesmal immer wieder gefragt, na, was wünscht du dir denn?
 
Wie jedes Mal fiel mir nix ein! Sicher, es gibt immer eine CD, die ich noch nicht habe. Selbst bei Büchern würde ich nie Nein sagen, auch wenn ich selber an der Quelle sitze. Aber immer hab ich einen Widerstand, bestimmte Wünsche dann zu äußern. Und außerdem, ist es ja keine Freude mehr, wenn ich schon vorher weiß, was ich bekomme. Geschenke müssen doch Überraschung sein!
 
Ich geh ja systematisch vor mit den Geschenken an andere. Hab einen Kalender! Der wird sofort herausgeholt, um mir Notizen zu machen, falls jemand mal ganz beiläufig erzählt, dieses oder jenes hätte er gerne! Das ist dann immer ne dicke Überraschung, wenn ich dann eines Tages, obwohl schon sehr viel Zeit verstrichen ist, mit dem kleinen Attribut an ihn herausrücke. Fast schon ist es wie ein Geschenk an mich selber, wenn ich dann die Freude des anderen sehe.
 
Wir leben in einer Zeit, wo das Schenken wirklich zum Stress werden kann, jedenfalls bei Vielen. Ich krieg das im Laden auch oft mit. Da kommt dann z.B. eine Mutter, die will ihrem Sohn ein Buch schenken, weiß aber gar nicht, was er so liest. Ich staune! Bin jedes Mal betroffen! Oder Jemand will einem Freund oder einem Bekannten eines schenken, ebenfalls dasselbe Dilemma. Ich meine, gehört zum Schenken nicht zumindest eine solche Beziehung, das man weiß, was dem anderen gefällt!
Manchmal muss man ja auch was schenken, wo man selber gar nicht dahinter steht. Aber solange es dem anderen gefällt!
 
Jedenfalls häuften sich auf meinem Geburtstagstisch wieder die kleinen Stapelchen mit Verzierkerzen, Stiften zum Schreiben und ähnlichem! Ich schau mich in der Wohnung um und frage mich, wohin ich jetzt die xte.Kerze so hinstelle, damit ich sie auch gut wahrnehmen kann und an den Schenkenden denke. Es fällt schwer. Und wenn ich dann wieder denke, dass all die, die mir diese Dinge geschenkt haben, mit ihrem Geld rechnen müssen, bin ich fast ein bisschen traurig! Ehrlich, ein schöner Tag mit den jeweiligen Personen, ist mir Hundert Mal lieber!
 
Meinen Kindern hab ich gesagt, ich will nicht, dass ihr mir was schenkt, was Geld kostet. Mensch Mama, sollen wir dir wieder was basteln, so wie früher. Großes Lachen! Nee lasst mal, meinte ich! Nach Jahren haben sie mir anvertraut, dass eine mögliche Erwartungshaltung ihrer Eltern, was selbst gebasteltes zu bekommen, sie ganz schön gestresst hätte. Oh je!
Gestern haben sie mir einen Gutschein für ein gutes selbstgekochtes Menü geschenkt. Das fand ich klasse. Darauf warte ich jetzt und freu mich drauf.
 
Ach, das neuste im Trend sind ja Gutscheinbücher! Fürs Frühstück, rechtsrheinisch, linksrheinisch, oder für sonstige Restaurants. Ein Essen frei, Getränke müssen selber gezahlt werden. Anschaffungspreis ca. 15,00?. So einer liegt hier auch noch irgendwo rum. Ich hab ihn nie genutzt! Noch schlimmer find ich Geldgeschenke. Gibts ja heute zu jedem Anlass! Die Botschaft: ach du weißt am besten was Du willst! Kauf Dir was Schönes!
 
Manchmal denke ich, ist es den meisten eigentlich zuviel ob der Fülle der zu beschenkenden Personen, darüber nachzudenken, was ihnen wirklich Freude bereitet. Zu forschen und erforschen, wie erreiche ich den anderen mit einer kleinen Freude.
 
Also, natürlich hab ich auch Wünsche! Aber die kann mir eh keiner erfüllen! Ich freue mich am meisten, wenn liebe Menschen für mich da sind. Mit mir zusammensitzen und erzählen und an mich gedacht haben.
 
Aber im Großen und Ganzen scheint das Schenken und Beschenktwerden immer mehr zum Stress in unserer Gesellschaft zu werden. Warum? Weil es bald nix mehr gibt, was wir uns wirklich wünschen und auch brauchen können.
 
Aber vielleicht bin ich einfach nur zu satt, gemessen an den Generationen vor mir, die wirklich noch Wünsche hatten, oder?
 
Der Willi hat mir ein Inhaltsverzeichnis geschenkt. Das fand ich klasse. Hier vom Blog. Und ne schöne Grußkarte hab ich auch bekommen, das hat mich auch sehr berührt. Und die vielen lieben Geburtstagswünsche, ach war das schön! Übrigens Worte zu finden, die man jemandem schreibt, den man beschenken will, scheint auch sehr schwer zu sein. Den meisten fällt dann wohl auf, dass sie sich gar nicht mit der Person beschäftigt haben und also gar nicht wissen, was sie ihm wünschen wollen. Klar, die üblichen Sachen, wie Gesundheit, Gottes Segen usw. klar, sind auf alle und jeden anzuwenden. Aber etwas, dass sich wirklich auf die Individualität desjenigen bezieht, ist schwierig.
 
Ich hab drei Röschen bekommen. Geschickt in die Eifel! Im Paket war ein Tempo-Paket. Da hab ich gestaunt! Dachte doch glatt, derjenige hätte das anweisen lassen. Ich dachte, wieso hat der Schenker gewusst, dass ich zwei Stunden vorher noch geweint hatte! Heraus kam, dass der Fleurop-Dienst in Adenau jedem zu überbringenden Blumenstrauß dieses Tempopaket beifügt, wegen der eventuell bevorstehenden Freudentränen! Das war ein Spaß! Der Schenker wusste gar nicht was ich meinte mit den Taschentüchern.
 
Ich bin nicht undankbar, im Gegenteil, aber ich meine, man sollte nicht so viel Gedöns mit der Schenkerei machen! Da sein, miteinander lachen, reden und Freud und Leid teilen, sind Geschenk genug in dieser Zeit, oder!
 
Die Röschen stehen jetzt hier zuhause auf dem Tisch und erfreuen mich!

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